Harddisk-Riesen auf der Jagd nach SSD-Know-how

3. August 2012, 09:14
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Seagate will SSD-Hersteller übernehmen. OCZ Technology im Visier von Seagate und Western Digital. Harddisk-Markt hat sich von Thailand-Schock erholt.

Seagate will SSD-Hersteller übernehmen. OCZ Technology im Visier von Seagate und Western Digital. Harddisk-Markt hat sich von Thailand-Schock erholt.
Die Börse reagierte diese Woche begeistert auf Gerüchte, der Harddisk-Gigant Seagate werde bis zu einer Milliarde Dollar in die Hand nehmen, um den SSD-Hersteller OCZ Technology zu kaufen. Der Börsenwert des SSD-Herstellers machte regelrechte Freudensprünge. Seagate-Finanzchef Pat O’Malley bestätigte dann diese Woche gegenüber der Nachrichtenagentur 'Reuters', dass das Unternehmen Interesse am Kauf eines SSD-Herstellers habe, welcher einen "signifikanten" Anteil am Enterprise-Markt habe.
Seagate und WD haben SSD-Zug verpassen
Patrick Matzinger, als Präsident und CEO der Littlebit Technology Group, einer der bekanntesten Experten im europäischen Harddisk-Geschäft, sieht in OCZ durchaus einen interessanten Übernahmekandidaten, aber nicht nur für Seagate, sondern auch für andere HDD-Hersteller.
Hier sei erwähnt, dass Seagate die Position als Nummer 1 im HDD-Markt gerade an Western Digital (WD) abtreten musste. Beide haben zu lange zugesehen, wie der SSD-Zug an ihnen vorbeirollte und versuchen nun alles, diesen einholen zu können. So ist Seagate vor etwa einem Monat eine strategische Partnerschaft mit Densbit aus Israel eingegangen, hat sich das Unternehmen NAND-Flash-Chiplieferungen von Samsung gesichert und eine eigene SSD-Reihe unter dem Namen Pulsar gestartet.
WD ist ist zwar mit SSDs hauptsächlich im Embedded-Markt aktiv, verfügt aber seit der Übernahmen von Hitachi Global Storage Technologies auch über eine eigene SSD-Serie und sogar über eine eignene Flash-Chipproduktion. Laut 'PC-Magazin' kommt aber keines der Produkte an die SSD-Reihen von OCZ heran. WD/Hitachi fehle zudem auch das Controller-Knowhow, das OCZ mit Indilinx habe. Das erkläre möglicherweise auch das in der Gerüchteküche gehandelte hohe Eröffnungsangebot von Seagate. Inmitten der Übernahmegerüchte hat OCZ mit der News von einem neuen Indilinx Barefoot 3 Controller für die Beschleunigung von SSDs vielleicht auch selbst dafür gesogt, dass der Börsenwert gestiegen ist.
Bereits ein Fünftel der verkauften "Harddisks" sind SSDs
Abgesehen von der Riege der Hersteller von entsprechenden NAND-Flash-Chips, allen voran Samsung und Toshiba, sieht Littlebit-Chef Matzinger im Mainstream Corsair, Kingston und OCZ als die Unternehmen mit den höchsten Marktanteilen. Das Enterprise-Segment beginne sich gerade zu entwickeln, OCZ sei da am aktivsten.
Gemessen am Gesamtmarkt liege der SSD-Anteil im Channel derzeit bei etwa 20 Prozent, im Enterprise-Segment sei der Anteil noch relativ klein, wie Matzinger schätzt, könne er aber bald auf 10 bis 20 Prozent steigen.
Toshiba fährt NAND-Flash-Produktion zurück
Etwa gleichzeitig wie die Übernahmegerüchte zu OCZ kam die Meldung, dass Toshiba die Produktion von NAND-Flash-Bausteinen um 30 Prozent zurückgefahren habe, was auf Überkapazitäten hindeutet. Matzinger zufolge scheint es tatsächlich Überkapazitäten bei Solid State Drives zu geben, was er mit der "eher schleppenden Nachfrage" erklärt. Das heisse aber auch, dass die NAND-Flash-Hersteller nicht einfach die Preise senken könnten und die Produktionsdrosselung sie mitunter günstiger komme.
Harddisk-Markt (fast) zurück im Normalzustand
Nachdem die Flutkatastrophe in Thailand und die daraus resultierenden Engpässe im Harddisk-Markt monatelang für Gesprächsstoff in der PC-Industrie gesorgt hatte, scheint das Thema heute niemanden mehr zu interessieren.
Inside-channels.ch hat bei dem Littebit-Chef nachgehakt. Wie er sagt, sei die Verfügbarkeit zu fast 100 Prozent wieder gewährleistet, die Festplattenpreise seien allerdings um etwa 20 Prozent höher als vor den Fluten. Er merkt aber an, dass das Preisniveau für die Hersteller damals äussert ungesund war und die Preise auf absehbare Zeit wohl nicht mehr auf das Vor-Flut-Niveau zurücksinken werden.
Im Vergleich zu den gebotenen Speicherkapazitäten sind Festplatten laut Matzinger immer noch zehnmal günstiger als SSDs. Der "Gap" werde zwar kleiner, dennoch sieht er nicht, dass die SSD die HDD so bald ablösen wird, zumal bei geforderten hohen Kapazitäten. SSDs haben hingegen Vorteile bei der Leistung, der Grösse und dem Stromkonsum. Daher wird der Absatz sowohl von konventionellen Harddiks wie auch von "Disks", die mit Flash-Speicher gebaut werden, im Gleichtakt mit dem Storage-Markt stark wachsen und sich gegenseitig ergänzen, so der Littlebit-CEO Matzinger zuversichtlich. (Klaus Hauptfleisch)

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