Schweizer Retail-Banken und die liebe IT

23. November 2015, 15:19
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Viel Taktik, wenig Strategie: Man will jetzt einen Beitrag zum Business. Mit Zukunftstechnologien beschäftigt man sich kaum.

Viel Taktik, wenig Strategie: Man will jetzt einen Beitrag zum Business. Mit Zukunftstechnologien beschäftigt man sich kaum.
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat im Rahmen der "IFZ Retail Banking-Studie 2015" Schweizer Retail-Banken unter anderem nach ihren strategischen Prioritäten im IT-Bereich befragt. Zwar beteiligten sich nur die CIOs oder IT-Verantwortlichen von 27 der 266 angefragten Institute an der Umfrage, die Resultate dürften aber doch Hinweise auf Trends liefern.
Die Antworten, so das Fazit der Studienautoren, machten deutlich, dass die Informatikabteilung einer Bank weiterhin in erster Linie eine Unterstützungsfunktion ausübt und nicht als strategischer Differenzierungsfaktor betrachtet werde. Zwei Drittel der Teilnehmer erklärten, dass die IT-Abteilung gegenwärtig eine Support-Funktion ausübe, nur rund ein Viertel sieht sie als strategisches Differenzierungsmerkmal.
Dies widerspiegle sich auch im hohen Outsourcing-Grad verschiedener IT-bezogener Aktivitäten, so die Studie. Insbesondere die Software-Entwicklung, das IT-Hosting und Datenmanagement sowie das Applikationsmanagement ist bei jeweils rund zwei Drittel der Befragten ganz ausgelagert, bei einem weiteren Fünftel teilweise.
Immerhin geben die Befragten, trotz der Betonung der Supportfunktion, dem Beitrag der IT zum Geschäft ("Business Contribution") die höchste Priorität unter den nachgefragten Bereichen, knapp vor "Operational Excellence" und "User Orientation", aber weit vor der "Future Orientation". Beim Business-Beitrag wird vor allem die Bewältigung von Aufgaben gefordert, denen sich die Banken aktuell gegenüber sehen: Der Umsetzung von neuen regulatorischen Vorschriften wird die höchste Priorität eingeräumt, gefolgt von der Digitalisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen sowie der Implementierung von neuen Anforderungen an Produkte und Prozesse.
Im Bereich "Operational Excellence" wird die Gewährleistung der IT-Sicherheit am höchsten eingeschätzt, bei der User-Orientierung die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Im Bereich "Future Orientation" wird auch ein eher betrieblicher Aspekt am höchsten eingestuft, nämlich die Sicherstellung und Entwicklung der personellen Ressourcen. Der Implementierung von FinTech-Lösungen gibt nur ein Sechstel der Teilnehmer eine hohe Priorität, ein weiteres Fünftel eine eher hohe Priorität.
Dazu passt, dass auch nur wenige Banken dazu bereit scheinen, ihre Investitionen in die IT zu erhöhen. Hinsichtlich der Kosten ihrer IT-Abteilung gehen vier von fünf Befragten davon aus, dass die Aufwände im nächsten Jahr entweder sinken oder auf konstantem Niveau verharren.
Eine ähnliche Haltung zeigt sich auch bei der Frage, welche Projekte im Bereich FinTech zur Zeit verfolgt werden oder geplant sind. Klar am häufigsten sind Projekte in Bereichen, mit denen sich Banken schon seit einiger Zeit beschäftigen: Online-Banking, Mobile Banking und Mobile Payment. Je rund 70 Prozent der Befragten haben aktuelle Projekte in diesen Bereichen oder planen sie. Zwei Themen, die wohl für die nähere Zukunft interessieren, sind Personal Finance Management sowie Big Data/Analytics. In beiden Bereichen hat zwar nur eine kleine Minderheit aktuelle Projekte, aber ein recht grosser Teil plant etwas. Keinerlei Projekte in Sicht sind dagegen in zwei Bereichen, die eigentlich gegenwärtig heftig als Zukunftstechnologien diskutiert werden, Blockchain und Cryptowährungen. Und auch mit Crowdfunding, Social Trading, P2P-Marktplätzen und "Robo-Beratern" beschäftigt sich nur eine sehr kleine Minderheit in der Praxis. (Hans Jörg Maron)
Die 180-seitige "IFZ Retail Banking-Studie Schweiz 2015", die auch viele weitere Themen rund um das Retail-Banking behandelt, kostet 290 Franken und kann per E-Mail an [email protected] bestellt werden. Sammelbestellungen kosten ab 3 Exemplaren 240 Franken pro Exemplar, ab 5 Exemplaren 190 Franken und ab 10 Exemplaren 140 Fanken pro Exemplar.

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