Schweizer Telcos fordern höhere Strahlenschutzgrenzwerte

26. Juni 2014, 14:19
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Die Schweizer Mobilfunkanbieter attackieren erneut die strengen Strahlengrenzwerte für Handyantennen.

Die Schweizer Mobilfunkanbieter attackieren erneut die strengen Strahlengrenzwerte für Handyantennen. Die zehnmal tieferen Grenzwerte als in der EU würden die Mobilfunknetze hierzulande massiv verteuern. Die Kosten für Bau und Betrieb eines Mobilfunknetzes seien in der Schweiz um 40 bis 110 Prozent höher als in unseren Nachbarländern, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Donnerstag am Branchentreffen des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation (Asut) in Bern: "Ein Schweizer Mobilfunknetz ist beispielsweise 50 Prozent teurer als in Deutschland. Zudem verlieren wir Geschwindigkeit beim Ausbau der Netze."
Grösster Kostentreiber sei die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV), hiess es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC und des Beratungsunternehmens Ecosens, die im Auftrag von Swisscom, Sunrise und Orange erstellt wurde. Durch die tiefen Schweizer Strahlenschutzgrenzwerte könnten die Kapazitäten der bisherigen Handyantennen kaum noch ausgebaut werden.
In der Schweiz könnten zwei Drittel der Handyantennen nicht vollständig auf die neue Mobilfunkgeneration LTE aufgerüstet werden, die viel schnellere Surfgeschwindigkeiten ermöglicht. Deshalb müssten viele zusätzliche Handyantennen aufgestellt werden. Dagegen könnte LTE in Österreich auf den bisherigen Antennen eingeführt werden, hiess es.
Der Ausbau der Mobilfunkkapazitäten durch LTE sei dringend nötig. Denn alle zwölf Monate verdopple sich der Datenverkehr in den Schweizer Handynetzen, weil immer mehr Menschen überall und allzeit online seien, sagte Schaeppi.
Baubewilligungen bremsen
Neben den strengen Strahlenschutzgrenzen sind die anspruchsvolle Schweizer Topographie und die Siedlungsentwicklung Gründe für hohe Ausbaukosten der Handynetze.
In der Schweiz leben sehr viele Menschen entlang der Landesgrenzen, wo aus technischen Gründen weniger nutzbare Mobilfunkfrequenzen zur Verfügung stehen, wie es in der Studie heisst. Deshalb müssen die drei Telcos in den Grenzgebieten mehr Antennen bauen als ihre Pendants in den Nachbarländern.
Stark erschwerend gegenüber Deutschland und Österreich würden sich auch die schweizerischen Bewilligungsverfahren sowie die raumplanerischen Kompetenzen auswirken. Zudem bremsen häufig die Gemeinden, die immer mehr Moratorien gegen Handyantennen oder Kaskadenmodelle ergreifen würden.
In der Schweiz dauere das Verfahren für eine neue Handyantenne auch ohne Einsprachen über ein Jahr. In Deutschland seien es nur 10 Monate, in Österreich ein halbes Jahr, stellte die Studie fest. (sda/mim)

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