SBB überdenkt Citrix-Einsatz

9. Oktober 2008 um 14:00
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Benutzeroberfläche Opus soll durch Aqua ersetzt werden. Als Alternative zum reinen Citrix-Ansatz prüft die SBB "Mischformen". Zudem kann sich CIO Dietrich gut vorstellen, in Zukunft mit drei oder vier Outsourcern zusammenzuarbeiten.

Benutzeroberfläche Opus soll durch Aqua ersetzt werden. Als Alternative zum reinen Citrix-Ansatz prüft die SBB "Mischformen". Zudem kann sich CIO Dietrich gut vorstellen, in Zukunft mit drei oder vier Outsourcern zusammenzuarbeiten.
In der aktuellen Ausgabe der SBB-Hauszeitung spricht CIO Andreas Dietrich nur am Rande über den Verzicht auf Windows Vista (siehe separaten Artikel, weil das System zu langsam ist.
Mischformen statt reiner Citrix-Ansatz
Im Interview mit der 'SBB-Zeitung' sagt der Informatikchef, dass sich beim letzten Opus-Release ein Fehler eingeschlichen habe: "Die jüngste Version des Virenschutzprogramms beansprucht das System übermässig. Dieses Übel werden wir aber demnächst beseitigen." Opus sei heute wesentlich stabiler als noch vor drei Jahren, was auch eine kürzlich durchgeführte interne Umfrage gezeigt habe. Die damals vergebene Note 4,34 genügt dem CIO aber nicht: "Vergleichbare Firmen schneiden im Schnitt um ein Zehntel höher ab. Die Klassenbesten erreichen sogar fast die Note 5."
Dietrich will eine 4,7 erreichen, "was mit der heutigen Citrix-Plattform schwer wird", wie er sagt. Denn die Zahl der Anwendungen habe sich stark erhöht, und insbesondere die Thin Clients seien in die Jahre gekommen. Daher soll Opus demnächst durch ein System namens Aqua abgelöst werden. Heisst das jetzt, dass die SBB in Zukunft auf das Citrix-Modell, bei dem die Daten und Programme zentral gespeichert sind, verzichten wird? "Nein", sagt SBB-Mediensprecher Roland Binz auf Anfrage. "Wir führen heute einen reinen Citrix-Ansatz. Als Alternative zu diesem Ansatz prüfen wir derzeit Mischformen", so der Sprecher gegenüber inside-it.ch.
Der CIO spricht über das Citrix-Prinzip, das zwar Vorteile habe, doch: "Wir müssen die Architektur überarbeiten und den Flaschenhals beheben. Dabei werden wird ein Stück von der 'reinen Lehre' abrücken. Denn etliche Anwendungen wie CAD oder SAP eignen sich schlecht für den Betrieb auf der zentralen Citrix-Plattform."
Mit Aqua bleibt zwar Windows XP, doch es kommen die neuste Version des Internet Explorers, Office 2007, eine einfachere Mailarchivierung sowie neue Geräte. "Ein wichtiges Thema ist die mobile Arbeit", sagt Dietrich. Als erster Schritt sei ein einfacher Mailzugang übers Internet geplant.
Auch drei oder vier IT-Partner sind kein Problem
Zum Schluss verrät Dietrich noch einige Details zum "IT-Masterplan", der zurzeit entwickelt wird. Das Ziel dabei ist, die Informatik einfacher zu machen: Die SBB setzt heute 1200 Anwendungen ein. "Zunächst haben wir die Landschaft kartografiert, um die Zahl der Anwendungen zu kennen. Nun folgt die Bereinigung, oft im Zuge ohnehin anstehender Veränderungen. So etwa ein neues Preissystem sowie ein neues Planungs- und Dispositionssystem der Infrastruktur", so Dietrich.
Die SBB will bekanntlich die eigene Informatik-Abteilung ausbauen. Das Unternehmen sucht derzeit 150 Informatiker, obwohl es Anfang September noch hiess, dass es für die interne IT-Abteilung nur noch "die eine oder andere Anstellung" geben werde.
Seit einigen Jahren arbeitet die SBB mit den beiden grossen Outsourcing-Unternehmen T-Systems und Swisscom IT Services (SCIS). In Zukunft könnten auch weitere IT-Dienstleister hinzukommen. "Der Trend läuft auf mehr Provider hinaus", sagt Dietrich. "Wer sich entschliesst, den Betrieb auszulagern, tut dies heute eher mit spezialisierten Anbietern. Im Hinblick auf den Ablauf der Verträge mit T-Systems und SCIS denken wir deshalb über die zukünftige Providerlandschaft nach." Auch drei oder vier Partner seien kein Problem. "Wir glauben, dass der Mehrnutzen zusätzlicher Provider den Aufwand rechtfertigt", sagt der Informatikchef. (Maurizio Minetti)

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