Leider Nein (die wirklich wichtige Folge)

25. März 2011, 16:55
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Ist es wirklich wichtig? Müssen Sie es wissen, wollen Sie es lesen, müssen wir an diese oder jene Medienveranstaltung gehen, sollen wir das Thema aufgreifen?
Oder interessiert uns die Frage nicht doch mehr, ob die armen Ingenieure und Arbeiter in Fukushima es nicht endlich schaffen, die neuzeitliche Büchse der Pandora, die der Tsunami geöffnet hat, wieder zu schliessen? Überhaupt: Was interessiert mich die Zukunft eines Chips namens Itanium, wenn ich mich zum ersten Mal dieses Jahr mit der wirklich wichtigen Frage des Lebens (kurz, dreiviertel oder doch noch die lange Velohose?) befassen darf?
Raffiniert, wie die PR-Branche die sporttextilen Frühlingsgefühle des Schreibenden dazu ausnützt, ihre Mitteilungen gegen dessen Willen als wirklich wichtig in seinem Hirn zu positionieren. So klärt uns die Firma Nail-Designer.com unter dem Titel "Eine Hand voll Frühlingsgefühle" darüber auf, dass nun "die ersten wärmenden Sonnenstrahlen die frostigen Temperaturen in den langersehnten Plusbereich treiben." Haben sie bemerkt, wie elegant der Spannungsbogen zwischen Frühlings- und Todesgefühlen (remember "per un pugno di dollari" von Sergio Leone) geschlagen wird und wie durchtrieben dann der Link zum Wort "treiben" gesetzt worden ist? Woran denken Sie nun? Eben!
Damit wären wir dann schon beim einzigen wirklich wichtigen Thema im Leben angekommen: Sex. "Jeder zweite Single verspürt im Frühling grosse Sehnsucht nach einem Partner. Vor allem Männer haben Frühlingsgefühle. Die Online-Partnervermittlung ElitePartner.ch befragte rund 5'000 Singles im ElitePartner-Trendmonitor© in welcher Jahreszeit sie den grössten Beziehungswunsch verspüren," schreibt uns die Presse-Abteilung von ElitePartner, nicht ohne eine wissenschaftliche Erkenntnis nachzuliefern: "Der Frühling ist die gefühlsfördernde Jahreszeit," so Diplom-Psychologin Lisa Fischbach.
Das mit dem Frühling und den Gefühlen kann natürlich auch schief gehen und in einer Sünde enden, die wiederum die Perspektive für die Zukunft massiv verschlechtern kann. Das ist schlimm, kann aber zumindest von Katholiken mit iPhone mit einem Beicht-Quickie wieder behoben werden, denn sie können sich mit der App namens "Confession" (nur 1.59 Euro) "betend auf die Buße vorbereiten". Die App ist ihr Geld zweifellos wert, denn sie bietet zusätzlich auch noch die "personalisierte Prüfung des Gewissens".
Dank der Gewissensprüfungs-App kann der Frühling uns nun nichts mehr anhaben und wir können uns wieder den wichtigen Dingen zuwenden. Zum Beispiel der Frage, ob wir selbst wichtig sind, was ja immer sehr wichtig ist. Und so freut man sich dann doch über die Einladung zur Pressekonferenz des Fürstentums Monaco, an der uns in der Blumenhalle Eventhall & Lounge in Züri5 enthüllt werden wird, "wie Monaco sich auf die Hochzeit von Seine Durchlaucht Fürst Albert II. und Charlene Wittstock vorbereitet." Es ist Frühling und der Fürst mit dem Punkt hinter dem II hat an mich gedacht! Schön, nicht? (Christoph Hugenschmidt)

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