Berner Schlapphüte zur Cyberbedrohung

2. Mai 2011, 10:05
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Der Schweizer Geheimdienst blickt auf ein weltweit ereignisreiches vergangenes Jahr zurück, auch im virtuellen Raum.

Der Schweizer Geheimdienst blickt auf ein weltweit ereignisreiches vergangenes Jahr zurück, auch im virtuellen Raum.
Im Jahresbericht 2010 des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) figurieren Computer- und Cyberbedrohungen prominent: Weil immer mehr Informationen elektronisch zirkulierten, könnten diese auch abgeschöpft werden, was allerdings neue Ressourcen und spezialisiertes Wissen erfordere, so die Berner Geheimdienstler.
Spionage per Computer
Bei ihrer Analyse der Gefahren aus dem Cyberspace stützen sie sich auf die Arbeit der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani), die kürzlich auch einen aktuellen Halbjahresbericht veröffentlichte. Der NDB stellt solche Ergebnisse in den grösseren Kontext mit anderen Bedrohungsformen wie Terrorismus, Extremismus oder die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Nachrichtendienstliche Tätigkeiten im virtuellen Raum erlaubten es, auch über Grenzen hinweg Verwaltungen oder Unternehmen auszuspähen. Bekannt gewordene Spionagefälle dürften zudem nicht als Einzelfälle betrachtet werden, so die Sicherheitsexperten, sondern allfällige Gemeinsamkeiten miteinander verknüpft und zu einem Gesamtkomplex verknüpft werden. Dieser Ansatz, in der klassischen Spionageabwehr ein Standardverfahren, so der Bericht, sei bisher im Bereich Internet und ICT eher selten angewandt worden.
Botnet und Propaganda
Vor einem Jahr identifizierte Melani mit einem neuen Prüfwerkzeug die Malware Bredolab, die auch viele Schweizer Webseiten betraf und sie zu einem Botnet zusammen schloss. Im vergangenen Jahr wurden auch manipulierte PDF-Dateien entdeckt, die Sicherheitslücken ausnützten, um Trojaner in den Rechnern der Nutzer zu installieren.
Ein Novum waren hingegen DoS-Attacken auf die Webseiten politischer Parteien, ebenso jene auf die Seite von Postfinance. Letzterer wurde, so der Bericht, von Wikileaks-Sympathisanten ausgeführt. Dabei stellten Cyberaktivisten Software-Kits zur Verfügung, um auch ohne Hackerkenntnisse die Seite lahmzulegen. Man müsse sich in der Schweiz, so der NDB, vermehrt aus solche Angriffe auf Internetdienst einstellen.
Es ist das zweite Mal, dass der NDB einen Jahresbericht veröffentlichte. Per Anfang des vergangenen Jahres war der SND aus dem Dienst für Analyse und Prävention (DAP, Inlandsgeheimdienst) und dem Strategischen Nachrichtendienst (SND, Auslandsgeheimdienst) fusioniert worden. (Philippe Kropf)

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