Breite Schweizer Allianz publiziert Kodex für Daten-Geschäft

10. Dezember 2020, 14:01
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Die ethischen Leitlinien sollen helfen, die Skepsis gegenüber datenzentrierten Diensten auszuräumen. Zudem erhalten IT-Firmen konkrete Vorschläge.

Die Swiss Alliance for Data-Intensive Services hat einen Ethik-Kodex für das Geschäft mit Daten veröffentlicht. Im Gegensatz zu vergleichbaren Dokumenten gehe es darin um konkrete Probleme von Firmen, die Daten-zentrierte Dienste anbieten würden, schreibt die breit aufgestellte Allianz in einer Mitteilung. Statt lediglich einer ethischen Grundorientierung darf man also konkrete Empfehlungen erwarten, etwa wie IT-Unternehmen ethische Vorgaben in ihre Business-Prozesse integrieren können.
In den letzten Jahren hat die zunehmende Verfügbarkeit von Daten zu tiefgreifenden Veränderungen von vielerlei Geschäftsfeldern geführt. Begleitet werde der Prozess einer datenbasierten Wertschöpfung durch regelmässige Berichte über unethische Verhaltensweisen, schreibt die Allianz. Zu Tage befördert wurden etwa die Verletzung der Privatsphäre von Kundinnen und Kunden, die Nutzung "unfairer" Algorithmen oder unbeabsichtigte soziale Effekte neuer Daten-Dienste. Dies ist nicht nur aus Sicht der Betroffenen problematisch, sondern führt auch zu Vertrauensverlust und Skepsis gegenüber Applikationen und Diensten.

Vorschläge von der Datenerzeugung bis zum fertigen Produkt

Dem soll nun der "Ethik-Kodex für datenbasierte Wertschöpfung" der Allianz Einhalt gebieten. Die Richtlinien gehen auf einen zweijährigen Prozess zurück, der unter anderem von Vertretern des "Digital Ethics Labs" der Digital Society Initiative der Universität Zürich sowie technischen Fachleuten der Zürcher und der Walliser Hochschule für Angewandte Wissenschaften vorangetrieben worden ist. Mit an Bord waren aber auch Vertreter von Firmen. Member der Swiss Alliance for Data-Intensive Services sind unter anderem Mobiliar, SBB, Migros und die ZKB. Aus dem ICT-Geschäft finden sich unter den Mitgliedern Oracle, SAP, Adcubum, Elca, Swisscom, Ti&m und Zühlke.
Resultat des zweijährigen Forschungsprozesses sind drei Dokumente zu Grundlagen, Implementierung und Kontext sowie ein Empfehlungspapier. Sie sollen helfen datenethische Prinzipien in die Unternehmensprozesse zu integrieren und zugleich Ratschläge für den Umgang mit Daten bieten: von deren Erzeugung über Speicherung und Management bis zur Analyse und den daraus folgenden Produkten und Dienstleistungen.
Die Empfehlungen richten sich immer an den drei ethischen Grundwerten "Schadensvermeidung", "Gerechtigkeit" und "Autonomie von Individuum und Gemeinschaften" aus. Darauf basierend richten die Forschenden drei Prozess-Ratschläge an die Firmen:
  • Stellen Sie sicher, dass die internen Prozesse rund um den Umgang mit Daten wohldefiniert und steuerbar sind. Dies beinhaltet auch das Erfordernis, Wissen über die Prozesse zu schaffen, damit eine Kontrolle effektiv sein kann.
  • Dokumentieren und kommunizieren Sie, was mit Daten passiert und wie es getan wird. Fokus der Transparenz ist sowohl die Kundin oder der Kunde als auch beispielsweise ein Auditor; die konkreten Anforderungen an Transparenz unterscheiden sich je nach Zielgruppe.
  • Definieren Sie klare Zuständigkeiten für den Umgang mit Daten und übernehmen Sie Verantwortung bei Regelverletzungen. Damit soll insbesondere der Tendenz entgegengewirkt werden, dass im Zug der Digitalisierung von Prozessen Zuständigkeiten oft verwischt und unklarer werde.
Die Swiss Alliance for Data-Intensive Services zählt über 90 Mitglieder aus Forschung, Wirtschaft und der Verbandswelt. Sie wird unterstützt von Innosuisse. Die Dokumente mit den Richtlinien und Tipps zum Datengeschäft können von der Website der Allianz kostenfrei heruntergeladen werden.

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