Der neue Apple-Chef nimmt Platz

31. August 2026 um 09:22
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John Ternus (l.) folgt auf Tim Cook. Foto: Apple

John Ternus übernimmt offiziell die Führung des Konzerns. Der Hardware-Spezialist muss sich auch der KI-Frage stellen.

Wenn Apple am 9. September frische iPhones vorstellt, wird auch ein neuer Konzernchef seinen Einstand geben. John Ternus, mit 51 ein Jahr älter als Apple selbst, übernimmt am 1. September den Spitzenjob.
Ternus war bisher für Geräte zuständig. So ist es auch passend, dass zu seinen ersten Ankündigungen im neuen Job laut Medienberichten der Einstieg von Apple ins Geschäft mit faltbaren Smartphones gehören soll. Er gilt als kompetent, fokussiert und als kreativer Problemlöser. In seiner Freizeit fahre er gern mit seinem Porsche auf der kalifornischen Rennstrecke Laguna Seca und komme auf respektable Rundenzeiten unter 1:40 Minuten, berichtete das 'Wall Street Journal'.
Zur hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC im Juni signalisierte Apple neue Offenheit und schickte den designierten Firmenchef Ternus in eine Willkommensparty für die Medien. Das Bad in der Menge endete damit, dass er für ein Selfie nach dem anderen posierte, mit stets strahlendem Lächeln.
Ternus beerbt auf Apples Chefsessel Tim Cook, der den Posten vor ziemlich genau 15 Jahren vom todkranken Mitgründer Steve Jobs übernahm. Jobs ist die bestimmende Figur der Apple-Geschichte. In der Garage seiner Eltern lötete einst Mitgründer Steve Wozniak die Platinen der ersten Apple-Computer. Nach seiner Rückkehr ins Unternehmen entstanden unter Jobs' Regie der iPod-Player, das iPhone und das iPad. Cook wurde als Nachfolger der Tech-Legende zunächst skeptisch beäugt. In seinen Jahren an der Spitze wurde Apple aber – auch dank der Popularität der unter Ternus' Verantwortung entwickelten Geräte – zu einer beispiellosen Geldmaschine.

Gerätewelt aus einem Guss

In der Cook-Ära stieg Apple ins Geschäft mit Computer-Uhren ein – und wurde aus dem Stand zur Nummer eins in dem Markt. Das gelang dem Konzern auch mit den Airpods-Ohrhörern. Die Daten-Brille Vision Pro wurde zwar nicht zum Verkaufsschlager – was auch dem Preis ab 3999 Euro geschuldet sein dürfte. Doch sie wird in Design und Medizin benutzt und kann eine Vorstufe zu leichten Brillen sein, die Nutzerinnen und Nutzern Informationen in durchsichtige Gläser einblenden.
Cook-Kritiker bemängeln gelegentlich, unter seiner Führung habe Apple kein derart revolutionäres neues Produkt wie einst das iPhone herausgebracht. Ein selbstfahrendes Elektroauto hätte vielleicht ein solcher grosser Wurf sein können. Apple gab jedoch die Arbeit an der Technik zum autonomen Fahren nach Ausgaben von angeblich rund zehn Milliarden Dollar auf, unter anderem im Angesicht übermächtiger Konkurrenz der Google-Schwesterfirma Waymo.
Als visionär stellte sich die Entwicklung eigener Chips heraus, die in den vergangenen Jahren immer leistungsstärker wurden. Damit laufen alle Apple-Geräte zudem auf einer einheitlichen Basis und können sich für die Nutzer nahtlos zu einem Technik-Puzzle für verschiedene Lebenslagen verbinden.
Im Zusammenspiel mit der Software liegt darin ein zentrales Erfolgsrezept von Apple, das die Kundinnen und Kunden zum Kauf immer neuer Geräte verleitet. Es ist eine Welt, die Ternus in den vergangenen zwei Jahrzehnten massgeblich mit aufgebaut hat. Im Silicon Valley freuen sich so einige, dass nach dem Lieferketten-Experten Cook nun wieder ein Hardware-Typ ans Ruder kommt.

Mischt KI die Karten neu?

Auf dem Chefposten wird sich Ternus allerdings der Frage stellen müssen, was Künstliche Intelligenz für das Apple-Geschäft bedeutet – und was die richtige KI-Strategie ist. Zum bisherigen Kalkül von Apple gehört die Annahme, dass Menschen weiterhin Geräte des Konzerns wie das iPhone und Mac-Computer nutzen werden, um auf Software mit Künstlicher Intelligenz zuzugreifen.
Das Gegenargument aus dem Lager der KI-Rivalen wie Tech-Milliardär Elon Musk lautet, für die neue Technik werde man radikal andere Geräte brauchen. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI setzt so weit auf diese Karte, dass er den einstigen Apple-Designchef Jony Ive engagierte – und inzwischen Apple zufolge mehr als 400 ehemalige Mitarbeitende des Konzerns beschäftigt. Einigen Abgewanderten wirft Apple vor, Geschäftsgeheimnisse mitgenommen zu haben, und zog vor Gericht. Diesen Streit erbt nun Ternus.
Zugleich räumte Cook auf der Zielgeraden noch so manche unangenehme Aufgabe ab. So etwa die Preiserhöhung für eine Vielzahl von Apple-Geräten angesichts der im KI-Boom explosiv gestiegenen Speicherkosten sowie Entlassungen im Silicon Valley.
Auch wird sich Ternus vorerst keine Gedanken um Kontakte zu Präsident Donald Trump machen müssen, die für US-Firmenchefs ein Drahtseilakt sein können. Cook, der Trump schon einmal eine Scheibe iPhone-Glas in einem goldenen Ständer im Weissen Haus präsentierte, dürfte sich als Verwaltungsratschef weiterhin selbst darum kümmern und seinem Nachfolger den Rücken freihalten.
Von Andrej Sokolow (DPA)

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