Datenaustausch mit Facebook: Whatsapp beschwichtigt User

8. Januar 2021, 16:11
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Nach Berichten über neue Datenschutzregeln sieht sich Whatsapp zum Statement genötigt. Vollends überzeugen mag es nicht.

Gestern hatten wir im Einklang mit vielen Medien berichtet, dass Whatsapp künftig nur noch genutzt werden könne, wenn man seine persönlichen Daten mit der Muttergesellschaft Facebook teile. Bis am 8. Februar müsse entsprechenden Nutzungsbedingungen zugestimmt werden. Ein folgenschwerer Entscheid, der allenfalls auch noch juristisch zu Reden gegeben hätte… oder geben wird.
Es wäre nicht der erste Prozess: Facebook hatte bei der Prüfung des Whatsapp-Deals angegeben, dass es technisch nicht möglich sei, einen automatischen Datenabgleich zwischen den Benutzerkonten beider Dienste einzurichten. 2016 hatte Facebook dann aber angekündigt, künftig die Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern mit Facebook-Profilen zu verknüpfen. Es folgte ein Verfahren seitens der EU-Wettbewerbshüter, das mit einer Busse von 110 Millionen Euro endete. Die EU war der Ansicht, Facebook habe zu den technischen Möglichkeiten nicht wahrheitsgetreu informiert.
Nun folgen die neuen Berichte, dass User zur Zustimmung der aktualisierten Nutzungsbedingungen gezwungen würden. Dies hat offenbar auch viele Nutzer aufgeschreckt: Der Messenger Signal registrierte eine wahre Flut an neuen Usern, wozu wohl auch ein Tweet von Elon Musk beigetragen haben dürfte. Der neuerdings offiziell reichste Mann der Welt schrieb gestern schlicht "Use Signal", was von fast 31'000 seiner Follower geteilt wurde. Signal meldete fünf Stunden nach dem Tweet, dass Verfikationscodes aufgrund des Andrangs mit Verzögerung ausgeliefert würden.
Nun fühlt sich Whatsapp offensichtlich unter Zugzwang. Niamh Sweeney, Director of Policy beim Unternehmen, meldete sich auf Twitter zu Wort: Die Nachrichten würden auf einer Fehlinformation beruhen. User in Europa müssten auch nach der Aktualisierung der Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinien der Weitergabe von Daten an Facebook nicht zustimmen, um den Dienst weiterhin nutzen zu können. Für den europäischen Markt gebe es keinerlei Änderungen bezüglich des Datenaustausches, schrieb Sweeney.

Ebenfalls zu Wort meldete sich Privacy International, eine auf die Privatsphäre spezialisierte Non-Profit-Organisation, nachdem der Tweet von Sweeney bereits abgesetzt war: Facebook wolle in den Besitz der Telefonnummern der User gelangen, schliesslich sei das Unternehmen in erster Linie eine Werbefirma. Die Daten würden der Auslieferung von personalisierter Werbung dienen. "Sie haben in der Vergangenheit dubiose Methoden verwendet, um diese zu bekommen, und dies könnte ein weiterer Weg sein, sie zu erhalten", so Privacy International.


Zumindest bedenklich wirkt auch der neue Schritt. Sweeney schreibt zwar, dass man – zumindest in Europa – nicht einwilligen müsse. Allerdings ist das bekanntlich schnell geschehen, wenn das "Zustimmen"-Feld einladend gestaltet und das "X" für die Ablehnung etwas versteckt ist. Vermutlich wird man die nächsten Tage auf Whatsapp eine entsprechende Aufforderung erhalten, die neuen Regelungen treten am 8. Februar in Kraft. 
'20 Minuten' zitiert einen Facebook-Sprecher: "Die neuen AGB gelten weltweit, allerdings gibt es Unterschiede zwischen Europa (inkl. Schweiz) und dem Rest der Welt. Zustimmen muss aber jeder bis 8. Februar, wenn er Whatsapp weiter nutzen möchte." Dies gelte aber nur für Business-Profile und nicht für Privatpersonen. Gewissheit wird vermutlich erst die In-App-Aufforderung selbst liefern.
Wer den neuen AGB zustimmt, stimmt auch zu folgenden Passagen zu, die sich in den deutschsprachigen Datenschutzrichtlinien vom 4. Januar 2021 finden: "Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält WhatsApp Informationen von anderen Facebook-Unternehmen und teilt auch Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen." Und: "Deine Telefonnummer, dein Profilname und -foto, deine Info, deine 'zuletzt online'-Information sowie Empfangsbestätigungen sind für jeden verfügbar, der unsere Dienste nutzt." 

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