Forscher haben den Effekt der Covid-19-App des britischen Gesundheitsdienstes NHS untersucht. In einer in der Zeitschrift 'Nature' veröffentlichten Studie nutzten sie Daten des NHS, um die epidemiologische Wirkung der App aufzuzeigen und zu quantifizieren.
"Wir untersuchten die Auswirkungen der NHS-Covid-App für England und Wales, von ihrer Einführung am 24. September 2020 bis Ende Dezember 2020", heisst es in der Einleitung zum
'Nature'-Artikel. Die britische App sei in diesem Zeitraum regelmässig von rund 16,5 Millionen Nutzern (28% der Gesamtbevölkerung) verwendet worden.
Durch die Kombination von datengesteuerten und modellbasierten Ansätzen haben die Forscher nun die Zahl der Covid-Fälle geschätzt, die durch App verhindert wurden. Sie kommen zum Schluss, dass diese Zahl in den untersuchten drei Monaten 300'000 bis 600'000 verhinderte Infektionen betragen würde.
Etwa 1,7 Millionen Expositionsbenachrichtigungen seien verschickt worden, nachdem 560'000 positiv getestete Nutzer sich dafür entschieden hatten, ihre engen Kontakte benachrichtigen zu lassen. Die Forscher schätzten, dass 6% der benachrichtigten Personen anschliessend positiv getestet wurden, nachdem sie Symptome gezeigt hatten.
In einer eigenen Mitteilung äussert sich die EPFL in Lausanne zur Studie. Die Zahlen aus Grossbritannien würden eine "sekundäre Ansteckungsrate" (SAR) zeigen, die im Einklang mit dem stehe, was bei der manuellen Kontaktverfolgung beobachtet werde. "Dies zeigt, dass die digitale Kontaktverfolgung genauso effektiv ist wie die manuelle Kontaktverfolgung, allerdings mit einem deutlichen Geschwindigkeitsvorteil und einem viel geringeren Risiko, die Gesundheitsdienste zu überfordern", so die EPFL.
Die App der NHS beruht wie "Swisscovid"
auf dem DP3T-Protokoll, das die EPFL und die ETH Zürich in der frühen Phase der Pandemie mitentwickelt haben. Die britischen Schätzungen würden sich mit ähnlichen Untersuchungen in der Schweiz und Spanien ("Radar Covid") decken. "Dies zeigt, dass ein starker Datenschutz nicht im Widerspruch zur epidemiologischen Wirksamkeit steht", sagt Carmela Troncoso, Professorin für Datenschutz und Sicherheit an der EPFL und Hauptautorin des DP3T-Protokolls, in der Mitteilung.
Die ersten Ergebnisse aus Grossbritannien, Spanien und der Schweiz seien vielversprechend und würden zeigen, "dass DP3T-basierte Contact-Tracing-Apps weltweit nützlich sind, um Leben zu retten", so die EPFL.