Die Wiederkehr des Wasserfalls

18. März 2013, 08:59
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Alles redet von Agile. Aber letztes Jahr wurde bei Schweizer Softwareprojekten wieder vermehrt die klassische "Wasserfall"-Methode eingesetzt.

Alles redet von Agile. Aber letztes Jahr wurde bei Schweizer Softwareprojekten wieder vermehrt die klassische "Wasserfall"-Methode eingesetzt.
In der Softwareentwicklung sind gegenwärtig Agile Methoden hat dagegen den Ruch des altmodischen, wenn nicht sogar leicht hinterwäldlerischen.
Trotzdem hat die Wasserfall-Methode in der Schweiz letztes Jahr laut einer Umfrage ein Comeback gefeiert. Der Anteil der Entwicklungsprojekte, bei denen zumindest teilweise der Wasserfall angewendet wird, ist in den letzten zwölf Monaten von 40 Prozent wieder auf 53 Prozent gestiegen. Der Wasserfall wird damit sogar wieder etwas häufiger angewendet, als agile Methodiken, deren Anteil von 51 auf 49 Prozent gesunken ist.
Die Studie "Agile Trends & Benchmark 2013" wurde vom Beratungsunternehmen SwissQ Consulting in Zusammenarbeit mit dem Institut für Technologie-Management der Universität St. Gallen erstellt. Die Basis bildet eine Online-Umfrage mit über 580 Antworten sowie 25 Interviews mit IT-Führungskräften aus verschiedenen Branchen.
Wie uns Adrian Zwingli von SwissQ erklärte, dürfte die wieder gestiegene Verbreitung der Wasserfall-Methode zumindest teilweise mit dem in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegenen Anteil von Grossprojekten zusammenhängen. Der Anteil der Projekte mit einem Volumen von über 20 Millionen Franken ist von 5,2 Prozent vor zwei Jahren, über 10,8 Prozent vor einem Jahr, auf gegenwärtig 12,9 Prozent gestiegen.
Oben Wasserfall, unten Agile
Die Anwendung der Wasserfallmethode schliesst nicht aus, dass gleichzeitig auch Agile Methoden angewendet werden. Die Gespräche mit den Unternehmen haben laut der Studie aufgezeigt, dass zurzeit öfter grosse Vorhaben umgesetzt oder kleinere Projekte in grossen zusammengefasst werden. Dabei werde wasserfallmässig die Koordination sichergestellt, die Umsetzung in den einzelnen Teams erfolge jedoch oft trotzdem nach agilen Vorgehensmodellen.
Die Umfrage berücksichtigt auch weitere Projektmethoden. Deren Anteil ist durchgängig leicht gesunken. Iterative Methoden von 12 auf 10 Prozent gesunken. Wenn agile Methoden angewendet werden, ist dies weitaus am häufigsten die Variante "Scrum" (86 Prozent der Projekte).
Bei 29 Prozent gibt es einen Mix verschiedenen agilen Methoden, "Kanban" findet man bei 24 Prozent.
Agile ist schwierig
Der Anteil der Projekte, bei denen agile Methoden angewendet werden, ist also zuletzt hierzulande zwar nicht drastisch gesunken aber auch nicht weiter gestiegen. Angesichts der Dominanz des Themas in Publikationen, Vorträgen, Kursen und Kongressen zum Thema Softwareentwicklung überrascht dies.
Ein Hauptgrund dafür, dass die Weiterverbreitung von Agile etwas ins Stocken geraten ist, dürfte die Schwierigkeit sein, die versprochenen Vorteile auch in realen Projekten zu realisieren, insbesondere wenn noch die Erfahrung fehlt. Rund 50 Prozent der Befragten sind mit der Umsetzung von agilen Projekten unzufrieden. Ein Hauptgrund dafür dürfte oft die mangelnde Erfahrung sein. Erst 27,9 Prozent der Beteiligten haben bereits seit mehreren Jahren praktische Erfahrung mit dem Einsatz von agilen Methoden.
Als Hürde für die Einführung von agilen Methoden werden mit Abstand am häufigsten die mangelnde Fähigkeit, die organisatorische Kultur zu verändern sowie der schwierige Umgang mit der Unschärfe und dem "Kontrollverlust" bei dieser Art des Vorgehens genannt.
Die vollständige Studie mit vielen weiteren Zahlen kann kostenlos heruntergeladen werden auch eine gedruckte Version bestellen. (Hans Jörg Maron)

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