Internet der Dinge, automatische Autos und lautstarke Schweizer

3. März 2015, 09:49
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Smartphones, Startups, CEOs: Am Mobile World Congress in Barcelona treffen sich alte und junge ICT-Grosskonzerne mit Startups aus der ganzen Welt.

Smartphones, Startups, CEOs: Am Mobile World Congress in Barcelona treffen sich alte und junge ICT-Grosskonzerne mit Startups aus der ganzen Welt.
Was bedeutet es, wenn ein altgedienter IT-Journalist, der recht wenig von Smartphones und Telekommunikation versteht, von einem ebenso altgedienten ERP-Riesen an den Mobile World Congress in Barcelona eingeladen wird? Es bedeutet "Digitalisierung", "Internet der Dinge", "Mobile first".
Der Mobile World Congress (MWC) mag zwar noch wesentlich kleiner als die IT-Grossmesse CeBIT sein, dürfte aber die weitaus eindrücklichere Konzern-CEO-Dichte aufweisen. So sprachen gestern Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Renault-Nissan-Boss Carlos Ghosn und SAP-Chef Bill McDermott. Cisco fliegt John Chambers ein und auch Ken Hu, Deputy Chairman and "Rotating CEO" von Huawei, ist persönlich da. So wichtige Leute müssen gut beschützt sein: Vor den Eingängen zeigen sich katalanische und spanische Polizisten mit langen Knüppeln und automatischen Waffen und wer hinein will, muss seinen Badge samt Pass mindestens dreimal vorweisen. Weitere Badge-Kontrollen und -Scans gibt es beim Zutritt zum Auditorium und in die gedrängt vollen Presseräume.
Glamour versprechen die Veranstalter hingegen bei der offiziellen "MWC Party". Der Dresscode lautet: "dress to impress". Ist die Geschlechterverteilung an der Party allerdings so ungleich wie an der Messe, an der uns der Frauenanteil noch geringer als in der Schweizer IT-Industrie schien, wird auch das nicht viel helfen.
"Internet der Dinge" + Wearables = Automatisierung der Dienstleistung
Eine interessante Demo gab es am recht grossen Stand von SAP zu sehen. Der deutsche ERP-Hersteller zeigt die Kombination von "Internet der Dinge" mit "Wearables". Konkret: Eine mit Sensoren ausgestatte Pumpenanlage meldet einen potentiellen Fehler. Das System sucht sich einen passenden Techniker. Dieser wird vor Ort mittels Datenbrille mit Informationen und Reparaturanleitungen versorgt und holt über die gleiche Brille weitere Unterstützung von der Zentrale. Was in der Demo als herzige Spielerei daherkommt, wird ganze Industrien und Geschäftsmodelle verändern. Von SAPs "Predictive Maintance" und der Brillen-App "AR Service Technician" wird man wohl noch hören.
Nicht nur klassische Business-Software-Hersteller wie SAP drängt es an die Mobile World. Auffallend fanden wir auch, dass sich mit Ingram und Tech Data zwei der grössten IT-Zwischenhändler grosse Stände - mitten unter den einschlägigen Smartphone-Herstellern Asiens - leisten.
Apple Auto? Kein Problem - sagt der Auto-Hersteller
Etwas enttäuschend fanden wir hingegen den Auftritt von Carlos Ghosn. Der Top-Manager, der als "Retter" des japanischen Autoherstellers Nissan gilt und heute den Renault-Nissan-Konzern leitet, erklärte, wie er die Entwicklung von autonomen Autos erwartet. Schon bald, nämlich 2018, werde es Autos geben, deren Autopilot auf der Autobahn oder im Stau lenken könen. 2020 werde es erste autonome Autos für Städte geben - bis fahrerlose Autos erhältlich sind, wird es gemäss Ghons noch weitere 10 Jahre dauern.
Und was hält er vom "Apple Auto"? Ghosn sagte, was ein Autohersteller wohl sagen muss. Er fände den Einstieg von Apple ins Autobusiness gut, denn das werde die Nachfrage nach Elektroautos überhaupt antreiben.
Laut sein
Aufgeräumte Stimmung trafen wir am verhältnismässig winzigen und sehr konservativ gestalteten (viel Schweizerkreuze, Damen in trachtenähnlichen Gwändli) Gemeinschaftsstand von 16 Schweizer Startups. Einhellig lobten Andreas Slotosch von beekeeper, Paul Davis von Scandit und Mark Berger von Hey! Solutions den Gemeinschaftsstand und sprachen von guten bis sehr guten Kontakten zu Kunden und potentiellen Partnern.
Dass der Stand sehr klein ist, hat den Vorteil, dass er sehr voll wirkt. Unschweizerisch und zum Nachahmen empfohlen dann die "Pitch & Beer"-Show am Abend. Während kostenloses Bier verteilt wurde, versuchten einige unerschrockene Startup-Vertreter ohne Mikrofon und Manuskript in kurzen vier Minuten die Vorteile ihres Produktes anzupreisen. Eine schwierige Aufgabe angesichts des hohen Lärmpegels einer Messehalle, die aber mit Applaus belohnt wurde.
Man kann den kleinen Schweizer Startup-Stand, der von AlpICT, KTI und der Exportförderung Switzerland Global Enterprise aufgezogen wurde, als klaren Erfolg werten. Doch warum schaffen es Griechenland (!), Nordirland, Estland und Idaho - von Brasilien wollen wir gar nicht reden - mindestens so überzeugend, wenn nicht überzeugender aufzutreten? (Christoph Hugenschmidt)
(Interessenbindung: Reise und Unterkunft des Journalisten an die MWC wurde von SAP bezahlt.)

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