Schweizer Startups erhalten so viel Geld wie nie zuvor

28. Januar 2020, 14:52
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2019 flossen 2,3 Milliarden Franken Dollar an Schweizer Startups, fast 90% mehr als im Vorjahr.

Das Interesse von Risikokapitalgebern an neuen Geschäftsideen und -Modellen in der Schweiz ist 2019 weiter gestiegen. Noch nie haben Startups so viel Risikokapital erhalten wie im vergangenen Jahr. Der ICT-Sektor sammelte dabei die meisten Mittel ein.
Konkret flossen im vergangenen Jahr 2,29 Milliarden Franken an Risikokapitalinvestitionen in Schweizer Jungfirmen. Das entspricht einer beeindruckenden Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 86 Prozent, wie dem achten Swiss Venture Capital Report zu entnehmen ist. Diesen hat das Online-Newsportal Startupticker.ch in Zusammenarbeit mit der Investorenvereinigung Seca erstellt.
Der Schweizer Venture Capital Markt habe mit dem erstmaligen Überschreiten der 2-Milliarden-Marke eine neue Dimension erreicht, sagte Thomas Heimann, Co-Autor der Studie, an einer Medienveranstaltung. Für ihn ist aber nicht nur das Überschreiten dieser Rekordmarke beeindruckend, sondern auch, dass sich seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012 die Investitionen insgesamt mehr als versiebenfacht haben.

Wachstum dank Grossinvestitionen

Ein grosser Anteil der Steigerung ging dabei auf das Konto einiger weniger Grossinvestitionen. So entfielen allein auf die grössten drei Finanzierungsrunden 823 Millionen Franken, was mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Im Median betrug das investierte Kapital unverändert 2 Millionen Franken.
Besonders in vier Schweizer Jungunternehmen setzen die Investoren die grössten grosse Hoffnungen: Sie wurden zum Zeitpunkt der Finanzierungsrunde mit über einer Milliarde Franken bewertet und gelten damit als sogenannte Einhörner. Dabei handelt es sich um das auf Krebstherapien ausgerichtete Biotechunternehmen ADC Therapeutics, die Onlinebuchungsplattform für Touren Getyourguide, die Finanz-App Numbrs und die Versicherungsplattform Wefox.
Total kam es im vergangenen Jahr zu 266 Finanzierungsrunden, 36 (+15,7%) mehr als im Vorjahr respektive 205 mehr als noch 2012. Dabei flossen in 19 dieser Finanzierungsrunden über 20 Millionen Franken. In fünf Runden schossen Geldgeber mehr als 100 Millionen ein.
Dabei lag der Markt fest in der Hand ausländischer Investoren. Nur eine der acht grössten Finanzrunden erfolgte mit Schweizer Beteiligung. Für Seca-Geschäftsführer Maurice Pedergnana ist das dem Umstand geschuldet, dass es einerseits in der Schweiz erst wenige grosse Venture-Capital-Firmen gibt. Anderseits würden europäische Risikokapitalinvestitionen eine höhere Rendite abwerfen, als solche in den USA.

ICT-Sektor erhält am meisten Kapital

Am stärksten wuchsen die Investitionen im Bereich ICT und hier speziell im Fintech-Bereich. Im vergangenen Jahr sammelten der Bereich bei in- und ausländischen Geldgebern 1,2 Milliarden Franken, nach 685 Millionen Franken im Vorjahr. Davon entfielen allein 822 Millionen auf die fünf grössten Finanzierungsrunden. Stark zugenommen um 147 Prozent auf 624,7 Millionen Franken haben auch Investitionen im Biotechsektor.
Bei der geografischen Verteilung gab es einen klaren Schwerpunkt: Im Kanton Zürich wurden im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Franken und damit mehr als das Doppelte als im Vorjahr in Startups investiert. Knapp 90 Prozent der Mittel, rund eine Milliarde Franken, flossen dabei in ICT- und Fintech-Unternehmen. Von den schweizweit getätigten ICT-Investitionen flossen rund 85 Prozent der Mittel in Firmen mit Domizil in Zürich.
Generell lasse sich sagen, dass die Schweizer Venture Capital-Szene weiter gereift sei, sagte Pedergnana. Für das laufende Jahr gehe er von einer Fortsetzung des bisherigen Trends aus, ergänzte Heimann.

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