Swisscom sorgt für Ärger beim E-Mail-Versand

5. März 2010, 13:18
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Im Kampf gegen Spam greift der Telekommunikationskonzern zu ungewohnten Mitteln und sorgt für Ärger bei Internetnutzern.

Im Kampf gegen Spam greift der Telekommunikationskonzern zu ungewohnten Mitteln und sorgt für Ärger bei Internetnutzern.
Seit Anfang März hat die Swisscom damit begonnen, den ausgehenden E-Mail-Verkehr ihrer Kunden vor dem Versand auf Spam zu prüfen. Diese Umstellung führt dazu, dass viele Kunden keine Mails mehr verschicken können und stattdessen ein automatisiertes Antwortmail von Swisscom erhalten. Inhalt: "Authentifizierte Verbindungen nicht möglich. Bitte nutzen Sie den Port 587 oder kontaktieren Sie uns unter 0800 800 800". Dies selbst dann, wenn Kunden, die beispielsweise via Bluewin DSL mit dem Internet verbunden sind, ihre Mails über einen Mailserver, der sich ausserhalb des Bluewin-Netzes befindet, verschicken wollen.
10 Millionen Spam-E-Mails pro Tag
Auf Anfrage von inside-it.ch sagt Olaf Schulze, Mediensprecher der Swisscom, dass das Unternehmen gesetzlich verpflichtet sei, gegen den massenhaften Versand von unerwünschten E-Mails, sprich Spam, vorzugehen. Über das Netz des Telekom-Konzern seien vor der Massnahme rund 10 Millionen Spam-E-Mails pro Tag versandt worden. Die nun eingeführte Filterung von ausgehendem E-Mail-Datenverkehr, die sukzessive weiter aufgeschalten werde, habe zu einer Verringerung von rund 80 - 90 Prozent der Spam-E-Mails auf dem Swisscom-Netz geführt, so Schulze.
Aus technischer Sicht, erklärt Schulze weiter, wird sämtlicher ausgehender Datenverkehr auf den Ports 25 und 587 durch einen Spamfilter geführt, womit Spam-Nachrichten, die beispielweise durch mit Viren verseuchte PCs verschickt werden, erkannt und eliminiert werden. Danach werden nur nicht als Spam erkannte E-Mails an den Mailserver des Empfängers weitergeleitet. Das Problem dabei: Nutzt der User die verbreitete, sogenannte SMTP-Authentification auf Port 25, weist der Spamfilter die Nachricht ab, weil er damit nicht umzugehen weiss. Abhilfe schafft laut Schulze nur die Abschaltung der Authentifizierung oder die Umstellung in den Einstellungen der E-Mail-Software, wo als SMTP-Port für ausgehende E-Mails der Port 587 eingetragen werden muss.
Swisscom filtert auch Daten an andere Provider
Pikant an der Anti-Spam-Massnahme der Swisscom: Der Konzern wendet diese Filterregeln auch auf E-Mail-Datenverkehr an, der gar nicht an die Mailserver von Bluewin und Co. gerichtet ist, sondern eigentlich nur das Swisscom-Netz durchfliessen und zum Mailserver eines anderen Dienstleisters weitergeleitet werden soll. Die Swisscom hat damit auch die zumindest theoretische Möglichkeit, zum Beispiel Mails an bestimmte Adressaten abzufangen beziehungsweise nicht weiterzuleiten. Umgekehrt sorgt sie mit der Massnahme, wenn auch wahrscheinlich ungewollt, dafür, dass die anderen Provider mit (etwas) weniger Spamaufkommen auf ihren Mailservern rechnen dürfen. Wie der Mailingliste der SwiNOG (Swiss Network Operators Group) entnommen werden kann, sorgt das Thema nun auch bei Providern für Gesprächsstoff, deren Supportabteilungen vermehrt von Kunden mit Problemen beim Mailversand kontaktiert werden. (Thomas Bruehwiler)

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