Leider Nein (heute endlich wieder mit Tieren)

24. September 2010 um 15:53
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

"Können Verbraucher Glück schmecken, Kompetenz riechen oder Beständigkeit hören?" Sie können, weiss Karsten Klepper, seines Zeichens "Pionier der multisensorischen Markenentwicklung" und "Experte der integrierten Markenbildung". Klepper weiss noch mehr: "Glück hat geschmacklich eine Bandbreite von cremig und süß bis hin zu balsamisch und fruchtig mit einer leicht scharfen Note". Wir sind beeindruckt, dachten wir doch bisher, dass sich Glücksempfindungen von Mensch zu Mensch und ausserdem je nach Situation verändern und wussten schon gar nicht, dass zwischen "cremig" und "süß" eine Bandbreite ist. Dafür wissen wir nun, wie es tönt, wenn eine verquaste Pressemitteilung ins Postfach galoppiert. Doch Namenswitze machen wir aus Prinzip nicht: "Wieher!"
Zulaufen tun einem nicht nur Pressemitteilungen, sondern auch Tiere. So sagen immerhin 17 Prozent aller SchweizerInnen, die ein Haustier halten, dieses sei ihnen "zugelaufen", wie "bonus.ch" enthüllt. Wieviele der zugelaufenen Tiere Pferde sind, ist unklar, doch wissen wir, dass erstaunlich viele Umfrage-TeilnehmerInnen es mit der Wahrheit nicht allzu ernst nehmen. Denn 71 Prozent gaben an, die Tiere wegen "Tierliebe" zu haben, aber 0 (null) Prozent gaben zu, die Tiere für "Ernährung" zu halten. Ebenfalls 0 (null) Prozent gaben an, das Haustier zur Erzeugung von Energie für die Beleuchtung des Gartens zu halten.
Doch nicht nur "bonus.ch" wollte wissen, wie wir es mit den Tieren halten, sondern auch Sozialpsychologen der Uni Bonn, die untersuchten, "ob Fleischesser Tieren typisch menschliche Gefühle absprechen und sie damit entmenschlichen oder ob Vegetarier sie übermenschlichen." Die Sozialpsychologen fanden heraus, "dass Fleischesser nicht glauben, dass Schweine zu höheren menschlichen Gefühlen fähig sind." Auch wir glauben nicht, dass die armen Schweine menschliche Gefühle haben, sind aber ganz sicher, dass umgekehrt, Menschen immer wieder mal von schweinischen Gefühlen gepackt werden.
Nicht schweinische aber etwas seltsame Gefühle übermannten uns hingegen beim Studium eines ebenfalls von pte stammenden Artikels, der mit Titel "Trotz Impotenz: Alte Hähne dominieren Hackordung" um die Leserschaft buhlte. Tatsächlich machte ein "Forscherteam um Rebecca Dean vom Department of Zoology" der Oxford University schockierende Erkenntnisse beim Studium von "wildlebenden Hühnern in Schweden". Rebecca und ihre Jungs fanden nämlich heraus, dass "alte Hähne immer noch die Hackordnung im Stall," dominierten, "selbst wenn sie selbst schon fast impotent sind." pte enhüllt damit nicht nur, dass in Schweden auch wildlebende Hühner im Stall wohnen (wir sagen nur: "Kuschelstaat"), sondern legt den Finger in die echten Wunden der Natur: "Das bedeutet, dass Hennen mit älteren Hähnen, die viele unbefruchtete Eier legen, einer Katastrophe gleichkommen." Solange die eierlegenden, impotenten Hähne nicht auch noch von Vegetariern übermenschlicht werden, ist das alles nicht so schlimm. (Christoph Hugenschmidt)

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