Jetzt muss Luzerns Stadtparlament das RZ-Tribschen noch abnicken

30. April 2020 um 12:26
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Mit Verzögerung soll der Grosse Stadtrat Luzerns voraussichtlich Anfang Juni den letzten Stein für den Bau des geplanten EWL-RZ aus dem Weg räumen.

Luzerns Stadtrat hat soeben einen "Bericht und Antrag" an den Grossen Stadtrat veröffentlicht, der dem Luzerner Energieversorger EWL erlaubt, im Baurecht den einstigen Zivilschutzbunker im Warteggstollen langfristig als Rechenzentrum zu nutzen. Stimmt das Stadtparlament in seiner Sitzung am 4. Juni 2020 zu, wird die am 19. Februar 2020 eigens gegründete EWL Rechenzentrums AG die benötigten städtischen Grundstücke inklusive Bunker für 60 Jahre nutzen können, wie es im Antrag heisst. Die Dauer soll der EWL-Tochter erlauben, ihre Investitionen von bekanntlich rund 30 Millionen Franken zu amortisieren.
Damit verzögert sich der Startschuss zum Bau des RZ-Tribschen abermals um einige Monate, hatte das EWL doch Mitte März noch angegeben, diese politische Hürde würde schon "im Frühling 2020" genommen. Kommt hinzu, dass es noch vor gut einem Jahr hiess, das RZ werde Ende 2020 den Betrieb aufnehmen. Auf Anfrage hiess es dann Anfang März 2020, das Projekt sei noch einmal überarbeitet worden und die Inbetriebnahme verzögere sich bis zum dritten Quartal 2021.
Klar scheint zudem, dass die Zeitpläne davon ausgehen, dass das Stadtparlament wie jetzt bereits der Stadtrat dem Projekt zustimmt. Der Stadtrat hat einen Marktwert des Areals von 950'000 Franken ermitteln lassen, wofür ein Jahreszins von 54'000 Franken zu bezahlen ist. Laut 'Luzerner Zeitung' ist das EWL mit dem Tarif einverstanden. Allerdings geht man davon aus, dass das RZ nach der Inbetriebnahme noch nicht voll ausgelastet sein wird. Der Antrag des Stadtrats berücksichtigt dies indem er eine Staffelung des Zinses vorschlägt. Demnach werden in den ersten beiden Jahren je 18'000 Franken, im dritten und vierten Jahr je 36'000 Franken und ab dem 5. Jahr dann der volle Jahreszins fällig.
In dem Papier für den Grossen Stadtrat wird auch die lange Geschichte dieses RZ-Projektes beschrieben. Demnach hat das EWL bereits 2012 ein Baugesuch eingereicht, das 2014 bewilligt wurde. Vier Jahre später erfolgte dann ein Planänderungsgesuch, das im April 2019 bewilligt wurde. Just in dem Monat, als offiziell laut EWL auch der Spatenstich zur ersten Ausbauetappe erfolgte.
Man darf gespannt sein, ob das EWL-RZ wie geplant in Betrieb geht. Noch vor einem Monat war unklar, ob bereits konkrete Zusagen von sogenannten Ankerkunden bestehen, die zur Umsetzung des Projektes nötig sind. Laut dem Bericht des Stadtrats benötigt Luzern selbst nur rund 20 Quadratmeter der insgesamt 1865 Quadratmeter RZ-Fläche.
Trumpfen will die EWL-Tochter allerdings mit seinem Energiekonzept. Der ungefähre Strombedarf des RZ betrage 20 GWh und entspreche in etwa 5 Prozent des städtischen Stromverbrauchs. Wobei allerdings mit der Abwärme des RZ die umliegenden Wohnquartiere beheizt werden sollen, gekühlt werde es mit Seewasser. "Dadurch wird eine sehr hohe Effizienz- beziehungsweise ein Power-Usage-Effectiveness-Wert (PUE-Wert) von 1,12 erzielt", so der Stadtrat. Somit baue das EWL eines der ökologischsten RZ der Schweiz und "treibt somit die Umsetzung der Energie- und Klimastrategie (von Luzern, A. d. Red.) voran".

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