Schweizer Glasfasernetze: Swisscom setzt sich durch

6. Oktober 2009, 13:42
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Resultat des vierten "runden Tisches": Vier Fasern pro Wohnung, keine parallelen Netze, diskriminierungsfreier Zugang für Swisscom-Konkurrenten. Sunrise ist teilweise zufrieden.

Resultat des vierten "runden Tisches": Vier Fasern pro Wohnung, keine parallelen Netze, diskriminierungsfreier Zugang für Swisscom-Konkurrenten. Sunrise ist teilweise zufrieden.
Nach vier "runden Tischen" und über einem Jahr intensiver Verhandlungen scheint ein Durchbruch bei der Koordination des Baus von Glasfasernetzen bis in die Haushalte (Fiber to the Home - FTTH) erzielt worden zu sein. Die gestern durchgeführte vierte Versammlung der involvierten Akteure (Telekom-Firmen, Elektrizitätswerke) führte zu konkreten Resultaten: Man beschloss in erster Linie, dass in den Gebäuden mindestens vier Fasern in jede Wohnung verlegt werden sollen – damit hat sich die Idee des ehemaligen Telekom-Monopolisten Swisscom durchgesetzt.
Dass Swisscom in den vergangenen Monaten Boden gut gemacht hat, sah man an der steigenden Zahl von Elektrizitätswerken, die sich entschlossen haben, nach langem Hin und Her doch mit Swisscom zu kooperieren. Swisscom hat sich nun im Gegenzug verpflichtet, nicht-diskriminierende Bedingungen für die Wettbewerber zu schaffen. Was das genau bedeutet, ist zurzeit noch unklar.
Sunrise-Sprecher Hugo Wyler betont gegenüber inside-it.ch, dass die Ergebnisse des "runden Tisches" nicht verbindlich sind. Trotzdem sei man darüber froh, dass man sich auf den diskriminierungsfreien Zugang und auf die Vermeidung von parallelen Netzen geeinigt habe. "Der Zugang zu den nackten Fasern an den Ortszentralen ist für uns wichtig", so Wyler. Das Mehrfasermodell, das gemäss Sunrise zu substanziellen Mehrkosten führen wird, habe man "akzeptiert".
Einheitliche Standards
Die Betreiber einigten sich auch auf einen einzigen Steckertyp für Steckdosen in den Haushalten, um damit den Kunden die unangenehme Suche nach dem richtigen Übergangskabel bei einem Anbieterwechsel zu ersparen. Einheitliche Kündigungsbestimmungen sollen den Anbieterwechsel erleichtern.
Die Akteure wollen durch die verstärkte Koordination den parallelen Bau neuer Netze unbedingt vermeiden. Auf keinen Fall soll unnötig Geld verschleudert werden: Gemäss Schätzungen kostet es rund 10 Milliarden Franken, alle Schweizer Haushalte an ein superschnelles Glasfasernetz anzuschliessen. Einen grossen Teil davon investiert Swisscom. Es scheint daher nur logisch, dass der Marktführer seine Investitionen schützen will.
In verschiedenen Arbeitsgruppen sollen nun weitere Details geklärt werden. Weitere Informationen zum Thema FTTH gibt es hier. (Maurizio Minetti)

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