Wer einen Passwortmanager sucht, kann rund 40 unterschiedliche Angebote evaluieren, denn das Hacken eines solchen ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Nun wurde Passwordstate von Click Studios im Rahmen einem Supply-Chain-Angriff gehackt.
Laut dem Anbieter ist es den Hackern gelungen, in eine Upgrade-Funktion einzudringen. Via Twitter wurde das entsprechende Mail an Kunden publik.
Nutzer von Passwordstate sollen sofort alle ihre Passwörter zurücksetzen, falls sie den Upgrade Passwordstate_upgrade.zip" in den 28 Stunden zwischen 20. April, 8.33 PM UTC und 22. April 0.30 Uhr AM UTC heruntergeladen haben. "Es wird davon ausgegangen, dass nur Kunden, die In-Place-Upgrades zwischen den oben genannten Zeitpunkten durchgeführt haben, betroffen sind und deren Passwordstate-Passwortdaten möglicherweise abgegriffen wurden", schreibt der Anbieter in einem
Advisory (PDF).
Wer ist tatsächlich betroffen? Den Kunden wird geraten, die Dateigrösse von "moserware.secretsplitter.dll"zu überprüfen, die sich in ihrem Verzeichnis c:\inetpub\passwordstate\bin\ befindet. "Wenn die Dateigrösse 65KB beträgt, sind sie wahrscheinlich betroffen".
Nun gilt es für Betroffene, die Zugangsdaten für Firewalls, VPN, für die interne Infrastruktur und alle weiteren in Passwordstate gespeicherten Datensätze zurückzusetzen.
"Um das klarzustellen, das CDN-Netzwerk von Click Studios wurde nicht kompromittiert. Die ursprüngliche Kompromittierung zeigte die In-Place-Upgrade-Funktionalität auf ein CDN-Netzwerk, das nicht von Click Studios kontrolliert wird", fügt das Unternehmen hinzu.
Was man zu wissen scheint
Was bekannt zu sein scheint: Einmal installiert, sammelt die Malware, die inzwischen "Moserpass" getauft wurde, Systeminformationen und Passwortdaten, die später an einen vom Angreifer kontrollierten Dienst übermittelt werden.
Darunter sollen unter anderem Computername, Benutzername, Domänenname, aktueller Prozessname, aktuelle Prozess-ID, Name und ID aller laufenden Prozesse sowie Benutzername und Passwort sein. Dazu diverse Felder in der Kennworttabelle der Passwordstate-Instanz.
Der Domänenname und der Hostname würden nicht extrahiert. Es gebe bis anhin "keinen Hinweis darauf, dass Verschlüsselungsschlüssel oder Datenbank-Verbindungszeichenfolgen an das CDN-Netzwerk der Hacker gesendet würden".
Auf den ersten Blick betrachtet, glaube er, dass die Angreifer "grob einen "Loader"-Codeabschnitt hinzugefügt haben, nur 4 KB mehr als in einer älteren Version", twitterte J. A. Guerrero-Saade, ein Security-Forscher von Sentinelone.
Von Nutzen und Risiken von Passwort-Managern undsoweiter
Passwortmanager sind interessante Ziele, da ein Krimineller nicht jeden User einzeln hacken muss, sondern Login-Daten auf diese Weise auf dem Silbertablett serviert kriegt. Opferseitig hat man dann gleich alle Passworte zu ändern.
Nun lässt sich denn trefflich über Nutzen und Risiken von Passwortmanagern streiten, über Open Source versus Closed Source und die Securityvorkehrungen von Click Studios. Die australische Firma hat jedenfalls einen massiven Imageschaden zu befürchten, ist Passwordstate doch laut Click Studios bei 370'000 Sicherheits- und IT-Experten in 29'000 Unternehmen weltweit im Einsatz.
Nach SolarWinds-Orion und
dem Hack von Codecov ist dies 2020 bereits der dritte bekannte, grössere erfolgreiche Angriff, der via die Update- und Distributionsmechanismen eines Herstellers ausgeführt wurde.