Effekt von Offshoring auf Löhne und Beschäftigung wird überschätzt, sagt McKinsey

23. Februar 2007 um 16:20
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Eine Untersuchung der Beratungsfirma McKinsey zur Auswirkung von Offshoring auf die Beschäftigung in Schwellenländern und in der industrialisierten Welt.

Eine Untersuchung der Beratungsfirma McKinsey zur Auswirkung von Offshoring auf die Beschäftigung in Schwellenländern und in der industrialisierten Welt.
Die Beratungsfirma McKinsey untersucht in einer Studie den Effekt der Auslagerung von bestimmten Tätigkeiten in weit entfernte Tieflohnländer (Offshoring) und hat eine Zusammenfassung der Resultate im "McKinsey Quarterly Report" veröffentlicht (Link unten). In dem Report wird versucht, eine Aussage über die Auswirkungen von Offshoring auf die Löhne und die Beschäftigung sowohl in der industrialisierten Welt wie auch in den Schwellenländern zu machen.
Gemessen wurde einerseits das Potential von talentierten und gut ausgebildeten Menschen (Ingenieure, Software-Entwickler, ...), die bis 2008 in Ländern wie Indien, China oder Malaysia "auf den Markt" kommen. Dem gegenübergestellt wurde das Potential an Tätigkeiten, die Firmen in den USA, UK oder Deutschland auslagern könnten.
Zusammenfassend stellen die AutorInnen fest, dass Offshoring einen verhältnismässig kleinen, globalen Arbeitsmarkt schaffen wird. Die Auslagerung von gewissen Dienstleistungen werde nicht zu plötzlichen Veränderungen beim Beschäftigungs-Niveau oder bei den Löhnen in den industrialisierten Làndern führen.
Die Nachfrage aus den Industrieländern werde hingegen die Löhne in den Tieflohnländern signifikant ansteigen lassen. Allerdings niemals auf den Level der Industrieländern sondern nur etwa auf das Lohnniveau von Brasilien oder Mexiko.
Drittens stellen die AutorInnen fest, dass sich Angebot und Nachfrage nach Dienstleistungen zwischen den Tieflohnländern und den Industrieländern nur sehr ineffizient ergänzen.
McKinsey nennt verschiedene Gründe, für diese - für hiesige IT-Professionals und -Dienstleister doch etwas beruhigenden - Voraussagen. So würden nur einer kleiner Teil der theoretisch auslagerbaren Tätigkeiten auch wirklich in Tieflohnländer verschoben. Die Gründe liegen vor allem bei den internen Prozessen und der Kultur von Firmen, die die möglichen (Kosten-)Vorteile von Offshoring wieder auffressen würde. Bis 2008, so McKinsey könnten maximal weltweit etwas über vier Millionen Dienstleistungsjobs ausgelagert werden. Dies ist nur ein Prozent aller Dienstleistungsjobs in den entwickelten Ländern.
McKinsey glaubt auch nicht, dass Offshoring grössere Auswirkungen auf die Löhne der gut ausgebildeten Service-Spezialisten haben werde. Denn nur 9 Prozent der Dienstleistungsjobs in den USA beispielsweise seien überhaupt geeignet für Offshoring. Und die Löhne in der Computerbranche und bei Datenverarbeitung seien in den letzten Jahren schneller gestiegen, als im Durchschnitt der Wirtschaft.
Nur hochqualifizierte Jobs untersucht
Der ausführliche Text im McKinsey Quarterly enthält einige interessante Überlegungen. Man muss aber darauf hinweisen, dass nur hochqualifizierte Dienstleistungsjobs wie Software-Entwicklung, gewisse Buchhaltungsjobs oder die Auswertung von klinischen Tests in der Pharmaindustrie untersucht wurden.
Etwas anders sieht es in der Industrie aus. Dort wurden gerade aus der Schweiz viele relativ niedrig qualifizierte Jobs ausgelagert, was zu einem Lohnzerfall in diesem Sektor führte. (Christoph Hugenschmidt)
Die ausführliche Zusammenfassung des Reports mit zusätzlichen Links kann man bei McKinsey Online nachlesen. Man muss sich registrieren.

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