Computex 2012 im Zeichen von Windows 8, Tablets und Ultrabooks

5. Juni 2012, 11:41
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Trends und Neuigkeiten von der Computex.

Trends und Neuigkeiten von der Computex.
"Windows und Intel, aber nicht Wintel stehen im Zentrum der Computex", titelt Taiwans Online-Newsservice 'Digitimes' und beschreibt damit, wie Microsoft und Intel plötzlich eigene Wege gehen und die langjährige Allianz zwischen den beiden IT-Riesen aufzubrechen scheint. Dabei sind auf der für Asiens IT-Industrie und für internationale Einkäufer so bedeutenden Messe in Taiwans Hauptstadt Taipei mit neuen Tablets und Ultrabooks allerdings auch immer noch genügend Wintel-Lösungen zu sehen.
Ein zentrales Thema der heute eröffneten 32. Computex Taipei, der grössten IT-Messe Asiens und der zweitwichtigsten nach der CeBIT, ist das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8, das in der RT-Version künftig auch für ARM-Prozessoren verfügbar sein wird. Android-Tablets könnten es damit laut Digitimes Research in Zukunft an den Kragen gehen, da die meisten der Geräte noch keine klare Positionierung gefunden hätten und es auch noch an ausreichend Anwendungen mangelt. Die Analysten aus Taiwan gehen daher davon aus, dass Windows 8 den Android-Tablets vor allem im Midrange-und High-end-Bereich den Lebenssaft abdrehen könnte. Weniger gefährdet sei der Low-end-Markt für Android-Tablets, der vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern vorbehalten ist.
Das grosse Fremdgehen
Der Chipriese Intel geht seinerseits fremd, indem er im September 2011 zusammen mit Google Anstrengungen unternommen hat, um mit neuen Atom- und anderen stromsparenden Prozessoren einen Fuss in den Markt für Android-Tablets zu setzen. Denn der war bisher hauptsächlich von Nvidias Tegra- oder ARM-Prozessoren dominiert und für Intel somit nahezu Brachland.
Dass mit Nvidia ein anderer langjähriger Partner in dem Bereich vorgeprescht ist, dürfte Intel ein weiterer Dorn im Auge sein, zeigt es doch, wie gefährdet seine Rolle als CPU-König ist, wenn sich in der von Lenovo sogenannten "PC+-Ära" das mobile Geschehen zunehmend auf Tablets und Smartphones verlagert. Und da hat Intel eben bislang wenig zu melden. Branchenbeobachter haben daher schon auf der Computex 2011 Intels Idee der Ultrabooks als letzten Versuch gesehen, der Kannibalisierung des Notebook-Marktes durch Apples iPad und andere nicht x86 basierte mobiler Geräte Einhalt zu gebieten.
Erste Ivy-Bridge-Ultrabooks auch keine Schnäppchen
Mit "Ivy Bridge" genannten Core-Prozessoren der dritten Generation läuten Intel und Partnerunternehmen wie Asus, Acer, HP, Lenovo und Toshiba auf der diesjährigen Computex die zweite Generation der Ultrabooks ein. Die Hoffnung, dass mit dem Wechsel von der 32- zur 22-Nanometer-Fertigung auch die Preise purzeln werden, scheint sich mit den neuen Core-i5- und Core-i7-Prozessoren vorerst allerdings nicht zu materialisieren. Denn das Spitzenmodell, der vPro-fähige Core i7-3667U mit 2,0 bis 3,1 GHz (bei Turbo Boost) soll anfangs für einen Volumenpreis von 346 Dollar gehandelt werden. Gerätepreise von unter 1000 Dollar für Einstiegsmodelle, so eine der vor einem Jahr gemachten Intel-Vorgaben, sind damit weiterhin kaum zu erreichen.
Berichten im Vorfeld der Messe zufolge arbeitet der Chipriese aber daran, die Einstiegspreise im dritten Quartal unter anderem durch neue Core-i3-Prozessoren und optimierte Akkus auf 699 Dollar zu senken. Die Preisangaben verstehen sich meist ohne Steuern und Abgaben. In Europa liegen die Preise daher, mindestens 1:1 in Euro bemessen, meist deutlich höher. Um den Verbrauch von Ultrabooks weiter zu senken, hat Intel laut 'Digitimes' auch an einer Verbesserung der LCD-Technologie gearbeitet, die mindestens ein halbes Watt Einsparungen bringen soll. Als einer der ersten Hersteller soll LG Display die neue Technologie verwenden.
Gerätenews
Die beiden in Taiwan beheimateten Unternehmen Acer und Asus haben mit ihren Präsentationen die Computex eingeläutet. Acer zeigte die Modelle Iconia W510 und W700. Unter dem Iconia-Label wurden bislang nur Android-Pads produziert. Das 10,1 Zoll grosse W510 scheint sich an der Transformer-Reihe von Asus zu orientieren und kommt mit einem Tastaturdock.
Des Weiteren verfügt das Gerät über einen SIM-Slot für 3G-Empfang, USB-Anschlüsse, HDMI, einen Steckplatz für eine microSD-KArte und den obligatorischen microUSB-Port. Als grosses Verkaufsargument darf wohl die Akkulaufzeit angesehen werden. Das Tablet soll bis zu 18 Stunden lang durchhalten. Das W700 erreicht mit 11,6 Zoll bereits Ultrabook-Format und bringt USB-3.0- und Thunderbolt-Ports als auch Unterstützung für den "Dolby Home Theater"-Standard. Über Preise und Verfügbarkeit ist aktuell noch nichts bekannt.
Asus Taichi mit Dual-Display-System
Asus wiederum hat mit dem Modell "Taichi" (von Taijiquan oder Schattenboxen) eine originelle Lösung parat. Das künftig im Format von 11,6 und 13,3 Zoll erhältliche Notebook bringt zwei IPS-Displays mit und kann in zugeklapptem Zustand als Tablet verwendet werden. Inhalte lassen sich problemlos von einem Bildschirm auf den anderen verlagern, da die Monitorverwaltung von Windows selbst übernommen wird. Für Power soll eine aktuelle Core-i-CPU von Intel sorgen.
Das "Transformer Book" wiederum ist ein 14-Zöller, der die Rechnerhardware in sein Display integriert hat. Im Standbereich verbaut sind Tastatur und eine weitere Batterie. Für dieses Gerät werden USB-3.0-Ports, eine SSD-Festplatte sowie ein Ivy-Bridge-Prozessor versprochen. Einen Komplett-PC mit Tabletfunktion stellt schliesslich das 18,4 Zoll grosse AIO dar, auf welchem neben Windows 8 auch Android laufen kann. Die Rechenhardware für den PC-Modus verbirgt sich hier in der Halterung, bei der Verwendung als Tablet wird die integrierte Tegra3-Plattform beansprucht, was beim Wechsel wahrscheinlich einen Neustart notwendig macht. Auch für die Asus-Geräte stehen Preis und Verkaufsstart noch nicht fest.
MSI Slider-Ultrabook S20
Heute wird der S20-Slider von MSI vorgestellt. Auch hier werden Notebook und Tablet kombiniert, wobei der Bildschirm bei Bedarf einfach "aufgeschoben" wird und die darunterliegende Tastatur freilegt. Auch in diesem Gerät steckt eine SSD-Festplatte, darüber hinaus wartet man mit einem 2-in-1-Cardreader, USB 3.0, HDMI, n-WLAN und Bluetooth 4.0 auf.
Erwartet wird auch das Dell Latitude 10. Das Zehn-Zoll-Gerät auf Basis der Clover-Trail-Plattform setzt auf einen Dualcore-Atom-Prozessor mit integriertem Grafikchip und weist zwei Gigabyte Arbeitsspeicher auf, wie 'Neowin.net‘ anhand einer versehentlich veröffentlichten Präsentationsfolie vorab herausfinden konnte. Der Bildschirm wird demnach mit 1366 x 768 Pixel auflösen, zudem sind zwei Ausgaben mit und ohne mobile Breitband-Unterstützung geplant.
Computex in Zahlen
Mit 1800 Ausstellern und über 5300 Ständen, die meisten davon eher kleine Boxen, wie man sie bei Herstellern aus Taiwan, China und Hongkong von der CeBIT in Hannover gewohnt ist, soll die Computex 2012 nach Aussage der Veranstalter so gut wie ausgebucht sein. Erwartet werden mehr als 120'000 Besucher einschliesslich rund 36'000 internationale Komponenten- und Hardware-Einkäufer.
Diese sind traditionell auch die wichtigste Zielgruppe der grössten IT-Messe Asiens und seit Verschwinden der Comdex nach der CeBIT der zweitwichtigsten IT-Messe der Welt. Da Taiwan bis auf Trend Micro (gegründet in Kalifornien und mit Hauptsitz Japan) und Ulead (2006 von Corel übernommen) so gut wie keine Software-Industrie hervorgebracht hat, spielt Software auf der Computex traditionell nur dann eine Rolle, wenn wie jetzt Microsoft ein neues Betriebssystem lanciert. (Klaus Hauptfleisch/pte)

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