Schweden sollen Crypto-AG-Politik kritisieren

21. September 2020, 13:09
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Erhält Schweden keine Security-Lösungen aus Zug mehr? Hat das Land ein Dinner mit Bundesrat Ignazio Cassis deswegen abgesagt?

Zwischen Schweden und der Schweiz herrsche "dicke Luft" wegen der Firma Crypto International, schreibt der 'Sonntagsblick' unter Berufung "auf gut informierte Quellen".
Die schwedische Regierung habe ein Dinner mit Bundesrat Ignazio Cassis abgesagt, mit welchem laut der Zeitung die beiden Staaten das 100-Jahr-­Jubiläum der diplomatischen ­Beziehungen feiern wollten. Auch die schwedische Aussenministerin Ann Linde hätte teilnehmen sollen.
Ein freier Abend für Cassis, wegen einer Firma? Crypto International ist eine der beiden Nachfolgefirmen des skandalumwitterten Verschlüsselungsgeräte-Herstellers Crypto AG und ist in schwedischen Händen mit Sitz im zugerischen Steinhausen. Der Bundesrat entschied vor einigen Monaten, dass Crypto International keine Chiffriergeräte mehr exportieren dürfe.
Die Firma wird aktuell liquidiert, laut den Schweden wegen dieses Entscheids.
Laut 'Sonnntagsblick' ist die schwedische Regierung nicht allein über das rasche Ende einer schwedischen Firma empört, sondern auch darüber, dass sie nun keine "Cyber-Security-Software" von Crypto International mehr beziehen könne.
Die Dinner-Absage sei ein "Eklat" und "höchst unüblich", glaubt der 'Sonntagsblick' zu wissen. Bei den Websites grosser schwedischen Medien wie 'Dagens Nyheter' oder 'Aftonbladet' hingegen ist das Medieninteresse sowohl am Niedergang von Crypto International wie dem Dinner bis anhin inexistent.

Zieht "Cryptoleaks" immer weitere Kreise?

Ausgangspunkt sind die sogenannten Cryptoleaks, bei welchen internationale und Schweizer Medien nachwiesen, dass die Zuger Crypto AG während Jahrzehnten manipulierte Verschlüssler verkaufte und exportierte. Dies, weil die Firma ebenso wie eine Schwesterfirma im Besitze von The Crypto Group mit Sitz in Steinhausen war, beziehungsweise einer von Geheimdiensten kontrollierten Stiftung.
Die neuen Besitzer von Crypto International, die Schweden Emma und Andreas Linde, versicherten, ihre Firma habe zwar denselben Standort, aber sonst nichts damit zu tun, doch dies überzeugte den Bundesrat nicht. Er hielt noch Ende August am Exportverbot fest.
Die Firma kündigte daraufhin die Entlassung fast aller Mitarbeitenden und einen Sozialplan an. Das Besitzerehepaar Linde sagte, man werde beim Zuger Amt für Wirtschaft und Arbeit das Ende von Crypto International einleiten.

Und die Nachfolgefirma der Nachfolgefirma?

Im selben Monat liessen sie im Handelsregister die Firma Asperiq eintragen, die ihren Hauptsitz in Schweden hat, und in Zug eine Adresse bei einem Rechtsanwalt vorweist. Dieses Unternehmen bietet laut Website "benutzerfreundliche, moderne, IP-basierte Lösungen zur Sicherung der Kommunikation und Zusammenarbeit für Regierungen, NGOs und Organisationen für kritische Infrastrukturen auf der ganzen Welt."
Konkrete Informationen zu Produkten bietet die Website keine, auch nicht, ob sie auch einen "Lagerverkauf" von Crypto-AG-Lösungen wie Verschlüssler oder der Crypto Management Suite CMS-1200 bietet, wie dies Crypto International versuchte. Es ist demzufolge auch offen, ob sich der schwedische Staat verärgert zeigt, weil diese Lösungen nicht lieferbar sein könnten.

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