Nach Megaupload: Filesharing-Services ziehen den Kopf ein

24. Januar 2012, 09:53
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    FileSonic und FileServe machen (sozusagen) zu.

    FileSonic und FileServe machen (sozusagen) zu.
    Nach der spektatkulären Aktion von US- und neuseeländische Behörden gegen Megaupload scheinen auch andere sogenannte File-Sharing-Services von der Angst gepackt worden zu sein. Am Sonntagabend stellte FileSonic die Sharing-Funktion ein: User können nur noch Files herunterladen, die sie selbst hochgeladen haben. Gestern Abend machte nun mit FileServe bereits ein weiterer dieser Dienste genau dasselbe. Bisher konnten User dieser Services die Links zu hochgeladenen Files beliebig in Blogs oder Foren publizieren, und jeder andere User konnte die Files herunterladen.
    Beobachter der Szene sind sich ziemlich sicher, dass die Deaktivierung der Sharing-Möglichkeit einer Geschäftsaufgabe zumindest sehr stark ähnelt, denn genau das Teilen mit beliebigen anderen Usern machte den Kern der Services aus. FileSonic habe wahrscheinlich wie Megaupload zu den zehn grössten dieser "Direct-Download"-Services gehört. Zur Bedeutung von FileServe fanden wir keine Angaben. Die Betreiber, so wird spekuliert, wollen ihre bisherigen Einnahmen retten und hoffen, dass Copyright-Inhaber sich damit zufrieden geben und sie nicht weiter juristisch behelligen.
    Take the money and run
    Auch die Reaktion von Usern ist ziemlich einhellig: Man interpretiert das Ganze als "Take the money and run"-Aktionen. Während es dafür anscheinend sogar ein gewisses Verständnis gibt, empören sich allerdings viele darüber, dass auch zahlende Abonnenten nicht vorgewarnt wurden. Laut von uns gefundenen Usermeinungen wurden die Services zu wahrscheinlich mehr als 90 Prozent zur Verbreitung von Copyright-geschütztem Material benützt. Dabei habe es sich hauptsächlich um Comics (Mangas!) und Filme gehandelt, die überwiegende Mehrheit davon sei Pornographie gewesen.
    Bei beiden Services konnte jedermann Files kostenlos herunterladen, musste dabei aber langsame Geschwindigkeiten und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Zahlende Abonnenten hatten keine Mengenbeschränkung für Downloads, keine Wartezeiten und konnten selbst Files hochladen. Wie bei diesen "Direct-Download"-Services üblich, konnten zudem Abonnenten, deren Files oft heruntergeladen wurden, ihrerseits auch Geld verdienen. Die Services selbst wurden einerseits durch die Aboeinnnahmen und andererseits durch Werbung finanziert.
    Dass FileSonic und FileServe kurz hintereinander die gleiche Aktion durchführen und sie auch noch mit fast den gleichen Worten ankündigen (siehe Screenshot) dürfte übrigens kein Zufall sein. Auf den jeweiligen websites kann man herausfinden, dass beide ihr Domizil in Hong Kong haben und erst noch Nachbarn sind: Sie "wohnen", nur eine Hausnummer voneinander entfernt, beide an der Hoi Yuen Road in Kwun Tong. (Hans Jörg Maron)

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