Swisscom beteiligt sich "substanziell" an Ajila

6. Dezember 2019, 14:45
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Der Telco kauft Erfahrung in der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu und nimmt Einsitz im Verwaltungsrat von Ajila.

Der Telco kauft Erfahrung in der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu und nimmt Einsitz im Verwaltungsrat von Ajila.
Bisher war die in Sursee ansässige Firma Ajila öffentlich wenig bekannt, obwohl sich das Unternehmen nicht zuletzt im Projektgeschäft unter anderem bei grossen Versicherungen und Banken einen Namen gemacht hat. Das hat sich inzwischen geändert, nachdem soeben bekannt geworden ist, dass Swisscom sich mit einem "substanziellen Anteil an der Ajila Holding" beteiligt. Man müsse sich erst noch daran gewöhnen, die Komfortzone unterhalb des Medienradars verlassen zu müssen, wie Mitgründer und CEO Beat Steiner in einem Telefonat mit inside-channels.ch festhält.
Zwar geben weder Swisscom noch Ajila Auskunft darüber, ob Swisscom eine Mehrheitsbeteiligung übernommen hat. Steiner bestätigt allerdings, dass Swisscom Einsitz im Verwaltungsrat genommen hat. Man arbeite bereits seit Anfang 2018 in einem Joint-Venture zusammen, was jetzt zu einer Beteiligung geführt habe, wie er nachschiebt.
Ajila wurde vor 16 Jahren gegründet und ist auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen spezialisiert. Eigenen Angaben zufolge sind bislang 10'000 Formularprozesse im Rahmen von Kundenprojekten digitalisiert worden. Insgesamt habe man rund 270 internationale Kunden aus allen Branchen und Sparten.
Für Kunden habe man bisher on-premises entsprechende Projekte durchgeführt. Solche Projekte umfassen heute die HR-Prozesse, die papierlos und rechtsverbindlich abgewickelt werden könnten. Das Unternehmen sei aber auch bei Versicherungen, Banken oder im E-Government-Bereich im Einsatz, erläutert Steiner.
Gemeinsame Lösung aus der Cloud
Gemeinsam biete man nun die "Digital Deals" genannte Plattform aus der bei Swisscom betriebenen Cloud heraus an. Darüber könnten "Geschäftsprozesse ohne Zwischenschritte oder Medienbrüche online" abgewickelt werden, heisst es in einer Pressemitteilung. Das Ausdrucken, Unterschreiben und wieder Einscannen von Dokumenten falle weg.
Erste Kunden seien auf der Cloud-basierten Version bereits online. Sie zeichne sich dadurch aus, dass sie für die rechtsgültige Signatur an den All-in-Signing-Service von Swisscom angebunden sei und somit sowohl die Rechtsvorgaben der Schweiz (ZertES) wie auch der EU (eIDAS) erfülle. Ausserdem funktioniere "Digital Deals" Finma-konform, ergänzt Steiner.
Ajila auf internationalem Expansionskurs
Der CEO hebt allerdings hervor, dass neben der Cloud-Variante für Ajila weiterhin das Projektgeschäft für Konzerne zentral sei. Damit sei man seit geraumer Zeit auch auf Internationalisierungskurs. Gespräche mit potentiellen Kunden in der Türkei, Grossbritannien und in den skandinavischen Ländern würden laufen. Dass für den Gang über die Schweizer Grenze Swisscom an Bord geholt worden sei, verneint Steiner, zumal die Internationalisierung schon länger laufe.
Ajila werde den Hauptsitz in Sursee und die Niederlassung in London behalten, unterstreicht der CEO. Das Unternehmen bleibe autonom und werde nicht in Swisscom integriert, stellt er weiter klar. Derzeit beschäftige man 37 Mitarbeitende, zwei davon in London. Die Produktentwicklung wie die Geschäftsführung blieben unverändert genauso wie die Rollen von Steiner und Mitgründer Daniel Stöckli. (vri)

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