CES 2012: Intels Kampf um die mobile Zukunft

3. Januar 2012, 12:40
  • international
  • intel
  • arm
  • qualcomm
image

Bisher hatte Intel wegen des Energiehungers der eigenen Prozessoren wenig zu bieten, um auf den immer schneller fahrenden Zug Smartphone- und Tabletzug aufzuspringen.

Bisher hatte Intel wegen des Energiehungers der eigenen Prozessoren wenig zu bieten, um auf den immer schneller fahrenden Zug Smartphone- und Tabletzug aufzuspringen. Auf dem sitzen längst andere, allen voran Qualcomm, der grösste Lizenznehmer der britischen Entwicklerschmiede ARM Holdings Plc. Deren Prozessoren genügen zwar der von Smartphone und Co. geforderten Genügsamkeit, sind aber meist noch zu schwachbrüstig und hatten auch nicht den Support von Microsoft und anderen führenden Softwareherstellern, um Intel auch nur annähernd den Laptop-Thron streitig zu machen. Aber das könnte sich schnell ändern, nachdem Microsoft angekündigt hat, mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 auch ARM-Chips zu unterstützen.
Wie 'Bloomberg‘ es sieht, wird zwischen Intel und Qualcomm auf der Consumer Electronics Show, kurz CES, nächste Woche in Las Vegas nun ein Kampf um die Vorherrschaft bei den mobilen Geräten entbrennen. Die Nachrichtenagentur nennt in dem Zusammenhang Zahlen von der Linley Group, wonach allein der Weltmarkt für Handy-Chips bis 2015 um 40 Prozent auf ein Volumen von 29,9 Milliarden Dollar anwachsen wird. Laut Jim McGregor, Chef-Technologiestratege von Marktforscher und Industriebeobachter In-Stat, kann der amerikanische Chipriese Intel es sich gar nicht leisten, länger zuzusehen, wie der Markt an ihm vorbeizieht, zumal immer mehr Verbraucher Smartphones als ihren primären Zugang zum Internet nutzten.
Microsofts ARM-Support für Windows 8 bedeutet praktisch ein Aufbrechen der seit langem bestehenden "Wintel"-Allianz mit Intel und ist für die ARM-Fraktion ein gefundenes Fressen. So wird Qualcomm-Vize Rob Chandhok mit den Worten zitiert, dass man nun das weltgrösste Softwareunternehmen mit seinem neuen Flaggschiff-Betriebssystem hinter der eigenen Plattform wisse. Die Verbraucher erwarteten, dass ihre Notebooks sich genauso verhielten wie ihre Smartphones, indem sie immer bereit seien und sofortigen Zugang zum Internet böten. Da Qualcomm die eigene Chipentwicklung von Grund auf darauf ausrichte, sei man im Vorteil, so Chandhok.
Au contraire, hält dem allerdings Intel-Sprecher Bill Calder entgegen. Smartphones würden mehr zu PCs werden, womit Intel-Technologie absolut im Vorteil sei. Tatsächlich schätzt Daniel Amir, Analyst bei Lazard Capital Makets in San Francisco, jedoch dass Intel durch PCs auf ARM-Basis 2015 schon Umsatzeinbussen von 2,2 Milliarden Dollar entstehen würden.
Neben Qualcomm drängt auch Nvidia mehr und mehr in den Markt für ARM-basierte Prozessoren für mobile Geräte. CEO Huang Jen-Hsun meint, es spiele keine Rolle, ob Intel effizienter sei in der Chipproduktion. Zu viele Elektronik- und Software-Unternehmen hätten ihre Anstrengungen schon auf ARM und andere mobile Technologien verlagert, zum Teil auch, weil Intels Dominanz bei PCs es ihnen schwer gemacht habe, in dem Markt konkurrenzfähig mitzumischen. "Die Menge an Innovation um ARM hat schon ihre kritische Masse erreicht", so Huang. Egal, ob Handy-Hersteller oder gar Automobilkonzern, die erste Wahl würde auf ARM fallen.
In-Stat-Analyst McGregor meint, dass es beide Seiten, Intel und ARM, schwer haben würden, im jeweiligen anderen Wald zu wildern. Für ARM werde es so schwierig, in den Computerbereich zu gelangen wie für x86 in handliche mobile Geräte. Ihm zufolge würde Windows 8 auch zunächst auf Intel-Chips debütieren, während Intel 2012 zwar schon die einen oder anderen Smartphone-Deals einholen wird, aber wohl kaum in signifikanter Zahl. Qualcomm-Vizepräsident Chandhok behauptet zwar, dass Windows 8 zeitgleich sowohl für x86- als auch für ARM-Prozessoren starten würde, Microsoft-Sprecherin Catherine Brooker sagte aber, dass ihr Unternehmen noch keine Details über den Verkaufsstart des neuen Betriebssystems bekannt gegeben habe.
Lazard-Analyst Amir rechnet derweil damit, dass ARM-Prozessoren bis 2015 schon einen Drittel des Marktes für mobile Computer beherrschen wird. Letztes Jahr waren es 8 Prozent. (kh)

Loading

Mehr zum Thema

image

APIs bei Twitter werden kostenpflichtig

Schon in weniger als einer Woche werden Entwicklerinnen und Entwickler zur Kasse gebeten. Ein Preismodell gibts noch nicht.

publiziert am 3.2.2023
image

DXC hofft auf Turnaround im kommenden Jahr

Der Umsatz des IT-Dienstleisters ist im abgelaufenen Quartal erheblich geschrumpft. Im nächsten Geschäftsjahr soll es aber wieder aufwärts gehen, sagt der CEO.

publiziert am 2.2.2023
image

AMD schlägt sich durch, Intel-CEO muss einbüssen

Trotz der schwierigen Wirtschaftslage kann sich AMD gut behaupten. Beim Konkurrenten sieht es anders aus: Intel spart bei den Löhnen – auch CEO Pat Gelsinger muss einstecken.

publiziert am 1.2.2023
image

US-Flugchaos: Flugaufsicht ändert Umgang mit IT

Nach der Computerpanne im US-amerikanischen Flugverkehr nimmt die Flugaufsichtsbehörde FAA nun Änderungen an der Datenbank vor.

publiziert am 31.1.2023