Die digitale Infrastruktur der Schweiz weist teilweise kritische Sicherheitslücken auf. Jeder sechste Webserver hinter den rund 3,3 Millionen .ch-Domains muss seit Jahren mit Sicherheitsupdates versorgt werden, ergab eine Analyse der Sicherheitsforschenden von Risikomonitor. Sie haben mit Security-Scans die öffentlich zugängliche Infrastruktur untersucht, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Dabei wurden neben den Servern der 2,6 Millionen .ch-Domains auch zugängliche Einträge in Archivdatenbanken geprüft.
Den Angaben zufolge sind über 550'000 Schweizer Websites von mehreren Schwachstellen in gängigen Web-Technologien wie Apache oder OpenSSL betroffen. Die Probleme sind den Forschenden zufolge teils seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt und könnten mit einem Patch auch behoben werden. Bei ungeschützten Servern bestehe hingegen die Gefahr, dass ein Angreifer ohne Authentifizierung und ohne Benutzerinteraktion die vollständige Kontrolle über betroffene Systeme erlangen kann. Über den Grund für die offenbar hohe "Risikofreudigkeit" der Schweizer Website-Betreiber macht Risikomonitor keine Angaben.
Server in den USA, Deutschland, Israel
Als weniger sicherheitskritisch, aber vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Diskussion über digitale Souveränität immerhin risikoreich, stufen die Forschenden die Tatsache ein, dass 42% der Schweizer Digitalinfrastruktur in ausländischer Hand liegen. Nach der Schweiz seien USA (17%), Deutschland (15%) und Israel (7%) die meistgenutzten Serverstandorte.
In der Schweizer Hoster-Landschaft gibt es der Analyse zufolge ein Konzentrationsproblem: Allein Hostpoint hält 23,6% des Markts, gefolgt von Infomaniak mit 14,6% und Metanet mit 13,2%. Damit würden die drei grössten Anbieter über 50% des gesamten Domainraums vereinen. Was allerdings auch bedeute, dass eine einzige Schwachstelle in einer Plattform gleich Hunderttausende Websites betreffen könne, heisst es.
Beim eklatanten Mangel an Barrierefreiheit der Schweizer Websites sieht Risikomonitor die fehlende Priorisierung als Hauptgrund: Barrierefreiheit werde in der Praxis häufig als nachrangiges Entwicklungsziel behandelt. So ergab eine automatisierte Barrierefreiheitsprüfung an über 22'300 Servern mit .ch-Domains ein ernüchterndes Bild: Lediglich 2,8% der Schweizer Online-Auftritte weisen keinerlei Fehler auf. Bei rund 60% der Websites wurden zwischen 3 und 5 Verstösse pro Seite entdeckt. Dieser Wert deute auf strukturelle oder systemische Mängel hin und nicht auf Einzelfehler, kommentieren die Spezialistinnen und Spezialisten.
Update: In der Ursprungsfassung enthielt der Artikel verkürzende und falsche Angaben über unter anderem die Schweizer Domains. Und die Zahl der geprüften Webserver. Diese Angaben wurden korrigiert und ergänzt. Der Autor bittet für die Falschinformationen um Entschuldigung.