Schöne, neue IT-Welt

3. Januar 2012, 07:00
  • international
image

Foodautomaten mit Gesichtserkennung, Behavioral-Targeting für Grippekranke.

Foodautomaten mit Gesichtserkennung, Behavioral-Targeting für Grippekranke.
Wenn einem ein leises Frösteln über den Rücken schleicht, wenn man von manchen technischen Entwicklungen hört, ist man wohl eine Ewig-gestriger. Oder man hat Grippe, und wäre damit ein idealer Zielkunde für beispielsweise einen Pharmahersteller. Nur hatten diese bisher ein Problem damit, ihre Werbebotschaften möglichst gezielt ohne "Streuverlust" an die Verschnupften beziehungsweise deren Angehörige zu bringen. Eine helfende Hand für dieses drängende Problem bietet nun Google, wie die 'New York Times' berichtet. Google hat schon zwischen 2003 und 2008 einige Milliarden Suchabfragen ausgewertet und mit den Daten von Epidemieexperten abgeglichen. Daraus ist "Google Flu Trends" entstanden, eine Karte, welche täglich aufgrund von Suchabfragen die gerade herrschende Grippehäufigkeit in einem Gebiet zeigen soll.
Das medizinische Establishment liess diese Errungenschaft von Google bisher eher kalt, nun interessiert sich aber anscheinend die Pharmaindustrie dafür. Vicks möchte laut 'New York Times' darauf basierend Werbebotschaften für Fieberthermometer an die Kundschaft bringen. Und das nicht etwa an jedermann, sondern noch gezielter an Mütter, die erstens in einem Grippegebiet leben und sich zweitens nicht weiter als drei Kilometer von einem Geschäft befindet, in dem die Thermometer auch erhältlich sind. Deshalb werden die Werbungen nicht allgemein im Internet, sondern nur in bestimmten Apps auf Mobiltelefonen eingeblendet. Beim Installieren dieser Apps muss man das Geschlecht angeben und ob man Kinder hat, das Handy liefert dazu noch den aktuellen Aufenthaltsort.
Sorry, zu jung für diese Leckerei
Der Nahrungsmittelhersteller Kraft arbeitet laut 'Los Angeles Times' derweil an Essensautomaten mit Gesichtserkennung. Von "aussen" gesehen ist die Anwendung dabei noch relativ einfach. Kraft scheint neuerdings auf "nicht ganz jugendfreie" Süssigkeiten speziell für Erwachsene zu setzen. Mit einer Kamera ausgestatteten Automaten sollen Gratismuster der Verpackungs- und marketingmässig entsprechend aufgemachten Produkte verteilen, aber eben, nicht an Jugendliche oder gar Kinder. Die Gesichtserkennung soll also lediglich das Alter einer Person abchecken.
Intern könnte allerdings noch deutlich mehr gespeichert werden, um so beispielsweise Kaufmuster nach Alter, Geschlecht, Rasse und vielem mehr zu erstellen. Ausserdem müssen Kunden erst noch ein SMS schicken, um an ihre schlüpfrige Gratisnascherei zu kommen, so das auch eine individuelle Erkennung möglich wäre. Kraft verpricht allerdings laut 'Los Angeles Times', keine Telefonnummern zu speichern. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Ferrari

Die Gruppe Ransomexx hat angeblich erbeutete Dateien veröffentlicht. Der Automobilhersteller erklärt, keine Beweise für eine Verletzung seiner Systeme zu haben.

publiziert am 3.10.2022
image

USA gegen Russland: Wahl um ITU-Präsidium ist entschieden

Die International Telecommunications Union (ITU) der UNO wird neu von einer Amerikanerin geleitet. Doreen Bogdan-Martin setzte sich gegen einen Russen durch.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022 1
image

Schweiz: Wettbewerbsfähigkeit top, E-Government flop

In der aktuellen IMD-Studie steigt die Schweiz in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit in die Top 5 auf. Dahingegen schwächelt sie im Bereich E-Government.

publiziert am 29.9.2022 1