"S/4Hana in der Schweiz auf dem Vormarsch"

21. Januar 2021, 16:20
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Eine Umfrage der Anwendergruppe DSAG löst bei SAP und Schweizer Partnern Optimismus aus. Aber die Cloud-Lösungen überzeugen nicht jeden. Und die Lizenzen...

SAP dürfte in der Schweiz 2021 Mühe haben, orakelten einige Branchen-Insider vor einigen Wochen. Das SAP-Management schien den Auguren Recht zu geben, hatte der Konzern doch im Oktober 2021 vor den Folgen der Corona-Pandemie gewarnt, welche die Nachfrage bis mindestens zur Jahreshälfte 2021 belasten dürften.
Nun kommt es offenbar doch nicht so schlimm, SAP rechnet mit mindestens stagnierenden Erlösen aus dem Verkauf von Softwareabos und Lizenzen.
Laut der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG gibt es für SAP Schweiz 2021 Grund zum Optimismus: Schweizer Unternehmen investierten trotz Corona und ungewissen Aussichten weiterhin in SAP-Software, so das Resultat einer Umfrage.
Zudem sei "S/4Hana nun endgültig am Schweizer Markt angekommen", lautet eine weitere Kernaussage.
In Zahlen gefasst, ergab die Umfrage der DSAG für die Schweiz bezüglich Budgets (siehe auch Grafik oben):
  • Bei 36% der Unternehmen steigen die SAP-Investitionen 2021 (DACH: 43%)
  • Bei 44% bleiben sie gleich hoch (DACH: 35%)
Das bedeutet allerdings gleichzeitig, dass 20% der Befragten zumindest vorläufig weniger in SAP-Lösungen investieren wollen. Ob diese Ausfälle oder Projekt-Verzögerungen durch die steigenden Investitionen kompensiert werden, bleibt offen.Zum Thema S4/Hana ergab dieselbe Umfrage:57% der Befragten planen hohe und mittlere Investitionen in S/4Hana (DACH: 56%) In die Business Suite wollen 22% investieren (DACH: 25%) 81% präferieren On-Premise19% gehen in S/4Hana Cloud (DACH: 12%).
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Grafik: DSAG
"Die Bedenken der Unternehmen, firmenrelevante Daten in die Cloud zu geben, ist noch immer gross. In der Schweiz sind wir dem Ganzen gegenüber jedoch deutlich aufgeschlossener als im restlichen DACH-Raum", kommentiert Jean-Claude Flury, DSAG-Vorstand. Dennoch sei es weiterhin wichtig mit SAP im Dialog zu S/4Hana zu stehen. Es werde "konsequent" weiterentwickelt. "Dieser Weg ist noch nicht zu Ende gegangen. Man muss sich die Funktionalitäten sehr genau anschauen, beispielsweise in Bezug auf die Abgrenzung von On-Premise und Cloud, die reibungslose Integration und dass die wichtigsten Funktionen End-to-End abgebildet sind. Da muss das Potenzial noch ausgeschöpft werden".
Trotz Corona, trotz teilweise als unklar kritisierten SAP-Roadmaps, trotz der Komplexität der S/4-Hana-Welt sei der grundsätzliche Entscheid für die Lösung gefallen. "Für die Schweizer Unternehmen ist S/4Hana als Basis für die digitale Transformation gesetzt," sagt Flury.
Dann fragt sich aber noch, wann denn die grossen Projekte im Terminplan der Firmen stehen werden? Auch hierzu gibt die DSAG-Umfrage eine Antwort: 11% der Befragten (DACH: 10%) planen den Umstieg 2021 und weitere 39% (DACH: 39%) bis 2023/24. Nur gerade 17% konnten noch keinen Termin nennen. Dies seien 7% weniger als im Vorjahr, so die Anwendervereinigung (DACH: 13%).

"Bei der Lizenzierung mehr Flexibilität wünschenswert"

Erstmals wurden die DSAG-Unternehmen nach ihrer Lizenzstrategie beim Umstieg auf S/4Hana befragt. 34% (DACH: 22%) gaben an, im bestehenden Lizenzmodell zu bleiben, also eine Product-Conversion durchzuführen. 10% (DACH: 12%) wollen vorderhand keine Lizenkonvertierung und erst später in das S/4Hana-Lizenzmodell wechseln, also eine Contract-Conversion auf sich nehmen. Ebenfalls 10% (DACH: 13%) wechseln direkt in das S/4Hana-Lizenzmodell.
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Grafik: DSAG
28% der Schweizer haben sich noch nicht vertieft mit ihrer Lizenzstrategie befasst. Das sei bemerkenswert und positiv, im DACH-Raum seien dagegen 40% unentschlossen. Eine rechtzeitige Strategieentscheidung sei hilfreich, so die DSAG, die aber auch ergänzt: "Insgesamt wäre aus DSAG-Sicht bei der Lizenzierung mehr Flexibilität wünschenswert, um den Umstieg zu erleichtern."

Und die SAP-Cloud? Eher (noch) nicht

Wieviele Schweizer Unternehmen planen zumindest "mittlere" oder sogar "hohe" Investitionen in die SAP Cloud? Die Ergebnisse zeugen von Zurückhaltung bis Skepsis, wenn auch in minderem Masse als im DACH-Raum insgesamt.
  • SAP Analytics Cloud: 28% (DACH: 14%)
  • SuccessFactors: 28% (DACH: 15%)
  • SAP Customer Experience (CX – ehemals C/4HANA): 11% (DACH: 8%)
  • SAP Integrated Business Planning: 6% (DACH: 8%)
  • Industry Cloud (nur mittlere Investitionen): 6% (DACH: 2%)
Gerade 3% der Schweizer Befragten haben mittlere Budgets für Ariba, Concur und Fieldglass reserviert. Gar keines plant Investitionen in die Enterprise-Feedback-Management-Lösung Qualtrics.
Dass mehr als ein Fünftel der Schweizer "mittlere Investitionen" in SuccessFactors plane sei "bemerkenswert", so die DSAG. Die Skepsis betreffe nicht die Cloud an sich, sondern die SAP-Cloud-Lösungen.
Sie würden in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit nicht immer nur positiv von den Kunden wahrgenommen. "Bei der Weiterentwicklung der Cloud-Lösungen ist teilweise nicht nachvollziehbar, wie wichtige Anforderungen der Kunden priorisiert und umgesetzt oder auch nicht umgesetzt werden“, erläutert Jean-Claude Flury. "Hier muss SAP noch nachbessern."

Corona dominiert nicht alle IT-Budgets

Ganz grundsätzlich scheint bezüglich Ausgaben Optimismus vorzuherrschen, trotz (oder wegen) Corona, denn die DSAG hat auch nach IT-Gesamtbudgets gefragt: Immerhin 38% wollen ihre IT-Ausgaben um 10 bis 20% erhöhen, vor der Pandemie waren es mit 39% etwas mehr gewesen.
Interessenbindung: inside-it.ch/inside-channels.ch ist Medienpartner der DSAG.

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