Facebook zieht sein Gesichts­erkennungs­system aus dem Verkehr

3. November 2021 um 12:51
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In einem radikalen Schritt verabschiedet sich das soziale Netzwerk (vorerst) von der Gesichts­erkennungs-Technologie und den darauf basierenden Funktionen.

Das kommt unerwartet: Das soziale Netzwerk Facebook, das ansonsten in Sachen Privatsphäre keinen besonders guten Ruf hat, verabschiedet sich freiwillig von seinem bestehenden Gesichtserkennungssystem. In einem Blogpost hat das Unternehmen angekündigt, dass die Technologie in den kommenden Wochen aus dem Verkehr gezogen wird. Gleichzeitig, so Facebook, werde man über eine Milliarde Gesichtsschablonen, die im System gespeichert sind, löschen.
Gesichtserkennung wird dann auch den Usern nicht mehr zur Verfügung stehen, die sich ausdrücklich dafür entschieden haben, sie zu nutzen. Ihre Gesichter werden nicht mehr in Fotos oder Videos, die andere User hochgeladen haben, erkannt und mit Tags versehen. Sie erhalten auch keine diesbezüglichen Benachrichtigungen mehr.
Der Entschluss von Facebook wird auch die Funktion "Automatic Alt Text" beeinträchtigen, die sehbehinderten Personen Informationen zu Bildinhalten liefert. Sie wird zwar weiterhin Bilder beschreiben, aber nicht mehr die Namen von Leuten, die darauf erkannt wurden.
Über ein Drittel der täglich aktiven User hätten sich dafür entschieden, das Gesichtserkennungssystem zu nutzen und darin offensichtlich einen Mehrwert gesehen, sagt Facebook. Aber aufgrund der wachsenden Bedenken in der Gesellschaft, und weil es noch keine klaren Richtlinien von Seiten der Regulatoren gebe, habe man sich dazu entschieden, auf die Nutzung der Technologie in ihrer gegenwärtigen Form auf Facebook zu verzichten. Dies sei auch ein Teil einer unternehmensweiten Initiative, den Einsatz von Gesichtserkennungssystemen zu limitieren.
Facebook will der Gesichtserkennungs-Technologie nicht komplett und für immer entsagen. Die Technologie könne besonders grossen Nutzen bringen, wenn sie nur auf den persönlichen Geräten laufe und nicht mit zentralen Servern kommuniziert. Gegenwärtig wird Gesichtserkennung in dieser Form vor allem zum Entsperren von Smartphones genutzt.
Bei Facebook glaube man, heisst es im Blogpost weiter, dass diese Ersatzvariante das Potenzial habe, die Basis für weitere Anwendungen zu werden, die die Privatsphäre nicht verletzen und bei denen die User die volle Kontrolle haben. Diesen Ansatz wolle man bei Facebook nun weiterverfolgen.

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