"Corona-Schock" auch bei IT-Lehrstellen?

13. Mai 2020, 14:15
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Laut einer neuen Studie fehlen bald 20'000 Schweizer Lehrstellen. Wir haben nachgefragt, wie es mit dem Informatiker-Nachwuchs steht.

"Corona-Schock für Jugendliche: Bis zu 20'000 Lehrstellen fehlen" titeln Publikumsmedien Artikel, und sie verweisen auf eine neue Studie der Universitäten von Bern und Zürich unter Leitung des Bildungsökonomen Stefan Wolter.
Erst im Jahr 2025 werde die Coronakrise in der Berufsbildung vorbei sein, so eine weitere Prognose der Studie. Bundesrat Guy Parmelin habe bereits eine entsprechende Task Force eingesetzt, mit Umfragen in den Lehrbetrieben sollen die Folgen der Coronakrise frühzeitig erkannt werden.
"Ich bin überzeugt, dass das für die ICT-Branche nicht gilt", sagt uns aber Barbara Jasch, Geschäftsführerin des Zürcher Lehrbetriebsverband ICT ZLI. "Die ICT-Branche wird erst dann weniger Ausbildungsplätze haben, wenn es weniger Kundenprojekte gibt und weniger Aufträge". Und dies sei frühestens 2022 der Fall und bis dann habe sich die Wirtschaft erholt.
Ähnlich optimistisch zeigt sich auch die Sprecherin von ICT-Berufsbildung Schweiz aus nationaler Warte: "Zum heutigen Zeitpunkt können die Folgen für die Berufsbildung nur schwer abgeschätzt werden. Wir gehen davon aus, dass die ICT weniger stark davon betroffen ist als andere Berufsfelder. Beispielsweise zeigt die Erhebung 'Lehrstellen-Puls' der ETH, dass ca. 95% der ICT-Lehrstellen 2020 bereits besetzt sind und ein Lehrstellenrückgang konnte bisher nicht festgestellt werden", so Elisa Marti.
Aber ungeschoren komme man nicht davon: "ICT-Lernende sind in allen Branchen angesiedelt und daher wird es sicher Unternehmen geben, welche die Corona-Krise nicht überleben und somit auch als Lehrbetrieb ausfallen. Um solche Szenarien wird sich die Task Force des Bundes kümmern müssen. ICT-Berufsbildung Schweiz ist hierbei im Rahmen einer Arbeitsgruppe des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) involviert."
Barbara Jasch beruhigt aus kantonaler Sicht: "Die grossen Firmen haben sich in der Fachgruppensitzung von ZLI klar geäussert, dass sich an den Anzahl Lehrstellen ICT bei Ihnen auf 2021 nichts ändern wird. KMUs kann ich noch nicht einschätzen, doch das wird ähnlich sein, denn wir haben immer noch einen Fachkräftemangel und gute Informatiker sind fast nicht zu finden auf dem Markt."
Zwar ist der Informatik-Stellenmarkt regelrecht eingebrochen, wie eine Analyse der Stellenausschreibungen zeigt.
Fachkräfte sind aktuell weniger gefragt, bestätigen Recruiter, und in der Coronakrise steigt die Arbeitslosigkeit unter Informatikern .
Dennoch argumentiert auch ICT-Berufsbildung Schweiz zuversichtlich mit den guten Perspektiven am Arbeitsmarkt. "Da wir in der ICT bereits heute mit einem Fachkräftemangel kämpfen, wäre ein längerfristiger Lehrstellenrückgang fatal. Daher rufen wir Unternehmen dazu auf, nach Kräften weiter ICT-Lernende zu rekrutieren und auszubilden."
Aber der Verband will auch die potentiellen Lehrlinge nicht demotivieren oder gar verlieren: "Wir sind in der Pflicht, Jugendliche trotz Corona dazu zu motivieren, sich mit der Berufswahl und Lehrstellensuche auseinanderzusetzen", sagt Marti.

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