OSS: Nun steigt die Ruhrpott-Metropole Dortmund um

6. April 2021, 14:39
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Die Stadt priorisiert Open-Source-Software. Wer proprietäre Lösungen will, muss dies begründen können.

Wieder einmal startet eine öffentliche Verwaltung in die OSS-Welt (Open Source Software). Diesmal heisst es bei der deutschen Stadt Dortmund, dass wo möglich auf die Nutzung von OSS gesetzt werden soll und die von der Verwaltung entwickelte oder in Auftrag gegeben OSS-Entwicklungen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen sind. Mit diesem Beschluss hat die Stadt eine Beweislastumkehr zugunsten von OSS und zulasten von proprietärer Software beschlossen. Die Verwaltung muss künftig für jeden proprietären Software-Einsatz begründen, warum keine Open-Source-Software eingesetzt werden kann, heisst es auf dem Blog Do-FOSS (Dortmund für Free and Open Source Software). Und was mit öffentlichen Geldern finanziert wird, soll der Allgemeinheit zur Nutzung zur Verfügung stehen, heisst es weiter.
Damit vollzieht die einstige Kohlenpottstadt nach, was 2017 in München vorerst gescheitert war. Allerdings hat München inzwischen wieder eine Kehrtwende gemacht. So hiess es dort im letzten Frühjahr: "Wo immer technisch und finanziell möglich setzt die Stadt auf offene Standards und freie Open-Source-lizenzierte Software".
Auch Hamburg hatte im Sommer 2020 mit dem gleichen Grund beschlossen, in der Verwaltung vermehrt auf OSS zu setzen, wie damals das 'Linux-Magazin' berichtete. Man wolle absehbare Herstellerabhängigkeiten vermeiden.
Hierzulande hatte schon 2010 das Scheitern des Linux-Vorreiterkantons Solothurn zu heftigen Diskussionen geführt. Zuletzt hatte im November 2019 der Kanton Uri festgelegt, einen Mix aus proprietären Lösungen und OSS einsetzen zu wollen.
Damals wurde auch festgehalten, dass bei Software-Entwicklungen durch Dritte die Herausgabe des Quellcodes verlangt werden solle und offene, von Lieferanten respektive Plattformen unabhängige Lösungen zu bevorzugen seien. Der komplette Umstieg auf OSS wurde aber mit der Begründung abgelehnt, dieser sei unter den Aspekten Funktionalität, Stabilität und Wirtschaftlichkeit weder sinnvoll noch zweckmässig. Die Einsparungen an Lizenzkosten müsse man etwa durch Supportverträge mit Open-Source-Fachleuten relativieren, hiess es im Bericht aus Uri. Zudem verhinderten hohe Investitionen zum Aufbau der OSS-Plattformen, zum Wissensaufbau der Mitarbeitenden und zur Migration von Vorlagen und Dokumenten über einen längeren Zeitraum einen guten Return on Investment.
Bleibt abzuwarten, ob es die Stadt mit rund 590'000 Einwohnern und 9500 Stadtangestellten schafft, die OSS-Bevorzugung in die Realität umzusetzen. Bei der Dortmunder Initiative Do-FOSS glaubt man jedenfalls, dass eine politische Zeitenwende eingeläutet worden sei und der Ausstieg aus dem proprietären Zeitalter begonnen habe.

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