Nach Kritik: Microsoft krebst beim "Productivity Score" von MS 365 zurück

2. Dezember 2020 um 12:09
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Datenschützer liefen Sturm gegen ein neues Analysetool für 365-Anwender. Nun streicht der Konzern die "Produktivitätsbewertung" von Mitarbeitern.

Mit dem "Productivity Score" hatte Microsoft im Oktober ein neues Analyse-Tool für die Unternehmenssoftware Microsoft 365 angekündigt. Das Tool soll aus unterschiedlichen Informationen wie E-Mail-Verkehr oder Teams-Nutzung einen Wert bestimmen. Diese Daten sollten personalisiert gespeichert werden, mit Namen, der Zugehörigkeit zu Firmen-Gruppen und Standort von Mitarbeitenden. Aus den gesammelten Daten sollte dann ein Produktivitäts-Score für einzelne Mitarbeiter errechnet werden.
Dieser Productivity Score sorgte für heftige Kritik von Datenschützern, Tech-Experten und Gewerkschaften. Die neue Funktion mache Microsoft 365 "zu einem vollwertigen Tool zur Arbeitsplatzüberwachung", schrieb etwa Wolfie Christl, ein Forscher von Cracked Labs, einem unabhängigen "Institut für kritische digitale Kultur" in Wien auf Twitter. Auch eine Syndicom-Sprecherin wies auf unsere Anfrage darauf hin, dass in der Schweiz gemäss Arbeitsgesetz der Arbeitgeber das Verhalten der Arbeitnehmenden nicht überwachen dürfe.

Funktion wird vollständig entfernt

Jetzt reagiert Microsoft auf die Kritik und entfernt die Produktivitätsmessung zumindest auf individueller Ebene. "Während der Vorschau (des Productivity Score) haben wir eine Funktion hinzugefügt, die Endbenutzernamen und zugehörige Aktionen über einen Zeitraum von 28 Tagen anzeigt", heisst es in einem offiziellen Statement. "Als Reaktion auf das Feedback der letzten Woche entfernen wir diese Funktion vollständig."
Künftig würden die Messungen von Kommunikation, Besprechungen, inhaltlicher Zusammenarbeit und Teamarbeit beim Productivity Score nur noch Daten auf Organisationsebene aggregieren. "Niemand in der Organisation wird in der Lage sein, Productivity Score zu verwenden, um auf Daten darüber zuzugreifen, wie ein einzelner Benutzer Anwendungen und Dienste in Microsoft 365 nutzt", schreibt Microsoft.
Zudem soll die Nutzeroberfläche des Tools überarbeitet werden, um den Anwendungszweck zu verdeutlichen: "Die Produktivitätsbewertung produziert Daten für das Unternehmen und war nie dafür gedacht, individuelle Nutzer zu bewerten."

Microsoft gesteht einen Fehler ein

Durch diese Änderungen beim Productivity Score werde der Datenschutz für Endbenutzer verbessert, während IT-Fachleute weiterhin in der Lage seien, die Akzeptanz der Produktivitätsanwendungen und -dienste in Microsoft 365 in ihrem Unternehmen zu messen und zu verwalten, heisst es weiter.
Auf Twitter bedankte sich Jeffrey Snover, Microsofts CTO for Modern Workforce Transformation, explizit beim Datenaktivisten Wolfie Christl und anderen, deren Kritik zu dieser Anpassung geführt hätten. "Was ich an Microsoft am meisten liebe, ist, dass wir, wenn wir Mist bauen, den Fehler anerkennen und ihn beheben", so Snover.

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