Oracle schliesst sich der Karawane nach Osten an

14. Dezember 2020, 15:15
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Noch ein Tech-Gigant verlässt das Silicon Valley und zieht nach Texas. Es gibt wohl mehrere Gründe dafür.

Oracle verlegt den Hauptsitz aus der Nähe von San Francisco nach Austin, Texas. Dies teilt der Konzern mit. "Viele Mitarbeitende" könnten ihren Bürostandort wählen und auch, ob sie ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten wollten. Das Unternehmen erhoffe sich vom Umzug bessere Wachstumsaussichten und mehr Flexibilität für die Mitarbeitenden, hiess es.
'Bloomberg' berichtet, dass Oracle 2018 einen Campus in Austin eröffnete, in der Hoffnung, von den niedrigeren Lebenshaltungskosten der Region zu profitieren. Der Campus war für 10'000 von total 135'000 Mitarbeitenden gedacht.
HPE verlegte kürzlich seinen Hauptsitz in die Gegend von Houston, Texas. Soeben gab Elon Musk bekannt, dass er persönlich nach Texas gezogen sei, um näher an der SpaceX-Startanlage in Boca Chica und an der neuen Autofabrik von Tesla in der Gegend von Austin zu sein.
Apple kündigte vor zwei Jahren eine grosse Erweiterung seines Campus in Austin an. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich weiterhin im Silicon Valley. Auch Palantir kündigte kürzlich an, das Silicon Valley zu verlassen, zieht aber von Palo Alto nach Denver, Colorado um.
Drew Houston, CEO von Dropbox, hat ein Haus in Austin gekauft und plant, es zu seinem ständigen Wohnsitz zu machen, laut einem Bericht von 'The Information'.
Google derweil hatte sein erstes Büro in Austin vor 13 Jahren eröffnet und letztes Jahr angekündigt, man werde viel mehr Platz in der Stadt mieten.

Niedrige Steuern, niedrige Immobilienpreise,...

Mit "Wachstumsaussichten" meinen die Konzerne sicher auch die niedrigen Steuern im republikanischen Texas und die laxeren Gesetze. Zudem sind in der Universitätsstadt Austin die Immobilienpreise und die Lebenshaltungskosten niedriger. Nicht zuletzt ist der Kampf um gute Leute in Texas wohl nicht so hart wie im Silicon Valley und Kalifornien allgemein. Abgesehen davon hat Texas ebenfalls ein mildes Klima.
Oracle ist ein speziell herber Verlust für das Silicon Valley: Es ist eine der ältesten Erfolgsgeschichten des Tech-Hubs. Der Konzern wurde 1977 in Santa Clara gegründet und der heutige Hauptsitz Redwood City wurde 1989 bezogen. Mehrere Gebäude auf dem dortigen Campus sind in der Form eines gedrungenen Zylinders gebaut, dem klassischen Icon für eine Datenbank, dem Produkt, auf dem Oracle sein Imperium aufgebaut hat. Immerhin soll Redwood City ein Oracle-Standort bleiben.
Es wird derweil auch spekuliert, ob der Trump-Fan Larry Ellison sich dem Exodus aus dem demokratischen Kalifornien ins konservative Texas anschliesst: Immerhin sind sein langjähriger Freund Michael Dell und die Dell-Headquarters in der Gegend. Ausserdem ist Ellison Verwaltungsrat von Tesla.
Für eine Firma war die politische Grosswetterlage jedenfalls entscheidend: Joe Lonsdale, Mitgründer von Palantir, schrieb im 'Wall Street Journal' (Paywall): "Die Politik in Kalifornien ist in vielerlei Hinsicht verschlossen gegenüber anderen Ideen. Wir sind der intoleranten extremen Linken in Kalifornien überdrüssig geworden, die lieber Gegner dämonisiert, als ehrliche Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren." Auch Lonsdales Venture-Capital-Firma ist nun in Austin daheim, der Hauptstadt von Texas, die stolz darauf ist, dass ihr Parlamentsgebäude 4 Meter höher ist als dasjenige in Washington.

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