Internet in Regionalzügen: SBB und Mobilfunkanbieter setzen Bund unter Druck

2. September 2014, 10:28
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Mobilfunkanbieter einigen sich auf Investitionen von mehr als 300 Milionen Franken - falls der Bund und Kantone sich auch an den Kosten beteiligen.

Mobilfunkanbieter einigen sich auf Investitionen von mehr als 300 Milionen Franken - falls Bund und Kantone sich auch an den Kosten beteiligen.
Mit einer geminsamen Mitteilung von heute setzen die SBB sowie Swisscom, Sunrise und Orange den Bund unter Druck: Man habe sich darauf geeinigt, bis 2020 den Mobilfunkempfang in Regionalzügen verbessern. Für Signalverstärker in knapp 1700 Waggons und für Aussenantennen sollen insgesamt über 300 Millionen Franken investiert werden.
Voraussetzung für bessere Telefonverbindungen aus dem Zug und in den Zug sowie die schnellere Datenübertragung sei allerdings, dass sich Bund und Kantone an den Kosten beteiligen, wie Swisscom, Sunrise und Orange sowie die SBB heute gemeinsam mitteilten. Entsprechende Gespräche mit dem Bund seien im Gang. Darüber, wie hoch der Zustupf von Bund und Kantonen ausfallen sollte, äusserten sich die SBB und die Mobilfunkanbieter nicht.
Der SBB-Informatikchef Peter Kummer erklärte im Gespräch mit inside-it.ch schon in diesem Februar, Regionalzüge technisch nachzurüsten.
Verhandlungen mit Bund und Kantonen
Fest steht, dass das Konsortium InTrainCom, ein Zusammenschluss der Telekom-Anbieter, sowie die SBB je einen Anteil der Kosten tragen. SBB-Sprecher Reto Schärli machte auf Anfrage keine näheren Angaben zu der Aufteilung. Diese seien Gegenstand der Verhandlungen.
Das Bundesamt für Verkehr (BAV) bestätigt, dass Gespräche im Gang sind. "Ein Entscheid sollte in den nächsten Monaten fallen", sagte Sprecherin Florence Pictet auf Anfrage.
Weil die Kantone den Regionalverkehr auf ihrem Gebiet bestellen und bezahlen, muss nicht nur mit dem Bund über eine Beteiligung verhandelt werden, sondern auch mit den Kantonen, wie Schärli ausführte.
Für 900'000 Passagiere pro Tag
Rund 900'000 Bahnpassagiere pro Tag sollen dereinst bessere Handy-Verbindungen erhalten. Verstärkt wird laut SBB-Sprecher Schärli das 3G-Signal. Mobiltelefone und Geräte, die via dieses Signal das Internet nutzen, können von der Verbesserung profitieren.
Vorbereitungen für den Einbau der Repeater in die Bahnwaggons sind bereits im Gang: Noch im laufenden Jahr werden die unter anderem auf dem Zürcher S-Bahn-Netz verkehrenden Doppelstockzüge ausgerüstet, ab 2015 alle weiteren Regionalverkehrs- und S-Bahn-Züge. Die von InTrainCom und SBB erarbeitete Lösung gilt für alle Regionalbahnen.
Im Fernverkehr sind die Verbesserungen schon seit 2011 im Gang. Die SBB und InTrainCom, das dafür gegründete Konsortium der drei Mobilfunkakanbieter, haben laut Mitteilung mittlerweile 90 Prozent der Flotte mit Repeatern ausgerüstet; bis Ende Jahr sollen alle Wagen ausgerüstet sein. Und bis Ende 2015 will die SBB in rund 100 Bahnhöfen einen Gratis-Zugang ins Internet zur Verfügung stellen.
Aus Sicht von Pro Bahn nötig
Pro Bahn hält die Nachrüstung in den Regionalzügen für nötig. "Das Recht, im Zug zu telefonieren oder das Internet zu nutzen, haben nicht nur jene, die in Fernverkehrszügen unterwegs sind, sondern auch die Passagiere der Züge in den Agglomerationen", sagte Pro-Bahn Präsident Kurt Schreiber.
Die Zahl der Reklamationen bei Pro Bahn über schlechten Empfang in Regionalzügen ist laut Schreiber wegen der in der Regel kurzen Fahrzeiten klein. Dagegen hätten sich einst mehr Menschen wegen schlecht funktionierender Handys in Fernzügen beschwert. Nach den Verbesserungen seien die Reklamationen jedoch zurückgegangen. (hjm/sda)

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