Weil Microsoft im Gegensatz zu Apple und Google keinen eigenen App-Store für Smartphone-User besitzt, muss das Unternehmen unglaublich viel Geld investieren, um weiter in den Bereich der Verbraucherdienste zu expandieren. Aus diesem Grund sei in Redmond nun vor kurzem die Entwicklung einer "Super-App" in Erwägung gezogen worden, schreibt 'The Information'
(Paywall).
Über diese App sollen Einkäufe, Zahlungen, Nachrichten, Spiele, Websuche und weitere Dienste in einer einzigen Anwendung vereint werden. Als Vorbild dafür soll die Wechat-App des chinesischen Anbieters Tencent dienen. Sie sei eine "Inspirationsquelle" für hochrangige Microsoft-Führungskräfte, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Microsoft hoffe so, die Nutzer von Mobilgeräten an sich binden zu können.
Privatkunden im Fokus
Es sei zwar nicht klar, ob Microsoft je eine solche App auf den Markt bringen werde. Ein erstes Indiz dafür sei allerdings, dass CEO Satya Nadella die Bing-Suchmaschine besser für die mobilen Microsoft-Produkte optimiert habe, so die Person. So habe es beispielsweise Anweisungen gegeben, Bing in die Messaging- und Outlook-Apps von Microsoft Teams zu integrieren. Ein Sprecher von Microsoft wollte sich dazu gegenüber 'The Information' nicht äussern.
Durch die Entwicklung der Super-App soll künftig mehr Geld mit Privatkunden verdient werden. Heute macht Microsoft einen Grossteil seiner Einnahmen im Geschäft mit Business-Kunden. Die Ambitionen im Verbrauchermarkt werden zudem auch durch die
69-Milliarden-Übernahme von Activision Blizzard untermauert, die derzeit von verschiedenen Aufsichtsbehörden
untersucht wird. Dazu habe es auch Bestrebungen zur Übernahme von anderen Services wie Tiktok, Discord oder Pinterest gegeben.
Grosse Konkurrenz
Microsoft ist im Bereich der Super-Apps aber nicht das einzige Technologieunternehmen mit Ambitionen. Auch Elon Musk äusserte kürzlich sein Interesse an einer solchen Anwendung. Anders als in China hat sich in der westlichen Welt allerdings noch keine solche allumfassende App durchgesetzt. Und selbst wenn die App schlussendlich Erfolg haben sollte, ist das Unternehmen immer noch sehr stark von den mobilen Plattformen der Konkurrenz abhängig, über die die Applikationen auf die Endgeräte der Nutzenden geladen werden.
Dies gilt insbesondere für Apple, das strenge Regeln für die Arten von Diensten hat, die Entwickler über ihre Apps anbieten können. Gemäss 'The Information' hat Wechat dafür eine Sondergenehmigung von Apple. Nur dank dieser können User Miniprogramme ausführen, Gelegenheitsspiele zocken, Taxis rufen oder Einkäufe tätigen, ohne die App zu verlassen.