Entwicklerinnen und Entwickler sind fürs Impfen

20. Dezember 2021, 09:43
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Der Einfluss von Corona war auch dieses Jahr Thema im Swiss Developer Survey. Fast 900 Developer gaben Auskunft über die Auswirkungen der Pandemie auf ihren Arbeitsalltag.

2021 führte Swiss Made Software zum dritten Mal seinen Swiss Developer Survey durch. Fast 900 Personen nahmen daran teil, die meisten aus der Schweiz. Die vollständigen Ergebnisse werden Anfang 2022 veröffentlicht. Angesichts der anhaltenden Coronakrise hat sich der Träger des Labels aber entschlossen, Ergebnisse mit Bezug auf Arbeitswelt und Pandemie bereits jetzt zu veröffentlichen.
Die Befragung fand von Mitte September bis Mitte Oktober statt. Damit sind die Ergebnisse aktuell, spiegeln aber die zuletzt erfolgte erneute Zuspitzung der Lage (sowie die nun wieder gültige Homeoffice-Pflicht) nicht wieder. Dennoch dürfte das wenig Einfluss auf die Ergebnisse haben, wie die folgenden Resultate zeigen. 
Es dürfte kaum überraschen, dass zum Befragungszeitraum 45% der Teilnehmenden angaben, noch immer praktisch nur von zu Hause arbeiten. Weitere 18% waren dort die meiste Zeit und lediglich 16% waren vollständig ins Büro zurückgekehrt. Dieser Anteil dürfte in den Wochen nach der Befragung noch weiter gesunken sein. 
Die Entwicklerinnen und Entwickler sind mit der Homeoffice-Situation auch nicht unglücklich: knapp die Hälfte ist davon sehr angetan, weitere 35% schätzen sie. Lediglich 4% mögen sie gar nicht.

Eine neue Wohnung?

Die Homeoffice-Welle war zuletzt auch Medienthema punkto gesteigerter Platzbedarf der verpflanzten Mitarbeitenden. So stieg schweizweit die Nachfrage nach grösseren Wohnungen. Spannend deshalb die Frage, ob die Developer umgezogen sind? So geschehen bei 17% der Befragten. Fast 80% sind allerdings geblieben. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass Entwicklerinnen und Entwickler schon vor der Pandemie häufiger in den Genuss des Homeoffices kamen und deswegen bereits passend wohnen.
Das dürfte auch so bleiben, denn die meisten Firmen wollen die Regelung auch nach Ende der Pandemie beibehalten – so 87% der Befragten. So trifft es sich also gut, dass die Befragten in Bezug auf Video-Konferenzen noch keine Ermüdungserscheinungen zeigen: 66% können damit noch gut oder sehr gut leben. Bei 33% kann man sich aber auch angenehmere Kommunikationsmöglichkeiten vorstellen. Der Anteil Genervter stieg gegenüber dem Vorjahr aber nur um ein Prozent.
Konsistent blieb, wie auch im letzten Jahr, die Arbeitsauslastung. Es bestätigt sich also wieder, dass die IT-Branche von der Krise verhältnismässig wenig gebeutelt wurde. 
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Mein Unternehmen und/oder unsere Kunden wollen vermehrt auf Telearbeitende aus dem Ausland setzen. Quelle: Swiss Made Software
Spannend auch die Antworten zur Frage, ob Firmen und/oder deren Kunden den Anteil an Remote Work von ausserhalb der Schweiz erhöhen wollen. Zwar wollten oder konnten sich etwa 20% nicht äussern, bei den anderen ist der Trend aber eindeutig: 32% sagen hier klar "Nein", weitere 29% "eher Nein". Lediglich 5% sind definitiv mit mehr Outsourcing konfrontiert und bei weiteren 14% scheint es zumindest teilweise ein Thema zu sein. Es sieht also danach aus, als würde der Offshoring-Druck die Schweizer Entwickler-Community nicht massiv stärker treffen.

Pro-Impfung

Die Zukunft sehen die Umfrage-Teilnehmer eher weniger rosig – nur 10% denken, dass Corona binnen 12 Monaten verschwinden wird. Weitere 27% sind relativ optimistisch, 40% verhalten pessimistisch. 16% gaben an, sich die nähere Zukunft ohne Corona praktisch nicht vorstellen zu können.
Die häufig postulierte Spaltung der Gesellschaft scheint es bei den Entwicklern nicht zu geben – zumindest nicht in Bezug auf Impfungen. Mehr als 88% sind bereits geimpft oder haben den ersten Stich erhalten.
Trotzdem sehen viele Entwickler in der Pandemie einen starken Treiber für gesellschaftliche Veränderungen. 20% stehen voll hinter dieser Aussage (2020: 12%), weitere 42% (2020: 43%) mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wirklich ausschliessen tun dies nur 7% (2020: 6%), 30% (2020: 36%) habe eher Zweifel. Diese Einschätzungen könnten allerdings auch damit zusammen hängen, dass man in der IT sowieso eher "Pro-Disruption" ist.

Über die Autoren:

Christian Walter ist Geschäftsführer und Redaktionsleiter von Swiss Made Software. Bis Ende 2010 arbeitete er als Journalist. Zuvor fand der Wirtschaftswissenschafter über das Consulting seinen Weg ins Qualitätsmanagement eines mittelständischen Logistikunternehmens, das er mehrere Jahre leitete.Jonas Felix baute in den 2000er-Jahren ein Webentwicklungsunternehmen auf, das er 2016 erfolgreich mit seinem Partner verkaufte. Zurzeit liegt sein Fokus dem Digital-Marketing-Unternehmen sidekicks.ch sowie dem Anbieter von Entwicklerkursen letsboot.com. Noch heute trägt er regelmässig zu Open-Source-Projekten bei.

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