Cebit 2018: Weniger Besucher, "voller Erfolg"

15. Juni 2018, 13:29
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Die Messe in Hannover erfindet sich neu. Aber funktioniert das auch?

Die Messe in Hannover erfindet sich neu. Aber funktioniert das auch?
Die Veranstalter zeigen sich zufrieden mit dem neuen Konzept der Cebit. So ziehen sie zum heutigen Abschluss der Messe eine durchweg positive Bilanz: 120'000 Besucher, 2800 Aussteller, 600 Speaker, gute Stimmung und der Barde Jan Delay auf der grossen Bühne.
Um das etwas in Perspektive zu rücken: In den Rekordjahren waren über 800'000 Leute an der Cebit zugegen und rund 8000 Aussteller zeigten ihre Lösungen, während etwa Bill Gates über Windows 95 sprach, so die 'Zeit'. Heute hingegen gebe es weniger Gebäude, viel leere Fläche, breite Gänge und Mitarbeiter an den Ständen, die miteinander statt mit Besuchern sprechen würden. Und ja, selbst letztes Jahr waren noch 70'000 Menschen mehr auf das Messegelände in Hannover geströmt. Die Einschätzung verschiedener deutscher Medien fällt deshalb weit weniger rosig aus.
Trotzdem sprach Messe-Vorstand Oliver Frese von einem "vollen Erfolg". Wie 'Golem' berichtet erklärte Heiko Meyer, der im Ausstellerbeirat vertreten ist: "Mein Chef beurteilt mich nicht nach der Zahl der lächelnden Menschen, sondern nach dem konkreten Business hier." Die alte und die neue Cebit seien nicht zu vergleichen, sagte Frese und sprach von einer "Cebit 1.0".
Und vermutlich sind die Zahlen tatsächlich etwas zu relativieren: Die Veranstalter schreiben von einem "Jahrmarkt der Digitalisierung" und einem Business-Festival inklusive Streetfood, Musikbühne und einem Riesenrad von SAP. Ganz schwarz in dunkelgrau fällt die Bewertung der in Hannover anwesenden Presse dann auch nicht aus. So schreibt etwa 'Heise' fast überschwänglich: "Die Cebit 2018 war ein gelungener erster Aufschlag, und sie hat Spass gemacht."
Es werde eben auch inhaltlich geschraubt: Zum einen habe sich die Cebit noch stärker Richtung B2B bewegt, wie Frese bestätigt. Zum anderen würden die Messe und das Publikum jünger, weiblicher und technologieaffinier.
Dazu passte auch das Programm. Im Zentrum der diesjährigen Messe standen KI, Robotics, IoT, Future Mobility und Blockchain. Es dürfte kein Zufall sein, dass das Stimmungsbild in der Startup-Halle grossteilig gut war. Die häufig jungen Jungunternehmer zeigten sich gegenüber der 'Zeit' zu grossen Teilen zufrieden mit dem Gebotenen.
Und die Schweizer Bilanz?
Und zur Transformation passt vermutlich auch die ebenso wohlwollende Mitteilung von ICTswitzerland: Über 20 Aussteller aus der Schweiz seien präsent gewesen – nämlich genau drei mehr. Darunter im Swiss Pavilion, der vom Gesandten der Schweizer Botschaft Viktor Vavricka eröffnet worden war, Abraxas, das Robotik-Institut der ETH und T-Link. Als Einzelaussteller waren zudem die Swiss Post Solutions und der Herrenmode-Spezialist Strellson vor Ort. Ausserdem fand eine Hand voll Startups aus hiesigen Gefielden ihren Weg nach Hannover. Allerdings hat sich das Teilnehmerfeld nochmals etwas ausgedünnt, nachdem 2017 schon einige grosse Namen ferngeblieben waren.
ICTswitzerland-Geschäftsführer Andreas Kaelin freut sich dennoch für die Pressemitteilung: "Es freut mich, einmal mehr zu erleben, mit welchem Engagement unsere Schweizer Aussteller – die Startups, Hochschulen und etablierten Unternehmen – ihre Technologien erfolgreich auf der Cebit vermarkten."
Es zeigen sich also fast alle zumindest ein bisschen zufrieden. In den nächsten Jahren wird sich aber weisen, wohin sich die Messe entwickelt. Dann wird sich auch zeigen ob und in welcher Form sie überleben kann. Ausserdem wird interessant sein zu sehen, wer aus der Schweiz den Weg auf sich nehmen will. (ts)

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