Die Schweizer Bevölkerung ist mehrheitlich zur digitalen Speicherung von Gesundheitsdaten bereit. Auch mit dem Austausch der Daten unter behandelnden Fachpersonen sind die Einwohnerinnen und Einwohner grösstenteils einverstanden. Die Zustimmung zu beiden Themen ist seit dem vergangenen Jahr noch gewachsen, heisst es im neuen "Swiss E-Health-Barometer" der Marktforscher von GFS Bern.
Die Bevölkerung will allerdings die Hoheit über ihre Daten behalten: Mittlerweile sehen sich 56% der Befragten dazu in der Lage, zu entscheiden, wer Zugriff bekommen soll. Vor einem Jahr waren es noch 51%. In diesem Zusammenhang als vertrauenswürdig gelten nur die behandelnden Ärztinnen und Ärzten (84%). Apothekerinnen und Apotheker (34%), Krankenkassen (23%), Behörden (8%) und private Unternehmen (1%) müssen sich dieses Vertrauen erst noch verdienen.
EPD gewinnt wieder an Zustimmung
Die Idee eines digitalen Gesundheitsdossiers ist weiterhin breit abgestützt. Das elektronische Patientendossier (EPD) ist für 66% der Befragten eher ein gutes Instrument für die Ablage und den Austausch von Gesundheitsdaten. Vor einem Jahr waren
nur 55% dieser Meinung, was ein historischer Tiefstwert war.
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Ärztinnen und Ärzten. Ihre Meinung vom EPD sinkt auf einen historischen Tiefstwert: Nach 43% im Vorjahr auf nun 29%. Sie kritisieren den fehlenden Nutzen (33%), die Ablehnung seitens der Patientinnen und Patienten (21%) und die zeitraubenden Prozesse (19%). Die Studienautoren führen jedoch an, dass der Negativtrend insbesondere vor dem Hintergrund zu lesen sei, dass der Bundesrat Ende 2025 die Ablösung des EPD durch das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) kommunizierte. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung mit der Befragung sei davon auszugehen, dass die negative Beurteilung des EPD stark mit dieser Neuigkeit zusammenhängt.
Gesundheitsdatenraum Schweiz
Zusätzlich zum E-GD rückt laut der Studie aus Sicht der Gesundheitsfachpersonen zunehmend die digitale Infrastruktur in den Mittelpunkt. Der "Gesundheitsdatenraum Schweiz" (SwissHDS) stehe für viele Fachpersonen für die nächste Entwicklungsphase von E-Health, so die Studienautoren. Erwartet werden insbesondere administrative Entlastung im Arbeitsalltag (72%), eine bessere Verfügbarkeit von Patientendaten (68%) sowie effizientere Informationsflüsse (68%). Die Bereitschaft zur Mitwirkung am Aufbau des SwissHDS für einen beruflichen Vorteil bejahen 70%, für einen Patientennutzen 73%.
Allerdings zeigt die Studie auch: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat noch eine Menge Aufklärungsarbeit vor sich. Unter den befragten Gesundheitsfachpersonen haben erst 45% vom SwissHDS gehört. Davon kennen 41% das Projekt nur vom Hörensagen, während 4% die Pläne des BAG aktiv mitverfolgen. Auf der anderen Seite gibt rund die Hälfte an, noch nie vom SwissHDS gehört zu haben.