EU-Kommission stellt Vision der europäischen E-ID vor

3. Juni 2021, 15:55
  • e-id
  • eu
  • regulierung
image

Der heutige Flickenteppich von 19 E-ID-Systemen in der EU soll ersetzt werden. Auch Firmen sollen den Identitätsnachweis anbieten können.

Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag für eine europäische E-ID vorgelegt. Die EUid soll allen Bürgerinnen und Bürgern der EU zur Verfügung stehen und von sehr grossen Plattformen als Identitäts-Nachweis akzeptiert werden müssen, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Mit einer Verordnung will die Kommission die Mitgliedsstaaten zur Ausgabe einer EU-weit kompatiblen E-ID verpflichten, während die Nutzung durch die Bürger freiwillig bleiben soll.
Die Kommission fordert die EU-Staaten auf, bis September 2022 ein gemeinsames Instrumentarium zu schaffen und unverzüglich mit den erforderlichen Vorarbeiten zu beginnen. Dazu zählen technische Architektur, Normen und Leitlinien, um die Interoperabilität sicherzustellen. Derzeit gibt es 19 gemeldete E-ID-Systeme in 14 Mitgliedstaaten, die teilweise nicht kompatibel sind.
Die neue Verordnung sieht vor, dass die Bürger der EU-Mitgliedsstaaten wie auch Unternehmen eine EUid erhalten können, in der sie ihre nationale digitale Identität mit den Nachweisen anderer persönlicher Attribute wie Führerschein, Abschlusszeugnisse, Bankkonto verknüpfen können. Die EUid, zugleich eine digitale Brieftasche, soll von Behörden aber auch privaten Einrichtungen bereitgestellt werden können, wenn sie von einem Mitgliedsstaat anerkannt sind. Diese Kompetenz von Firmen hatte bekanntlich zum wuchtigen "Nein" zur E-ID-Vorlage an den Schweizer Wahlurnen beigetragen.
In der EU tritt nun erstmal eine Regelung in Kraft, die dies vorsieht, aber konkrete Details offen lässt. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, bekannt für ihre Regulationsanstrengungen gegen Google und Co., sprach von einer "sicheren und transparenten Lösung". Die Nutzerinnen und Nutzer sollen die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, welche Aspekte ihrer Identität, Daten und Zertifikate sie an Dritte weitergeben, heisst es in der Mitteilung der EU-Kommission. Zudem sollen sie Überblick und Kontrolle behalten. So müsse man mit der EUid etwa das Alter nachweisen können, ohne seine Identität oder weitere persönliche Attribute preisgeben zu müssen, fordert die Kommission.
In der EU hofft man auf Wettbewerbsvorteile. "Auch unseren grossen und kleinen europäischen Unternehmen wird die digitale Identität zugutekommen: Sie werden ein breites Spektrum neuer Dienstleistungen anbieten können, denn der Vorschlag liefert eine Lösung für einen sicheren und vertrauenswürdigen Identifizierungsdienst", erklärte der für den Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Thierry Breton.
Die bereits bekannten Details und die Verordnung hat die EU-Kommission auf ihrer Website veröffentlicht.

Loading

Mehr zum Thema

image

Anti-Fake-News-Initiative ist vorerst vom Tisch

Mit einem Vorstoss sollten Betreiber in die Pflicht genommen werden, wenn auf ihren Onlineplattformen Falschinformationen verbreitet wurden. Zunächst sind aber Abklärungen nötig.

publiziert am 3.2.2023
image

Cloud-Provider doppeln bei Microsoft-Kritik nach

Der US-Konzern beschränke mit seinen Lizenzbestimmungen den Wettbewerb, kritisiert die Vereinigung CISPE. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie soll dies jetzt belegen.

publiziert am 1.2.2023
image

EU und USA wollen Zusammenarbeit bei KI intensivieren

Eine Vereinbarung wurde unterzeichnet. Auch im Bereich der KI-Forschung soll verstärkt kooperiert werden.

publiziert am 30.1.2023
image

Wegen Whatsapp: Bank wälzt Millionen-Busse auf Angestellte ab

Finanzregulatoren hatten mehreren Banken wegen der Nutzung von Whatsapp hohe Bussen auferlegt. Morgan Stanley reicht diese nun an Mitarbeitende weiter.

publiziert am 27.1.2023