Meteoschweiz arbeitet mit neuem Wettermodell

26. Juni 2024 um 09:17
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Quelle: Meteoschweiz

Das neue Modell arbeitet mit genaueren topographischen Daten und einem engmaschigen Gitter und ist Open Source.

Die Wetterprognosen von Meteoschweiz werden seit dem 25.6. mit einem neuen Wettermodell gemacht. Das macht die Vorhersagen laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) zuverlässiger. Vor allem im Alpenraum sollen die Prognosen damit genauer werden.
"Es geht nicht nur um Badewetter, sondern hat viel mit der Sicherheit zu tun", sagte Christof Appenzeller, der Direktor Meteoschweiz, vor den Medien. "Wettervorhersagen bieten die Grundlage, um Leben zu retten." Deshalb sei es essenziell, dass das Modell so genau wie möglich sei. Nur so könnten Behörden informiert werden, etwa um Strassen rechtzeitig zu sperren.
In Betrieb ist das neue Modell mit dem Namen "Icon", das unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurde, bereits seit dem 28. Mai. Sichtbar auf der App ist es seit Dienstag. Vollständig ablösen wird es das bisherige Modell "Cosmo", das 2001 eingeführt und seither ständig verbessert wurde, in etwa einem Monat.

Gewitter besser vorhersagen

"Wir werden es auch mit dem Icon-Modell nicht schaffen, jedes Gewitter punktgenau vorherzusagen", sagte Oliver Fuhrer von Meteoschweiz. Gewitter seien besonders schwierig vorherzusagen. Trotzdem seien die Wetterprognosen damit deutlich besser. Die Prognosen würden damit auf einen Schlag so viel besser, wie sie es normalerweise in vier Jahren würden. Im Vergleich zum bisherigen
Wettermodell bilde das neue Modell "Icon" die komplexe Topografie der Schweiz genauer ab. Dies sei besonders wichtig für den Alpenraum, wo häufig lokale Wetterereignisse wie Gewitter, Berg- und Talwindsysteme auftreten.

Ein engmaschiges Gitter

Das Wettermodell teilt die Oberfläche der Schweiz und der angrenzenden Länder in Dreiecke auf. Die Atmosphäre darüber in mehrere Schichten. Für jedes dieser Segmente werden aktuelle Daten von Radar- und Bodenmesstationen zu Luftdruck, Wind, Bewölkung und Temperatur eingespeist.
"Icon" berechnet daraus mit einem aufwendigen Verfahren, wie sich die Atmosphäre in den nächsten Stunden und Tagen verändern wird. Die Grundlage für die Berechnungen bilden physikalische Gesetzmässigkeiten und mathematische Gleichungen. Informationen zum Wetter ausserhalb der Modellgrenze stammen aus einem anderen, globalen Modell.

Technische Details

Wie genau die Vorhersagen werden, hängt dabei unter anderem von der Maschenweite des Gitters ab. Je kleiner diese ist, desto detaillierter erfasst das Modell die atmosphärischen Strukturen und den Erdboden.
Für die Vorhersagen der kommenden 33 Stunden verwendet das Modell dabei eine Maschenweite von einem Kilometer. Für die Vorhersagen für die folgenden fünf Tage wird eine Maschenweite von 2,1 Kilometern genutzt.
Das bisherige Modell "Cosmos" funktionierte nach demselben Prinzip. Anstelle eines Dreieck-Gitters verwendete es aber ein Viereckgitter mit einer grösseren Maschenweite. Laut dem Meteorologen von Meteoschweiz sind zudem die physikalischen Grundlagen und mathematischen Gleichungen des neuen Modells genauer.

Supercomputer im Einsatz

Ausserdem erstellt das Modell jeweils mehrere Prognosen gleichzeitig. Mit dem Gitterabstand 1,1 Kilometer werden beispielsweise achtmal am Tag elf Vorhersagen erstellt. Dies dient dazu, die Unsicherheiten zu quantifizieren. Es wird also jeweils geschaut, wie stark und in welchen Aspekten sich Prognosen unterscheiden.
Die Meteorologinnen und Meteorologen von Meteoschweiz nutzen dafür den neuen Supercomputer "Alps" am nationalen Hochleistungsrechenzentrum (CSCS) in Lugano und Lausanne.
Fällt das System an einem Standort aus, wird es am anderen Standort weitergeführt. Das mache den Service resilienter, hiess es von Meteoschweiz.

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