Abacus legt sich mit SIX, Postfinance und Bexio an

25. Mai 2016, 15:00
  • technologien
  • abacus
  • schweiz
image

Die St. Galler lancieren einen eigenen Standard für digitale Rechnungen, gratis-Service inklusive. Dazu gibts eine kleine Gratis-Lösung für Minifirmen.

Die St. Galler lancieren einen eigenen Standard für digitale Rechnungen, gratis-Service inklusive. Dazu gibts eine kleine Gratis-Lösung für Minifirmen.
Gleich 17 Journalistinnen und Journalisten liessen sich heute trotz ultra gedrängtem Terminkalender vom St. Galler Software-Hersteller Abacus zu einem Medienanlass nach Zürich locken. Die St. Galler Nummer 1 im Schweizer Markt für KMU-Business-Software hat es offenbar geschafft, die Aufmerksamkeit der Schweizer Medien zu erringen. Mitgeholfen hat wohl der unerschrocken geführte und teure Rechtsstreit mit den St. Galler Gemeinden.
Heute ging es aber nicht um eine Streitigkeit, wohl aber um Angriffigkeit. Denn Abacus lanciert einen eigenen Standard für E-Rechnungen und liefert auch noch gleich den Service für KMUs. So können diese E-Rechnungen selbst ausstellen und automatisch dem Treuhänder melden. Gratis. Bisher konnte man E-Rechnungen mit SIX (Paynet) oder Postfinance versenden. Diese verlangen dafür Geld, nämlich bis zu 1.50 oder 1.20 Franken pro Rechnung. Pro Jahr werden in der Schweiz rund 300 Millionen Rechnungen versandt, etwa die Hälfte davon zwischen Firmen.
Deutsches Format ZUGFeRD + Signatur gratis und franko
Während es in der Schweiz keinen allgemein anerkannten Standard für E-Rechnungen gibt, ist ein solcher in anderen Ländern seit Jahren Usus. Abacus verwendet den deutschen namens ZUGFeRD und ergänzt ihn mit einer digitalen Signatur. Die ist in der Schweiz unsinnigerweise vorgeschrieben für E-Rechnungen.
Der grosse Vorteil ist, dass eine solche, mit AbaPay erstellte, Mehrwertsteuer-konforme Rechnung automatisch beim Treuhänder gebucht wird. Raiffeisen-Kunden profitieren zudem von einer automatischen Übernahme ins E-Banking. AbaPay verlangt dafür, anders als Postfinance oder Paynet, keine Gebühren. Die Generierung von Rechnungen nach ZUGFeRD wird erstmals in Version 2017 von Abacus integriert sein.
Digitale Rechnungen haben ein hohes Rationalisierungspotential, wenn alle Prozesse integriert sind. Dazu zählen etwa das Erstellen, Versenden, Bezahlen, Mahnen, Buchen und die Registrierung des Zahlungseingangs. Damit könnte das kleine Unternehmen Abacus durchaus zum ernstzunehmenden Konkurrenten für die Riesen Postfinance und SIX werden. Denn Abacus verfügt über ein Netzwerk von rund 1200 Treuhändern, die wiederum einige tausend KMU betreuen.
Abaninja: Gratis Fakturierungsplattform für Kleinfirmen
Doch die St. Galler treten nicht nur Postfinance und SIX auf die Füsse, sondern werfen auch dem mit einigem Risikokapital hantierenden Startup Bexio den Fehdehandschuh vor die Füsse.
Bexio ist eine Online-Business-Software für Kleinfirmen. Es gibt Schnittstellen zu den E-Banking-Systemen von UBS, Postfinance und seit heute auch ZKB.
Abacus lanciert nun die kostenlose Online-Lösung Abaninja. Anders als Bexio geht Abacus nicht davon aus, dass Firmen ihre Buchhaltung selber machen, sondern dass diese bei einem Treuhänder deponiert ist. Mit Abaninja kann man Kunden und Produkte verwalten, Rechnungen machen, Zahlungen registrieren und mahnen. Die Vorgänge werden automatisch verbucht - das verringert die Arbeit der Treuhänder. Ein Feature für Gruppenrechnungen erleichtert etwa Vereinen und kleinen Medien das Leben.
Bis zu 500 Rechnungen pro Jahr sind bei beliebig vielen Usern gratis. Inklusive sind der Versand von digitalen Rechnungen und die Anbindung an Paypal, Kreditkarten oder eines der vielen Bitcoin-Systeme. Darüber bietet Abacus für bis zu 2000 Rechnungen im Jahr ein Abo für acht Franken pro Monat.
Raiffeisenkunden können ihr Bankkonto ausserdem automatisch mit der Fakturierungsplattform abgleichen. Man arbeite "vorerst" nur mit Raiffeisen zusammen, wurde heute morgen gesagt.
Und dann noch ein digitaler Standard für Bilanz und Erfolgsrechung
Wissen sie, was eine Bank macht, wenn ein KMU einen Kreditantrag stellt? Jemand sitzt vor den Computer und tippt die Daten aus Bilanz und Erfolgsrechnung ab. Seit mindestens 2009 arbeitet man in der Schweiz an einem XBRL-Standard für digitale Jahresabschlüsse. Fertig ist er nicht. Die Schweiz ist damit weit und breit das einzige Land ohne passenden Standard.
Abacus ist nun der Geduldsfaden gerissen. Das Unternehmen hat mit Hilfe der bisher geleisteten Vorarbeiten einen eigenen Standard festgelegt. Die Abacus-Software wird dadurch ab Version 2017 digitale Erfolgsrechnungen und Bilanzen abliefern können. Wird einmal ein offizieller Schweizer Standard festgelegt, wird Abacus diesen sofort übernehmen. (hc)
Interessenbindung: Abacus ist Goldsponsor von inside-it.ch und ein wichtiger Werbepartner unseres Verlags.

Loading

Mehr zum Thema

image

Plattform bietet neue Einblicke in Schweizer KI-Forschung

Die Plattform "Sairop" listet aktuelle KI-Projekte und Forschende in der Schweiz. Ziel ist laut den Initianten, die Sichtbarkeit und Vernetzung zu fördern.

publiziert am 27.6.2022
image

Ursache der Skyguide-Panne wird untersucht

Im Spätsommer soll vollständig aufgeklärt sein, was im Juni zur Sperrung des gesamten Schweizer Luftraums geführt hat. Ein Cyberangriff war es sicher nicht.

publiziert am 27.6.2022
image

Google weiht neuen Zürcher Standort ein

5000 Mitarbeitende beschäftigt der Tech-Gigant in der Schweiz. Ein grosser Teil davon findet im neuen Campus Europaallee Platz.

publiziert am 27.6.2022
image

Netflix bestätigt Partner-Suche für Werbung

Der Streaming-Anbieter will einen "einfachen Markteintritt" in das Geschäfts­feld und sein Werbe­angebot anschliessend weiterentwickeln.

publiziert am 24.6.2022