10?! Marcel Amstutz, Mobility

24. August 2021, 08:47
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Der IT-Leiter des Carsharers über Science Fiction und das Privileg der CIOs, an vorderster Front sein zu können.

Monatlich beantworten namhafte Schweizer IT-Persönlichkeiten 10 Fragen, die man ihnen selten oder gar nicht stellt.
1. Was war Ihr erster Computer und woran erinnern Sie sich speziell dabei? Das ist wirklich sehr lange her, noch vor meinem ersten "richtigen" Computer, einem gebrauchten Commodore 64, erinnere ich mich schwach an eine Spielkonsole, die wir am Fernseher anschliessen konnten und auf der wir dann in schwarz-weiss ein Game namens Pong spielten. Ich erinnere mich vor allem noch daran, dass wir uns ehrgeizige Wettkämpfe lieferten.
2. Welchen Informatikberuf möchten Sie selbst nicht (mehr) ausüben und warum? IT-Support beim Endkunden würde ich selbst nicht (mehr) machen wollen. Als Benutzer ist man ja oft schon recht entnervt, bis sich ein Spezialist des Problems annimmt. Und diese Enervierung bekommt der IT-Support dann ab, zusammen mit einem IT-Problem, zu dessen Entstehung der Benutzer üblicherweise "nichts gemacht" haben will. Das braucht schon Geduld und Verständnis, was ich in einigen Situationen nicht mehr einfach so aufbringen könnte. Und andererseits, wenn alles reibungslos funktioniert, hört der IT-Support normalerweise kein "Danke Euch, dass alles so rund läuft". An dieser Stelle danke ich allen IT-Support-Teams, bei denen gerade alle Systeme grün sind und ich danke all jenen, die sich gerade jetzt um ein Problem kümmern.
3. Wohingehend wird sich die Stelle eines CIO in den nächsten Jahren verändern? Die Herausforderungen sind vielfältig und das bleiben sie. Neben branchenspezifischen Technologie-Themen stellt die zunehmende Abhängigkeit von Digitalkomponenten bei der unternehmerischen Wertschöpfung sehr hohe Anforderungen an Stabilität und Sicherheit der IT-Umgebungen. Daneben das Verständnis für die sich rasch ändernde Technologie, die Unternehmen heute nutzen, in gleichem Masse zu haben, wie den künftigen und schnellen Entwicklungen neuer Technologien Aufmerksamkeit widmen zu können, ist anspruchsvoll. IT-Strategie ist zunehmend Unternehmensstrategie und das bedeutet für die CIO-Rolle, dass Technologie-Kompetenzen alleine nicht ausreichen und durch weitere Fach-, Methoden und Führungskompetenzen ergänzt und auf auf einem adäquaten Stand gehalten werden wollen. Genau diese Vielfalt stellt für mich persönlich aber auch den Reiz der CIO-Rolle dar. Und was technologisch heute Science Fiction ist, wird morgen schon zu Science Fact und kurz darauf zu produktionsreifen Technologien, die als Enabler oder Problemlöser echten Nutzen stiften können. CIOs haben das Privileg, da oft ganz vorne dabei zu sein.
4. Was raten Sie einem jungen Informatiker, der Karriere machen will? Ich rate das, was ich generell (jungen) Leuten rate, die Karriere machen wollen: mach es! "Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun", so ein Zitat von Goethe. Deshalb ist mein Rat, sich die nötigen Kompetenzen anzueignen, das ist heute einfacher als je zuvor, und dann den Willen in die Tat umzusetzen.
5. Was konnten Sie erst als CIO über Technologie lernen und nicht vorher? Auch in anderen Rollen in der IT hatte ich damit zu tun, unterschiedliche Interessen, teilweise gegensätzliche, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, um Themen voranzubringen. Als CIO hab ich dabei noch mehr Anspruchsgruppen und noch vielfältigere Interessen irgendwie in eine ähnliche Richtung zu bringen.
6. Hat die Informatik etwas abgeschafft, das Sie vermissen? Informatik hat die sozialen Medien in dieser Form überhaupt erst ermöglicht. Wenn sich in "sozialen" Medien online die Kommentare jeweils überschlagen, vermisse ich in einem gewissen Masse den Anstand und den gesunden Menschenverstand. Irgendwas wurde da versehentlich abgeschafft.
7. Wird es im Laufe der Karriere einfacher oder schwerer, sich für Technologie-Versprechungen zu begeistern? Das sind persönliche Präferenzen, weshalb ich nur für mich sprechen kann. Für mich ist es unverändert einfach, mich für Technologie zu begeistern, die Versprechungen optimistisch zu prüfen und ihnen nicht blind zu vertrauen.
8. Was/Welche Technologie wird in den nächsten 5 Jahren Ihrer Meinung nach den grössten Einfluss haben? Und warum? AI, Artificial Intelligence, als sehr breites Feld wird über viele Sub-Themen den grössten Einfluss haben. Einerseits weil es unfassbar viele Problemstellungen gibt, die sich dafür eignen, andererseits weil diese Technologien viele Einschränkungen von heute eliminiert. Und für uns Menschen ist es schwierig, nachzuvollziehen, wie schnell Lernprozesse im AI-Umfeld laufen können, das lässt sich mit bisherigen Massstäben nur schwer vergleichen.
9. Gibt es eine Technologie/einen Ansatz im Moment, die Sie für total überschätzt halten? Technologien gibt es einige, die ich für überschätzt halte, aber die Aktienkurse der jeweiligen Provider lassen mich entweder an mir oder an den Hoffnungen der Investoren zweifeln. Und bei den Ansätzen ist es halt wie so oft, one-size-fits-all gibt es nicht, die Wahl der richtigen Ansätze hängt vom Kontext ab.
10. Was haben Sie persönlich aus der Corona-Krise gelernt? Ich hab viel über uns als Gesellschaft und mich selbst gelernt während der Krise, aber diese Antworten würden den Rahmen sprengen. Deshalb mindestens ein ganz konkretes Learning – verteiltes Arbeiten. Ich war positiv überrascht, wie schnell viele Organisationen in der Lage waren, Remote-Arbeit – Homeoffice in diesem Fall – zu ermöglichen. Und es ist schön zu sehen, wie viele Mitarbeitende schätzen gelernt haben, auch weg vom Office arbeiten zu können. Klar ist auch, dass es Grenzen gibt und 100% remote arbeiten nur in Ausnahmefällen gut funktioniert. Trotzdem habe ich von Unternehmen gehört, die wieder eine vollständige Rückkehr ins Office planen und anordnen werden. Das erstaunt mich, denn der Beweis ist angetreten, dass dies nicht notwendig ist, dass positiver Nutzen auf Mitarbeitenden-Seite entsteht, dass wir so den Verkehr ein Stück entlasten können und dass die Produktivität darunter nicht leidet.
Zur Person: Marcel Amstutz startete seine IT-Laufbahn als Datenbank- und Web-Entwickler sowie IT-Projektleiter bei verschiedenen Unternehmen. Nach Stationen bei Intentia Switzerland, Selecta Management und Siemens stiess er 2012 als Head of Software Development and Support zu Mobility. 2015 wurde er zum CTO ernannt. Künftig wird Marcel Amstutz die Leitung des Mobility Innovation Labs übernehmen und sich um die Erkundung neuer Geschäftsfelder kümmern. 

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