Schweizer Cyber-Kommando bald einsatzbereit

1. September 2021, 15:11
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Bis Anfang 2022 sollen ein Cyber-Bataillon und ein Cyber-Fachstab mit Angehörigen der Armee gebildet werden. Der Bundesrat hat die Botschaft verabschiedet.

Im Oktober 2020 hatte der Bundesrat angekündigt, ein neues Cyber-Kommando zu schaffen und die Milizbestände in diesem Bereich auszubauen. Jetzt werden diese Pläne konkret. Der Bundesrat hat am 1. September eine entsprechende Vorlage ans Parlament verabschiedet. Im Zentrum steht ein neues Kommando mit 575 Armeeangehörigen. Diese werden in den nächsten Jahren ausgebildet.
Der Schutz vor Cyber-Attacken sei eine sicherheitspolitische Priorität des Bundesrats, ist dem aktuellen Bericht zur Sicherheitspolitik zu entnehmen. Heute sei die Schweiz in Sachen Digitalisierung "viel zu wenig weit fortgeschritten". In den vergangenen Jahren stand die Stärkung der Cyber-Abwehr deshalb immer wieder im Raum.
"Es vergeht kein Tag ohne Cyber-Angriffe", sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd vor den Medien in Bern. IT-Systeme müssten daher besser geschützt werden - auch von der Armee. Armeechef Thomas Süssli relativierte aber: "Es ist nicht möglich, hinter jeden Nutzer einen Soldaten zu stellen."

Auch Privatfirmen unterstützen

Mit der Botschaft zur Änderung des Militärgesetzes und der Armeeorganisation übergibt der Bundesrat den Ball dem Parlament. In der Vernehmlassung stiessen die Pläne der Landesregierung mehrheitlich auf Anklang. Den Anstoss für eine Stärkung der Cyber-Abwehr hatten die Räte selbst gegeben. Anfang 2018 überwiesen sie eine Motion zur Schaffung einer Cyber-Truppe.
Der Fokus der Cyber-Abwehr lag bisher auf dem Schutz militärischer Kommunikationskanäle und Einrichtungen. Die neue schnelle Eingreiftruppe soll Betreiber kritischer Infrastrukturen und Privatfirmen bei der Abwehr von Attacken subsidiär unterstützen können. Zu den kritischen Infrastrukturen zählt der Bund unter anderem die Stromkonzerne, die SBB und die Telekomfirmen.
Vorgesehen ist nun, auf den 1. Januar 2022 ein Cyber-Bataillon und einen Cyber-Fachstab zu bilden, wie es in einer Mitteilung des Verteidigungsdepartements (VBS) heisst. Der Bestand in der Miliz soll von heute 206 auf 575 Angehörige der Armee erhöht werden. Laut Armeechef Süssli wird es aber "noch einige Zeit dauern", bis die Truppe vollständig alimentiert sein wird.

Cyber-Lehrgang sei ein "Erfolgsmodell"

Bisher hat die Armee seit Sommer 2018 rund 100 Armeeangehörige in ihrem Cyber-Lehrgang ausgebildet. Amherd bezeichnete diesen als "Erfolgsmodell." Künftig solle die Teilnehmerzahl schrittweise erhöht werden. Dafür brauche es aber mehr talentierte Anwärterinnen und Anwärter. "Wir müssen junge Leute schon vor der RS über den Cyber-Lehrgang informieren."
Zweites Puzzlestück bei der militärischen Cyber-Abwehr soll ein neues Sonderkommando sein. Die heutige breit gefächerte Führungsunterstützungsbasis (FUB) soll auf Anfang 2024 in ein einsatzorientiertes, militärisches Kommando Cyber überführt werden.
Dieses soll künftig die militärischen Schlüsselfähigkeiten in den Bereichen Lagebild, Cyber-Abwehr, IT, Kommunikation, Führungsunterstützung, Kryptologie und elektronische Kriegführung bereitstellen. Bereits im März 2021 hatte der Bundesrat Divisionär Alain Vuitel mit der Leitung der neuen Abteilung betraut.

Keine zusätzlichen Kosten

Die Kosten für die Schaffung des Kommandos Cyber und die Aufstockung des Personals sind laut dem Bundesrat im Rahmen der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) bereits budgetiert. Es würden keine weiteren finanziellen Folgen erwartet.
Gemäss der Botschaft ist die Zahl der gezielten Cyber-Angriffe auf strategisch relevante Ziele stark angestiegen. Die bestehenden Cyber-Truppen bräuchten demzufolge mehr Personal, mehr Ausbildung und eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ausland.
Im April 2021 hatte VBS-Vorsteherin Amherd auch eine neue "Strategie Cyber VBS" verabschiedet. Mit der Strategie Cyber könnten das VBS und seine Verwaltungseinheiten den Fokus noch gezielter auf die sich ständig ändernden Anforderungen im Bereich der Cyberdefence ausrichten, hiess es dazu. Dabei sei insbesondere die Aus- und Weiterbildung aller VBS-Mitarbeitenden sowie des Militärs von zentraler Bedeutung.

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