Endlich weg vom Hardware-Image

19. November 2009, 10:06
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An der heute in München zu Ende gegangenen Hausmesse Visit 2009 hat sich Fujitsu Technology Solutions (FTS) als kerngesunder Service-Provider präsentiert.

An der heute in München zu Ende gegangenen Hausmesse Visit 2009 hat sich Fujitsu Technology Solutions (FTS) als kerngesunder Service-Provider präsentiert.
Den Ende März vollzogenen Abschied von Siemens hat die einstige FSC (Fujitsu Siemens Computers) und heutige FTS (Fujitsu Technology Solutions) offensichtlich besser geschafft, als allgemein erwartet. Die Übernahme durch die Japaner ist zwar keineswegs spurlos, aber dennoch erfolgreich über die Bühne gegangen. Kai Flores, CEO von FTS, wollte an der diesjährigen Hausmesse zwar keinen konkreten Zahlen nennen, stellte aber unmissverständlich klar, dass seine Sparte innerhalb des Konzerns schwarze Zahlen schreibe. Als Zeichen des Wandels durfte man auch den diesjährigen Standort der Hausmesse lesen. Statt wie bisher in Augsburg, traf man sich erstmals im Münchner Messezentrum. Und somit stand nicht die Besichtigung des Werks, wo heute noch Desktops und Notebooks gefertigt werden, im Vordergrund, sondern Services und Lösungen, die künftig den Fokus des Unternehmens bestimmen werden.
"Neben den grossen internationalen Playern HP und IBM versteht sich Fujitsu als dritter Player, der weltweit durchgehende Services und Lösungen für Rechenzentren zur Verfügung stellt", fasste Manuel Gutierrez (Foto), Schweiz-Chef von FTS, die Botschaft in München zusammen. Flores hatte zur Eröffnung festgehalten, dass sich Fujitsu in Zukunft international als Anbieter von Infrastrukturdiensten aufstellen werde.
Gepusht wird dazu nur der Name des Konzerns - und eben nicht die Sparte FTS, was an der Messe unmissverständlich ins Auge stach. Ob Infrastruktur, Plattformen oder Software - alle drei Bereiche werden künftig als Services von Fujitsu angeboten, die von Unternehmen in jeder Grössenordnung bedarfsgerecht bezogen werden können. "Die Services sind zwar immer noch unser am besten gehütetes Geheimnis", stellt Gutierrez mit Blick auf die Schweiz im Gespräch selbstkritisch fest. Doch damit soll nun Schluss sein: Hinter jeder Präsentation auf der Visit stand der Abschied vom alten Image eines europäischen Hardware-Herstellers im Volumensegment. Fujitsu, so Gutierrez, werde weltweit als Anbieter von "Building Blocks" auftreten, die von der Infrastruktur und den Servern über den Speicher bis hin zu den Clients und Anwendungen ein durchgängiges Portfolio für Unternehmen zu Verfügung stellen, das "as a Service" zur Verfügung steht.
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wird es noch dieses Jahr eine ganze Reihe von Partnerschaften mit anderen Unternehmen geben, wie Gutierrez sagte. Bekannt gegeben hat Flore jetzt die Vertiefung derjenigen mit dem Speicheranbieter NetApp. Mit ihm werde man gemeinsam neue Produkte und Services entwickeln - beispielsweise soll die Management-Software für Storage von NetApp ins Infrastruktur-Ressource-Management von FTS integriert werden und es soll gemeinsame Services für Managed Storage geben. Server, Netzwerk, Speicher und Software sollen dereinst eine Plattform bilden, über die die Applikationen nach Bedarf bezogen werden können. Darüber hinaus hat Flore auch den Ausbau der Kooperation mit SAP genannt. Denn neu werde man auch Application Services zur Verfügung stellen und arbeite dafür eng mit SAP beispielsweise im Bereich BI (Business Intelligence) zusammen; hier sollen künftig branchenspezifische Angebote zur Verfügung stehen.
Trotz klarem Fokus auf IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as a Service), und SaaS (Software as a Service) sind an der Visit auch bei der Hardware diverse Neuheiten gezeigt worden. Im Storage-Bereich sind die hochskalierbaren Festplattensysteme Eternus DX400 (midrange) und DX8000 (highend) gezeigt worden. Zudem sind bei den Business-Servern die S175 und S210 vorgestellt worden, deren Leistung rund 20 Prozent über denen der Vorgängermodelle liegen soll.
Wie Gutierrez in München ausführte, ist die Schweiz in allen Bereichen sehr gut aufgestellt und das gesamte Framework für eine "Infrastruktur-Cloud", wie er sagt, stehe zu Verfügung. Dass dafür noch die Kunden fehlen, will er nicht gelten lassen. Zwar könne er noch keine Namen nennen, aber mit mehreren neuen Kunden stehen man kurz vor dem Vertragsabschluss und werde innerhalb der nächsten drei Monate mehr sagen können. Bekannt ist hier nur, dass der seit 2004 bestehende Outsourcing-Vertrag mit den Pilatus-Flugzeugwerken von der zu Fujitsu gehörenden TDS MultiVision soeben verlängert worden ist.
Fujitsu wird darüber hinaus sowohl die bestehenden Fertigungsstandorte in Deutschland beibehalten als auch strategisch an der bisherigen Aufstellung festhalten. Damit gehört die Schweiz weiterhin in den Cluster Südosteuropa. Laut Gutierrez kein Nachteil, weil man mit Ländern vergleichbarer Grösse zusammenarbeiten könne und nicht mit dem sehr viel grösseren deutschen "Heimmarkt". Fujitsu wolle eben keine Divisionen nach amerikanischem Vorbild, sondern starke lokale Organisationen mit der entsprechenden Entscheidungskompetenz. Die keineswegs einfache Restrukturierung nach der Ablösung von Siemens sei hierzulande inzwischen abgeschlossen. Jetzt konzentriere man sich auf den Ausbau des Geschäftes. Massiv sei zwar das Retail-Geschäft eingebrochen, aber im B2B-Geschäft habe man keine Marktanteile verloren, sagt Gutierrez. Und hier werde man ausbauen. Konkret seien die ersten Partner schon gefunden, mit denen ein indirektes Partnermodell aufgebaut werde. Diese Value Added Partner sollen für die dynamischen Infrastrukturen und Lösungen beispielsweise im SAP-, Speicher- und Virtualisierungsumfeld auf den Angeboten von Fujitsu geschult und zertifiziert werden. Damit, so Gutierrez, werde man den Channel weiter stärken, ohne das bisherige Hardware-Segment vernachlässigen zu müssen. Das vorliegende Service- und Produkte-Portfolio sei insgesamt auf starkes Wachstum ausgelegt und damit soll auch in der Schweiz getrumpft werden. - Der Optimismus des Schweiz-Chefs wird sich in den nächsten Monaten mit neune Kunden beweisen müssen.
Die Visit in München, so muss man wohl sagen, hat all jene Lügen gestraft, die nach der Gesamtübernahme durch Fujitsu eine lange und schwierige Konsolidierungsphase vorausgesehen haben. Obwohl der japanische Konzern wohl auf längere Zeit im Endgeräte-Bereich weltweit keine Rolle mehr spielen wird, hat sich Fujitsu mit dem Service-Fokus im Infrastruktur-Segment offensichtlich erfolgreich neu positionieren können. (Volker Richert, München)

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