Notruf-Software soll Dringlichkeit an der Stimme erkennen

22. März 2011, 10:02
  • international
  • software
image

Gehört der Ratschlag "Don't Panic" bald der Vergangenheit an?

Gehört der Ratschlag "Don't Panic" bald der Vergangenheit an?
Holländische Forscher haben ein System entwickelt, das anhand von Faktoren wie Sprechgeschwindigkeit und Tonhöhe beurteilen soll, ob ein Anrufer wirklich in grosser Aufregung ist. Das soll helfen, die Arbeit von Notrufzentralen effektiver zu machen. Denn gerade bei Katastrophen wie einem Tsunami werden die Call Center von Rettungsdiensten mit Anrufen regelrecht geflutet. "Die wirklich dringenden Fälle sollten dann Priorität bekommen", erklärt Léon Rothkrantz, Professor an der Netherlands Defense Academy und der Technischen Universität Delft, im Gespräch mit 'pressetext'.
"Unser Ziel war es, ein Sprach-unabhängiges System zu schaffen", sagt Rothkrantz. Das Team setzt darauf, dass Stress und negative Gefühle im Allgemeinen einen starken Einfluss auf Stimmcharakteristiken haben. Sie machen sich unter anderem in Tonfall, Tonhöhe und Sprechgeschwindigkeit sowie im Atemrhythmus bemerkbar. Das ermöglicht, echte Anspannung sowie Aufregung und somit dringliche Anrufe zu erkennen. Die Wissenschaftler haben also einen Algorithmus entwickelt, um den Klang von Anrufen entsprechend zu analysieren.
Wer lauter schreit, wird auch gehört?
Der Ansatz ist damit ähnlich, wie bei Lügendetektoren, die nach dem "Voice-Stress"-Prinzip arbeiten. Er soll aber in diesem Fall wesentlich breiter und in einem international einsetzbaren System ausgenützt werden.
Steht nur zu hoffen, dass in Zukunft Leute, die auch im Notfall einen kühlen Kopf bewahren, nicht schon von der Software abgewiesen oder in der Warteschlange zurückgesetzt werden, wenn sie etwas wichtiges zu melden hätten.
Technisch ist jedoch zumindest angedacht, das System mit Spracherkennung zu kombinieren, um auch den Inhalt eines Anrufs als zusätzliches Kriterium für die Bewertung der Dringlichkeit heranzuziehen. Das fänden wir von inside-it.ch doch ganz vernünftig.
Vielversprechende Tests
Wie das Team im International Journal of Intelligent Defence Support Systems berichtet, wurde der Algorithmus anhand einer Datenbank mit Aufnahmen echter Notrufe getestet. Die Forscher haben dabei vier verschiedene Ansätze genutzt, um den Stimmanalyse-Algorithmus zu trainieren. Die so erhaltenen vier Dringlichkeits-Sensoren wurden schliesslich zu einem System kombiniert, das bei den Tests eine Fehlerrate von nur 4,2 Prozent erreicht hat. Mit weiteren Optimierungen und einem grösseren Trainings-Datenbank ist es nach Ansicht der Forscher möglich, diesen Wert noch weiter zu verbessern.
Rothkrantz zufolge sind weitere Tests mit grösseren Anrufdatenbanken unbedingt erforderlich. Ein potenzielles Hindernis sind dabei allerdings Datenschutzbedenken. (pte/hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Die Chipindustrie ist im freien Fall

Nach Jahren des Booms zeichnet sich eine Krise für den Halbleiter-Markt ab. Laut Analysten könnte die Branche historische Negativwerte erreichen.

publiziert am 30.1.2023
image

Änderung an WAN-Router führte zu Microsoft-Ausfall

Vergangene Woche sind verschiedene Applikationen und Dienste von Microsoft ausgefallen. In einem vorläufigen Bericht erklärt der Kon­zern, wie es dazu kommen konnte.

publiziert am 30.1.2023
image

Schwerer Schlag gegen eine der erfolgreichsten Ransomware-Banden

Die Gruppe Hive hatte unter anderen Emil Frey und Media Markt attackiert. Jetzt haben das FBI, Europol und weitere Behörden die Hive-Infrastruktur ausgeschaltet.

publiziert am 27.1.2023
image

Intel-Zahlen rasseln in den Keller

Im vergangenen Quartal fiel der Umsatz im Jahresvergleich um 32% auf 14 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steht sogar eine rote Zahl.

publiziert am 27.1.2023