SBB wollen umstrittene Planungs-Software ersetzen

18. Oktober 2021, 15:22
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Nach rund 10 Jahren will die Bahn unter anderem Sopre erneuern, was Medienberichten zufolge um die 200 Millionen Franken kosten wird.

Unter dem Namen "Integrierte Produktionsplanung" (IPP) haben die SBB ein Programm gestartet, um ihre Planungssysteme demnächst zu erneuern. Als Grund für die Erneuerung nennt eine Mitteilung rasche Entwicklungsschritte in der Digitalisierung, die "neue Möglichkeiten zur Erhöhung der Qualität, Effizienz und Flexibilität unserer Planungsprozesse" eröffnen, die "noch vor kurzem nicht vorhanden waren". Ausserdem kündigen die SBB darin eine Ausschreibung zur Evaluation möglicher Anbieter an.
Auf Anfrage bestätigt die Bahn, dass vom Programm IPP die Rollmaterialplanung (Ceres) und Sopre (Simulation, Optimierung und Planung Ressourcen) sowie die Personalressourcenplanung SP-Expert betroffen sind. Da es sich um eine bevorstehende Ausschreibung handle, mache man zu den Kosten keine Angaben, schreibt die Pressestelle. Auch sonst gibt es keine Details zu erfahren, abgesehen davon, dass die Erneuerung "in absehbarer Zeit" erfolgen soll.
Bekannt ist nur, dass der IPP-Start Hand in Hand mit der Ablösung der Software Sopre einhergeht. Den Projektstart hat laut der 'Sonntagszeitung' SBB-Chef Vincent Ducrot bereits im Sommer an einer Bähnlerveranstaltung in Bern angekündigt. Demnach hat er den "Megaaufwand" für Sopre bemängelt und angekündigt, sich um einen Ersatz zu kümmern, der um die 200 Millionen Franken kosten solle.
Interessant war die Ankündigung deshalb, weil nun offensichtlich die Reissleine gezogen wurde. Zuletzt waren gerade die Kosten immer unter dem Deckel gehalten worden. Und das, obwohl Sopre seit der Auftragsvergabe 2011 immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte. Unter anderem mit Verzögerungen und aus dem Ruder gelaufenen Kosten. Zudem waren die "Mehrkosten" auch schon Thema der Politik.
Die 'Sonntagszeitung' beziffert sie nun auf inzwischen weit über 100 Millionen Franken und beruft sich dabei auf nicht näher genannten SBB-Insider. Bei der einstigen Auftragsvergabe waren gerade einmal 19 Millionen Franken veranschlagt worden. Auch auf Nachfrage von inside-it.ch gab es keine Auskunft bei den SBB zum konkreten Kostenaufkommen.
In dem Artikel werden die explodierten Ausgaben mit zahlreichen Nachbesserungen begründet und damit, dass seit der Einführung von Sopre deutlich mehr Personen nötig seien, um die Planung und Einteilung zu erledigen. Die Rede ist von einem Plus von 20% und dazu seien sogenannte Tourenflicker gekommen, die die Fehler ausbessern, die das Programm verursache.
Auf unsere Frage, wann es zuletzt mit Sopre welche Probleme gab, teilt die Pressestelle mit, "dazu macht die SBB keine Detailangaben". Stattdessen wird betont, Sopre funktioniere "seit längerem stabil, täglich werden damit 7000 Personenzüge geplant". Komplexe und teils sehr kurzfristige Fahrplanänderungen wären ohne Sopre nicht zu bewältigen gewesen, heisst es mit Verweis auf den Baustellen-Sommer 2018, den Event-Sommer 2019 und das Hoch- und Runterfahren im Pandemie-Fahrplan 2020.

Kostenexplosion löst IPP aus

Der Bericht der 'Sonntagszeitung' beruft sich auch auf Hanny Weissmüller, die Präsidentin der Lokpersonalabteilung der Gewerkschaft SEV. Sie resümiert, dass "die Kostenexplosion und die anhaltenden Probleme" die Geschäftsleitung offensichtlich dazu bewogen hätten, "jetzt schon die Reissleine zu ziehen".  Sopre sei sicher für eine längere Einsatzdauer ausgelegt gewesen, werde aber die 16-jährige Laufzeit der Vorgängerversion nicht erreichen.
Bereits im Sommer hat Ducrot laut dem Bericht erklärt, "wir wollen in den produktiven Einheiten in Richtung einer integrierten Produktionsplanung gehen". Man werde ein Standardprodukt implementieren und "nicht mehr selbst das Rad neu erfinden". Heute gebe es aus dem Busbereich verschiedene sehr gute Systeme, die man für die Bahn einsetzen könne, so der CEO.
Bis das neue Programm im Einsatz ist, dürften noch mehrere Jahre vergehen, schreibt das Blatt. Und es erinnert daran, dass im IPP neben den Funktionen von Sopre auch die der Fahrzeugbewirtschaftung Ceres und die der Personalressourcenplanung SP-Expert unter einem Dach vereint werden sollen.

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