Covid19-bedingte Rezession könnte zu mehr Robotern und weniger Jobs führen

1. April 2020 um 12:09
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Schon vergangene Rezessionen hätten einen Automatisierungsschub ausgelöst, heisst es von der Denkfabrik Brookings.

Die Einnahmen vieler Unternehmen sind als Folge der Coronavirus-Pandemie stark eingebrochen, und der Arbeitsalltag von Angestellten weltweit hat sich massiv verändert. Auch wenn Massnahmen wie Social Distancing, Betriebsschliessungen und Homeoffice nur vorübergehend seien, würden die Folgen der Pandemie noch lange zu spüren sein. Ausserdem werde eine mit dem Coronavirus zusammenhängende Rezession wahrscheinlich zu einem Ansprung der Automatisierung führen, heisst es vom einflussreichen US-Thinktank Brookings Institution.
Die Vergangenheit habe gezeigt, dass wirtschaftliche Abschwünge zu einem höheren Automatisierungsgrad und einem damit einhergehenden Job-Abbau führen würden, so die Brookings-Publikation.
Die Einführung von Automatisierung – oder die Unterwanderung der Belegschaft durch Roboter, wie es heisst – erfolge nicht in einem konstanten Tempo. Stattdessen erfolge die Automatisierung in Schüben, die vor allem in schlechten Zeiten auftauchen.
Ein Grund dafür ist laut den Autoren, dass in Zeiten, in denen die Einnahmen der Unternehmen rasch schwinden, menschliche Arbeitsleistung relativ teuer ist. Dies habe zur Folge, dass Unternehmen in solchen Zeiten schlecht qualifizierte Arbeitskräfte durch Technologie ersetzen würden.

Mischung aus Technologie und Hochqualifizierten

Dabei berufen sich die Autoren unter anderem auf eine Studie von Nir Jaimovich der Universität Zürich und Henry E. Sui von der University of British Columbia. Fast 9 von 10 Stellen, die in den drei Rezessionen der vergangenen 30 Jahre abgebaut worden seien, seien in "routinemässigen und automatisierbaren" Berufen abgebaut worden, so ein Ergebnis der Ökonomen.
Eine weitere Studie, die von Brookings zitiert wird, hat rund 100 Millionen Online-Stellenausschreibungen vor und nach der letzten Rezession analysiert. Dabei habe sich gezeigt, dass Unternehmen Angestellte, die automatisierbare Routine-Aufgaben ausführen, durch eine Mischung aus Technologie und Facharbeitern ersetzt haben. Der typische Schritt bestehe darin, weniger qualifizierte Arbeitskräfte durch eine geringere Anzahl höher qualifizierter Arbeitskräfte zu ersetzen oder höher qualifizierte Arbeitskräfte zu behalten und dann neue Technologien einzuführen, führt Brookings-Autor Mark Muro gegenüber 'Vox Recode' aus
Der nächste Automatisierungsschub könnte insbesondere Angestellte in den Bereichen Produktion, Gastronomie und Transport treffen. Diese Branchen haben gemäss einer Brookings-Studie aus dem Jahr 2019 das grösste Automatisierungspotential. Genannt werden darin aber auch die Bereiche Retail und Landwirtschaft sowie die Gesundheits- und Finanzbranche. Allein in den USA hätten demnach 36 Millionen Jobs eine "hohe Anfälligkeit" für Automatisierung.
Es sei wahrscheinlich, schliessen die Autoren, dass die Coronavirus-Pandemie einen weiteren Automatisierungsschub auslösen werde, der entsprechende Jobs gefährdet. Gleichzeitig könnte es zu einer wachsenden Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften kommen, die eben diese Automatisierung in Unternehmen umsetzen und vorantreiben. 

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