Neue Rechenzentren haben in Irland einen schweren Stand

17. Juni 2022, 07:00
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Rechenzentren in Dublin brauchen bald mehr Strom als die Bevölkerung. Foto: Gabriel Ramos / Unsplash

Irland gilt als grosser Tech-Hub. Doch die Energiebehörde schiebt RZ-Neubauten wegen des Stromverbrauchs einen Riegel vor. Interxion muss ein Millionenprojekt stoppen.

Ende Mai 2022 gab Interxion bekannt, eine geplante Expansion seiner Rechenzentren im Grossraum Dublin in der Höhe von 300 Millionen Euro zu sistieren. Grund seien vom staatlichen Stromnetzbetreiber Eirgrid verschärfte Richtlinien für RZ-Projekte. Im Juni folgte ein vorläufiger Stopp für ein Data Center von Apple in Athenry im County Galway. Der irische High Court widerrief die Baugenehmigung.
Obwohl sich Irland gerne als expandierender Technologie-Hub gibt, und sich dort die europäischen Hauptsitze zahlreicher Tech-Konzerne befinden, bläst RZ-Projekten ein rauer Wind entgegen. Ende 2021 gab die Regulierungsbehörde Commission for the Regulation of Utilities (CRU) bekannt, Genehmigungen verstärkt kritisch zu prüfen. Bevorzugt würden Rechenzentren, die sich selbst mit Strom versorgen könnten. Bis Mitte 2021 befanden sich in Irland 70 Rechenzentren in Betrieb, 7 weitere in der Bau- und Dutzende in der Projektierungsphase.
Im Mai doppelten Eirgrid und die CRU dann nach: Im Grossraum Dublin würden Bauprojekte eingeschränkt und alle neuen RZ-Anträge für andere Teile des Landes nur von Fall zu Fall in Betracht gezogen. Rund 30 Projekte wurden inzwischen vorläufig gestoppt. Und obwohl ursprünglich nicht als Moratorium für RZ-Bauten bezeichnet, kommen die Richtlinien de facto einem Baustopp für die nächsten Jahre gleich.

Angespannte Situation bei der Stromversorgung

Laut Eirgrid hat sich der Stromverbrauch der Rechenzentren in den letzten 6 Jahren mehr als verdreifacht. Die RZs würden aktuell 14% des nationalen Verbrauchs ausmachen. Wie die 'Irish Times' vorrechnete, ist das mehr, als alle ländlichen Haushalte auf der Insel zusammen beziehen. Eirgrid prognostiziert, dass die RZ-Stromnachfrage bis 2030 in einem "mittleren Szenario" auf 28% des Gesamtverbrauchs, in einem "High-Demand-Szenario" auf 43% steigen werde. Zudem sei die grosse Mehrheit der Data Center in und um Dublin angesiedelt, was einen unverhältnismässig hohen Druck auf das dortige Netz erzeuge.
Eamon Ryan, Minister für Umwelt, Klima und Kommunikation, erklärte gegenüber dem Sender 'RTE', dass sich Irland derzeit in einer "sehr angespannten Situation" in Bezug auf die Stromversorgung befinde. Eirgrid habe deshalb "absolut recht", keine neuen Anträge für Rechenzentren anzunehmen.

Google: Verbot macht Investitionen unmöglich

Wenig begeistert zeigen sich erwartungsgemäss die RZ-Betreiber. Interxion erklärte, das gegenwärtige "Verbot" sei unfair, insbesondere, weil nicht zwischen verschiedenen Arten von RZ-Einrichtungen unterschieden werde. Google kritisierte, die Behörden würden das "falsche Signal" in Bezug auf Irlands Ambitionen als digitale Wirtschaftsnation senden. Weitere Investitionen in seine Infrastruktur im Land würden dadurch "unmöglich" gemacht.
Minister Ryan erklärte, Rechenzentren würden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Sie müssten aber innerhalb der Klima-Vorgaben und Energieversorgungsgrenzen Irlands betrieben werden. RZs müssten in der Lage sein, ihre eigene Stromerzeugung zu garantieren, oder zumindest Flexibilität bezüglich der Energienachfrage zeigen.

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