Der indische IT- und Outsourcing-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) sonnte sich lange im Glück, hat jetzt aber im Börsenhandel von Mumbai (Bombai) verloren, weil er wegen der negativen makroökonomischen Einflüsse aus den USA und Europa erstmals seit zehn Quartalen die Prognosen der Analysten enttäuscht hat.
Der Nettogewinn ist im abgelaufenen Quartal zum 30. September 2011 "nur" um 15 Prozent auf 24,4 Milliarden Rupien, umgerechnet 440,7 Millionen Schweizer Franken, gestiegen. Im Schnitt waren Analysten von einem Nettogewinn in Höhe von 25,2 Milliarden Rupien ausgegangen. Folglich ist die TCS-Aktie am Vortag um 8 Prozent abgesackt, der heftigste Einbruch seit dem 8. Oktober 2010 und der stärkste in dem aus 30 Unternehmen bestehenden indischen "Sensitive Index", der um 1,9 Prozent nachgab. Die Aktie von Infosys, dem zweitgrössten Software-Unternehmen Indiens, verlor beispielsweise nur 1,4 Prozent.
Enttäuscht hat TCS auch beim Umsatz im dritten Kalenderquartal. Waren ursprünglich von 117 Milliarden Rupien ausgegangen, kamen am Ende nur 116,3 Milliarden Rupien (2,1 Milliarden Franken) heraus, was gegenüber den 92,9 Milliarden Rupien vom Vorjahr aber dennoch ein Plus von 25 Prozent bedeutet.
TCS-CEO N. Chandrasekaran wird von 'Bloomberg Businessweek' mit den Worten zitiert, dass es inmitten der wirtschaftlichen Unsicherheit viel "Negativismus" unter den Kunden gebe. Die Erholung in den USA erfahre "eine Menge Gegenwind" durch die Schuldenkrise in der Eurozone, wodurch die Budgets in der grössten Volkswirtschaft der Welt politisch gesehen eingefroren seien, sagte Chris Rupkey, Ökonom der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ Ltd.
Trotz der "beunruhigenden" makroökonomischen Situtation in Europa sieht Chandrasekaran auch "positive Vibes" (Vibrationen) von Kunden bezüglich ihrer IT-Ausgabenbereitschaft. Die "Deal Pipeline" in Europa sei immer noch stark, und aktuell kündigten sich zwei bis drei Telekommunikationsverträge an, sagte der TCS-Chef am Vortag.
Obwohl die Zeichen nicht mehr ganz so gut stehen, hat TCS die Zahl der weltweiten Mitarbeiter im zurückliegenden Quartal um 12'580 auf 214'770 aufgestockt. (Klaus Hauptfleisch)