Microsoft legt Cloud-Streit in Europa mit Millionen-Zahlung bei

11. Juli 2024 um 12:27
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Foto: Atiyeh M. / Unsplash

Der europäische Cloud-Verband CISPE hat sich mit Microsoft geeinigt. Berichten zufolge bezahlt der US-Konzern 20 Millionen Euro und verhindert eine kartellrechtliche Untersuchung.

CISPE, die europäische Vereinigung von Cloud Providern, hat sich mit Microsoft geeinigt und will die bei der Europäischen Kommission eingereichte Beschwerde zurückziehen. Dabei geht es um angeblich wettbewerbswidriges Verhalten von Microsoft im Zusammenhang mit den Kosten, die Provider für den Betrieb der Software in ihren Rechenzentren zahlen müssen.
Der genaue Inhalt der Vereinbarung bleibt vertraulich. Microsoft habe sich verpflichtet, "bestimmte Änderungen vorzunehmen, um den Ansprüchen der CISPE-Mitglieder Rechnung zu tragen", heisst es. Somit werde die Beschwerde zurückgezogen.
Mit der Einigung ist es Microsoft gelungen, eine genauere Prüfung der EU-Kartellwächter abzuwenden. 'Reuters' schreibt, dass der US-Konzern in dem Vergleich 20 Millionen Euro zahlt. Der Deal sehe vor, dass Microsoft die 27 CISPE-Mitglieder für entgangene Einnahmen entschädige. Davon ausgenommen seien AWS, Alibaba Cloud und Google Cloud. Ausserdem werde der Konzern die Preise für seine Software neu festlegen und eine erweiterte Version von Azure HCI Stack for Hosters anbieten, teilt CISPEmit.
Microsoft habe neun Monate Zeit, seiner Zusage nachzukommen. "Wenn CISPE am Ende dieses Zeitraums feststellt, dass Microsoft seinen Verpflichtungen im Zusammenhang mit den versprochenen Änderungen nicht nachgekommen ist, wird es seine Beschwerde erneut einreichen", so die Mitteilung.

Ein "Bärendienst" für europäische Anbieter

Die Vereinbarung sei ein "grosser Gewinn für den US-Konzern – und ein Bärendienst für Innovation und Cybersicherheit in der Europäischen Union", sagt der IT-Sicherheitsrechtler Dennis-Kenji Kipker gegenüber 'Channel Partner'. Die Kartelluntersuchung wäre dringend nötig gewesen, denn das Monopol von Microsoft belaste die Branche. Der Vergleich werde nicht dazu beitragen, die Situation zu entschärfen, ergänzt Kipker.
Auch die Koalition für faire Softwarelizenzierung CFSL ist nicht zufrieden mit diesem Ergebnis. Es werde weiterhin unfaire Softwarelizenzierungspraktiken von Microsoft geben. Das bedeute weniger Auswahl und höhere Kosten für Kunden und Partner.
Microsoft President Brad Smith begrüsste den Deal: "Nachdem ich mehr als ein Jahr mit CISPE und seinen europäischen Mitgliedern zusammengearbeitet habe, freue ich mich, dass wir nicht nur ihre Bedenken aus der Vergangenheit ausgeräumt haben."

Beschwerde im Jahr 2022

Der Streit zwischen CISPE und Microsoft zieht sich bereits seit einigen Jahren. 2022 hat die Organisation schliesslich die formelle Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Neue Lizenzpraktiken aus dem Jahr 2019 würden es schwieriger und teurer machen, zuvor gekaufte Microsoft-Software auf anderen Plattformen als Azure zu betreiben.
Die Lizenzpraktiken seien wettbewerbswidrig, weil sie Produktivitätssoftware mit Cloud-Infrastrukturdiensten unzulässig bündelten. Das mache es Mitbewerbern unmöglich, konkurrenzfähige Preise anbieten zu können, hiess es damals von den europäischen Cloud-Anbietern.
In der aktuellen Mitteilung erklärt CISPE weiter, dass man ein unabhängiges European Cloud Observatory (ECO) einrichten werde. Dieses soll sich aus Vertretern von Microsoft, europäischen Cloud Providern und Kundenverbänden zusammensetzen. Das ECO werde regelmässig Bewertungen, Berichte und Empfehlungen zur Umsetzung der Vereinbarung herausgeben.

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