Nun hat es das norwegische Parlament erwischt: Am 10. März teilte es mit, dass Kriminelle über eine schwerwiegende Lücke in Microsofts Exchange Server in ihr System eingedrungen seien. Aufgefallen war dies dem Parlamentsdienst, der gezielt nach Angriffen auf Basis der bekannten Lücke gesucht hatte. Es seien Daten gestohlen worden, das Ausmass könne man aber noch nicht abschätzen, hiess es in der Mitteilung.
Für die vier Zero-Day-Lücken in Microsofts Exchange Server wurden von Microsoft
am 2. März Not-Patches veröffentlicht. Die Schwachstellen waren bis dahin bereits von Hackern ausgenutzt worden. Nun teilt das Cyber-Security-Unternehmen Eset mit, dass mindestens zehn verschiedene Hackergruppen auf die Schwachstelle abzielen und das Internet danach scannen.
Die bekannteste davon heisst "Hafnium" und soll im Dienst der chinesischen Regierung arbeiten. Aus Norwegen heisst es, dass man die Attacke als "einen Angriff auf unsere Demokratie" werte. Das Parlament war bereits 2020 Opfer eines Hacks geworden, der damals Russland angelastet wurde.
Alarmstufe rot: Die Kriminellen beeilen sich
"Nach dem Patch haben wir einen starken Anstieg der Attacken gesehen und glauben, dass einige Angreifer mit Massenscans begonnen haben. Sie wollten wahrscheinlich so viele Server wie möglich kompromittieren, bevor die Patches auf den für sie interessantesten Mail-Servern installiert werden", erklärte Eset-Forscher Matthieu Faou gegenüber
'ZDnet'.
Die Vorwürfe an Microsoft
Microsoft wird
von verschiedenen Seiten vorgeworfen, nachlässig gehandelt zu haben: Demnach sollen erst externe Security-Experten die Lücken entdeckt haben – die erste bereits Anfang Dezember 2020, was sie Anfang Januar 2021 Microsoft meldeten. Also rund zwei Monat vor den Patches. In der Zwischenzeit soll Microsoft seine Kunden nicht gewarnt haben, wie etwa Security-Experte Brian Krebs konstatiert.
In einem Blogbeitrag schlägt Palo Alto nun vier Schritte vor: 1. Alle Exchange Server lokalisieren und bestimmen, ob sie gepatcht werden müssen. 2. Patchen und Sichern. 3. Prüfen, ob das System kompromittiert wurde. Microsoft hat dazu mittlerweile
ein Tool veröffentlicht. 4. Bei Verdacht ein Incident-Response-Team hinzuziehen.